
Todkranke Patienten sollten dran denken, behandelnde Ärzte über ihre religiösen Ansichten zu befragen.
Todkranke Patienten sind gut beraten, sich über die religiösen Ansichten ihres Arztes zu informieren. Laut einer Studie wirken sich die religiösen Ansichten von Medizinern auf die Entscheidungen aus, welche das Lebensende ihrer Patienten beschleunigen könnten.
Den Untersuchungen zufolge neigten nichtreligiöse Ärzte doppelt so oft wie tiefreligiöse Mediziner dazu, Entscheidungen zu treffen welche das Leben todkranker Menschen verkürzen könnten. Tiefreligiöse Mediziner wiederrum waren weniger bereit, solche Entscheidungen unter Einbeziehung der Patienteninteressen zu diskutieren.
„Wenn ich ein Patient in palliativmedizinischer Behandlung wäre, würde ich die Ansichten meines Arztes in religiösen Fragen kennen wollen“, so Professor Clive Seale vom Centre of Health Sciences an der Medizinischen Universität London. Seale würde wissen wollen, „ob sie nichtreligiös oder religiös sind und ob der Arzt das Gefühl hat, es könnte die von ihm zu treffenden Entscheidungen beeinflussen.“ Ärzte wären genauso wie andere Menschen von ihren persönlichen Glaubenseinstellungen betroffen wie andere Menschen.
So sei es für todkranke Patienten wichtig, den richtigen Mediziner für die gewünschte Behandlung zu finden. Das betrifft sowohl diejenigen, welche ihr Leben um jeden Preis verlängern möchten wie auch sterbewillige Patienten.
„Für Krankenhausärzte ist es ein leichtes, sich als neutrale Repräsentanten der Wissenschaft darzustellen“, sagte Seale. Aber auch bzw. gerade für Mediziner spielen Werte eine Rolle. Er stellt fest: „Diese Tatsache ist in Hinsicht auf Abtreibungseingriffe akzeptiert, aber in Bezug auf das Sterben hat es hier noch keine breite Diskussion gegeben.“ Er selber hätte einen Hausarzt gehabt, welcher intensiv gegen die Legalisierung von Sterbehilfe engagiert war. Diesen hätte er nun gewechselt.
Seine Studie, die nun im „Journal of Medicin Ethics“ erschienen ist, basierte auf Umfragen mit Spezialisierung auf Fachbereiche, die mit der Pflege von Patienten am Lebensende zu tun haben. Darunter Neurologen, Palliativmediziner und Allgemeinpraktiker.
Fast 4.000 Ärzte wurden dazu befragt, darunter zur Behandlung ihres letzten Patienten der gestorben war. Gefragt wurde beispielsweise ob die Patienten bis zum ihrem Tod große Mengen von Schmerzmittel verabreicht bekommen haben oder ob Entscheidungen für ein früheres Lebensende mit den Patienten diskutiert wurden. Hinzu kamen Fragen zu religiösen Überzeugungen und ihre Einstellungen zur Sterbehilfe. Insgesamt 3.000 Mal konnte der Tod eines Patienten untersucht werden.
Festgestellt wurde auch, dass Palliativmediziner häufig weiße Hautfarbe hatten, christlich waren und sich als religiös bezeichneten. Spezialisten in der Versorgung von alten, aber nicht todkranken, Patienten hingegen seien etwas häufiger Muslime oder Hindus. Die Möglichkeit, dass ein Arzt eine ethisch kontroverse Entscheidung unter Erwartung oder teilweiser Absicht der Lebensbeendigung machte, steht in keinem Zusammenhang mit der Ethnie des Arztes. Eine deutliche Verbindung konnte hingegen in Bezug auf die Spezialisierung festgestellt werden. Schwierige ethische Entscheidungen, die sich lebensverkürzend oder –verlängernd auswirken konnten, wurden von Palliativmedizinern nur etwa ein Zehntel so oft berichtet wie von anderen Fachärzten.
Ärzte, welche sich als „extrem“ oder „sehr“ nichtreligiös verstanden, berichteten doppelt so häufig von solchen Abwägungen wie ihre religiösen Kollegen. Und die meisten religiösen Mediziner waren signifikant seltener bereit, lebensverkürzende Maßnahmen mit ihren Patienten zu diskutieren.
Da atheistische, agnostische und andere nichtreligiöse Ärzte sich religiösen Ideen wie etwa der Auffassung, dass nur ein Gott über das Lebensende des Patienten entscheiden darf, persönlich nicht verbunden fühlen, sehen sie sich allerdings auch häufiger mit schwierigen ethischen Entscheidungen konfrontiert. Deutlich wird schließlich, dass nichtreligiöse Ärzte hierbei das Selbstbestimmungsrecht des Patienten stärker in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellen und diese wesentlich häufiger in die Diskussion miteinbeziehen. Religiöse Mediziner setzen hingegen eher darauf, das Leben von Patienten um jeden Preis zu verlängern und sind seltener bereit, die Meinung der Patienten in ihre Überlegungen miteinzubeziehen.















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