Ältere Menschen können noch berichten, wie in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts vor allem muslimische Jugendliche in den vielen Industriewerken der Bundesrepublik Deutschland unter dieser Regel litten. Für die Einhaltung sorgte die älteste Generation der türkischen Einwanderer, welche für den Aufbau Deutschlands ins ferne Nordeuropa gereist waren. Solange es die Industrien gab, in denen sie dringend gebraucht wurden, arbeiteten sie dort täglich viele Stunden. Oft war es schwere körperliche Arbeit. Gefastet wurde trotzdem.
Erzählt wird daher auch, wie dann manch Jugendlicher zum morgendlichen Arbeitsantritt grün und blau geschlagen erschien, weil ein Verstoß gegen die Fastenregeln von den Älteren in den Familien handfest sanktioniert worden war. Der Versuch mitfühlender Kollegen, die Jugendlichen vor dieser Drangsal ihrer muslimischen Väter zu schützen, endete schon damals mit enttäuschenden Erfahrungen. Die religiöse Freiheit und das väterliche Recht standen im Konflikt höher als die Bedürfnisse der Jungen und die Zivilcourage der aufgeklärten Belegschaft ohne Respekt für diese religiösen Praktiken. Kübra Yücel hingegen kann sich frei entscheiden, wenn sie will. Nur Verständnis findet sie dabei immer noch nicht. “Eine unangenehme Spannung liegt in der Luft”, stellt sie auf ihrem Flug fest.
Aber schließlich ein Leser kann Yücels Unzufriedenheit über ihre Lage wirklich nachempfinden. In den Kommentaren zu ihrer Kolumne schreibt er: „Dein Grummeln kann ich gut verstehen. Auch mir geht es oft so und wie gerne würde ich der Welt erklären was ich da tue. Vor allem wenn ich als Pastafari, was ich natürlich zu vermeiden suche, in der Öffentlichkeit Spaghetti esse. Wenn ich meine elf Spaghetti neben dem Teller schön parallel nach Norden ausrichte, da kann ich schon froh sein, wenn die Leute wegschauen. Noch niemand hat mich gefragt, was ich da mache.
Wenn ich nur jemandem vermitteln könnte, wie nah ich mich IHM dann fühle, welche Ordnung das Spaghetti-Ausrichten in mein doch oft recht chaotisches Leben bringt, warum wir immer eine Spaghetti auf dem Teller zurücklassen (zur Speisung der Hungernden der Welt). Schon die Blicke des Kellners solltest du sehen, wenn wir Spaghetti mit Soße in einem extra Schälchen bestellen. Oder du kennst es sicher: wie weiß ich im Flugzeug oder im Zug, in welche Richtung Norden ist, wo der Kompass nur so herum zittert (ok, die PastApp fürs IPhone ist schon echt gut!). Man hat sich ja im Flugverkehr schon gut auf uns eingestellt, es gibt ja kaum mehr Spaghetti im Flugzeug, oder man hat immer eine zweite Wahl. Also liebe Kübra, wenn du das nächste Mal jemanden beim Spaghetti Ausrichten siehst, bitte zögere nicht ihn zu fragen, er wird es dir danken, und vielleicht wird er dich sogar zum Pastafest einladen.“















Und was hat der Artikel nun mit dem Fliegenden Spagetti Monster zu tun???
Um einer Legendenbildung entgegenzuwirken muß ich hier doch ein paar Worte sagen.
Der nachkriegliche Wiederaufbau war in der Zeit als die ersten Türkischen Arbeitnehmer ins Land gerufen wurden bereits abgeschlossen. Ihre Anreise hatte also weniger den Grund Helfen zu wollen, sondern die bessere Bezahlung in Deutschland und eine größere Freiheit für sich nutzen zu wollen.
Aus Erzählungen weiß ich daß die ersen Muslime in der Fabrik in der mein Onkel arbeitete wie alle anderen auch jahrelang in der Kantine zu Mittag auch Schweinefleisch aßen. Auch sonst sei die Integration wie bei Italienern und Spaniern verlaufen. Dann aber wurden sie von gesandten Islamtreuen von ihrem Verhalten abgebracht.
Ich selbst erinnere mich gut an das Fasten von Islamischen Kollegen in den Mittagspausen. Ihre Blicke sagten uns sehr deutlich: Ihr essenden Sünder! Ihr werdet für euer Verhalten noch büßen!
Das klingt ganz anders als die Beschreibung vom Sandwich im Flugzeug oder?
Humor fällt mir in diesem Zusammenhang so schwer.
Ist doch gut zu wissen, dass die Religion nicht für den Polarkreis gedacht war, welch göttliche Gebote. Hihi. In Finnland hätten sie am 11. August 17 Stunden fasten müssen und um 4 Uhr Morgens wäre die Essenszeit schon wieder vorbei gewesen.
Das Wort Remmidemmi kommt von Ramadan. Nicht nur wegen der nächtelangen Feiern.
Erstaunlicherweise wird uns Heiden gern verschwiegen, daß schon Mohamed zur Entspannung vom Fasten nach dem Feiern gern mal eine Runde “Ungläubige klatschen” gegangen ist.
Und in Deutschland klatscht man immer noch jedes Osterwochenende Unarische. Bitte mehr subintellektuelle Ressentiments, Kurt. Das erheitert!