„Wer in kirchlichen Diensten steht“, so Lehnert weiter, „ist oft genug zu Heuchelei und Vertuschung gezwungen.“ Er ist überzeugt, dass viele Menschen den eigenen Unglauben nicht zu bekunden wagen. Aber nicht alle, anders als die Angestellten in kirchlichen Einrichtungen, wären zum Schweigen gezwungen. „Die vielfältigen sozialen Leistungen“, betont auch Lehnert im Beitrag, „werden fast vollständig aus allgemeinen Steuermitteln und andren nicht-kirchlichen Kassen finanziert.“ Aber auch abseits des wichtigen Arbeitsplatzes würden immer noch viele Menschen schweigen, „wenn sie sich nicht eins fühlen mit der sie umgebenden Mehrheitsmeinung.“ Lehnert nennt das „eine Spielart des berühmt-berüchtigten Mitläufertums“ und beurteilt diese Anpassungen an zu erwartendes Verhalten als nicht „redlich.“ Er äußert dabei Verständnis für die Ursachen und die Bedeutung im täglichen Miteinander. Trotzdem erinnert er daran, dass sich die Kirchen auch auf diese Menschen als gläubige Mitglieder berufen.
„Ist man ein Christ, wenn man kirchliche Musik schätzt?“, fragt Lehnert dann und erklärt: „Wer trotz seiner Glaubensferne zum Beispiel in einem Kirchenchor mitwirkt, weil er vielleicht ganz einfach die Geselligkeit und diese Musik liebt“, zähle aus Sicht der Kirchenleitung auch „zu dem großen Heer der angeblichen Gläubigen.“ Dabei erklärt er verschiedene Situationen „der Widersprüchlichkeit von innerer Einstellung und äußerer Bekundung“ im Alltagsleben, welche zu einer „ganz pragmatischen Haltung“ führen, die Menschen an die religiösen Gemeinschaften binden. Lehnert sieht dabei eine „Vertrautheit der eigenen Gemeinde“, in welche „sich viele behaglich eingerichtet haben.“
Am Ende seines Beitrages geht Uwe Lehnert auf „eine Form von intellektueller Unredlichkeit“ ein, mit denen der einst gläubige Professor „große Probleme“ hat. Er nennt es unerträglich, „wenn Menschen, die (…) bei anderer Gelegenheit nicht ohne eine gewissen Eitelkeit ihr ‚kritisches Bewusstsein‘ anklingen lassen, ihre sonstigen Maßstäbe vergessen, die Prinzipien logischen und redlichen Denkens verraten.“ Er schildert, wie akademische Kollegen bei Fragestellungen gegenüber der christlichen Religion, „eine bemerkenswerte Kritiklosigkeit, ja Verharmlosung an den Tag legten, wo sie sonst mit aller intellektuellen Schärfe und erbarmungsloser Unnachsichtigkeit gegen widersprüchliches Denken oder menschenverachtendes Verhalten vorgehen.“ Lehnert stellt fest, hier seien die betreffenden Menschen keiner rationalen Analyse mehr zugänglich, denn es handele sich um „eine Überzeugung, die im Wesentlichen durch Gefühle und nicht durch Argumente zustande kam“. Sie lässt sich nach Lehnerts Beobachtungen später offenbar kaum durch Argumente erschüttern. Lehnert wagt es sogar, diese „argumentative Unzugänglichkeit“ auf den Begriff „geistige Vergewaltigung“ im frühkindlichen Alter zurückzuführen.
Schließlich meint Lehnert, dass aus den von ihm analysierten Motiven die „Zahl der gläubigen Christen drastisch kleiner als die Statistik suggeriert“ ist. Trotzdem hält er eine Diskussion darüber für eine „Illusion“, weil viele rationale Entscheidungen ebenfalls mit starken Gefühlen und frühkindlichen Prägungen verbunden seien. Und „solche auf Unwissenheit basierenden, angstbesetzten, anpasslerischen, gleichgültigen oder vernunftabwehrenden Einstellungen“ könne die Gesellschaft nur durch eine wirklichkeitswissenschaftliche Bildung und vernunftgeleitete Denkweisen überwinden. Aus seiner Sicht gehört vor allem die „frühkindliche, mit Ängsten operierende religiöse Erziehung mit der Spätfolge unbewusster Abwehrmechanismen öffentlich thematisiert.“















Tja tja, leider ist das keine Allgemeinbildung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Konformitätsexperiment_von_Asch
http://de.wikipedia.org/wiki/Experimente_zur_Veränderung_von_Gruppenstrukturen
Gruß
Stefan