Uwe Lehnert analysiert im aktuellen Magazin „diesseits“ fünf Motivationen, warum die Kirchen trotz fehlenden Glaubens vieler Mitglieder breite Zustimmung erfahren. Der emeritierte Professor für Unterrichtswissenschaft und Buchautor meint, dass nicht letztlich Fakten sondern ihre emotionale Bewertung die Entscheidungen bestimmen. Er plädiert schließlich für eine angstfreie Erziehung, wissenschaftlich fundierte Bildung und philosophisch-religiöse Aufklärung.
Lehnert erlangte mit seiner umfassenden Darstellung einer modernen Bewertung des christlich-kirchlichen Glaubens im Buch „Warum ich kein Christ sein will“ einige Popularität. Im gerade erschienen Magazin des Humanistischen Verbandes Deutschland beschäftigt er sich mit seinen Brüdern im Geiste, denn der einst gläubige Lehnert wandte sich im Laufe seines Lebens einem naturalistisch-humanistischen Weltbild zu. Er stellte nun die These auf, dass in Wirklichkeit „schon viel mehr“ als das statistisch erfasste Drittel der Einwohner Deutschlands nichtreligiöse und atheistische Weltanschauungen teilen. Dabei erläutert er fünf mögliche Ursachen und Gründe von Menschen, trotzdem Teil der Kirchen zu sein.
„Zum Großteil auf grenzenlos zu nennender Unkenntnis“ beruhe die weiterhin sehr breite Akzeptanz des kirchlichen Anspruchs, so Lehnert in seinem Beitrag, woraufhin er Fragen zu Details der religiösen Lehren stellt, welche vielen der sogenannten Christen schlicht unbekannt seien. Das bestätigen auch die Feststellungen christlicher Publizisten. Andreas Püttmann, Politikwissenschaftler und Preisträger des Katholischen Journalistenpreises, meinte kürzlich in einem Interview mit einem evangelikalen Magazin: „Unter den Kirchenmitgliedern sind jede Menge ‚getaufter Heiden‘, die ihren Glauben nicht mehr buchstabieren können.“ Lehnert schreibt über die Defizite im biblischen Wissen: „Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, dass die meisten Menschen das alles gar nicht wissen wollen.“ In seinem Beitrag zitiert er den Theologen und Philosophen Joachim Kahl: „Wer sich über das Christentum nicht empört, kennt es nicht.“ Er hält die ausrisshaften Kenntnisse der Bibel und die „schmückende Ästhetik“ der christlich-religiösen Rituale für einen „nur noch äußerlichen Handlungsvollzug, der seinen eigentlichen Inhalt vergessen macht“ und viele Menschen an die Kirchen bindet.
Kurz geht Lehnert auch auf die Sorge vieler Menschen ein, der eigene Kirchenaustritt könne das eigene Seelenheil berühren und erinnert mit Blick auf abwägende Gedanken an das Prinzip der „Pascalschen Wette.“ Deren Grundgedanke hielte viele „Gläubige“ auch heute noch bei der Stange. Die von Blaise Pascal formulierte „Wette“ aus dem 17. Jahrhundert mit Bezug auf die Frage der Gottesexistenz war so formuliert, dass die rationale Entscheidung des Abwägenden zugunsten des Gottesglaubens mit geringerem Risiko behaftet schien als die Ablehnung der religiösen Idee. Richard Dawkins stellte hier zuerst einmal zutreffend fest: „Über den Glauben entscheidet man nicht wie über eine taktische Frage“, und er fragte schließlich, warum man gerade auf den christlichen Gott der Bibel wetten solle. Trotzdem diese Wette auch in gleicher oder modifizierter Form, etwa vom Theologen Hans Küng, heute noch gern als logischer Kniff gegenüber philosophisch ungeschulten Menschen angewendet wird, stellte der zeitgenössische Philosoph Hans Albert in seinem Buch „Das Elend der Theologie“ fest: „Jedem Unbefangenen wird (…) die Reduktion auf gerade diese beiden Alternativen als äußerst naiv erscheinen müssen.“ Albert spricht von einem unzulässigen Alternativ-Radikalismus, Dawkins mutmaßt: „Vermutlich wollte Pascal einen Witz machen, als er seine Wette formulierte.“ Lehnert schätzt diese Form des Zauderns schließlich als „typisch menschliches Sicherheitsdenken“ ein.















Tja tja, leider ist das keine Allgemeinbildung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Konformitätsexperiment_von_Asch
http://de.wikipedia.org/wiki/Experimente_zur_Veränderung_von_Gruppenstrukturen
Gruß
Stefan