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Hitchens: Was ihm hilft – und was nicht

Weltweit prominenter Atheist, Religionskritiker und säkularer Humanist: Christopher Hitchens kurz vor seiner Krebsdiagnose im Mai 2010. Foto: picapp.com

Christopher Hitchens, US-amerikanischer Autor und energischer Religionskritiker, ist todkrank. Ende Juni wurde Krebs diagnostiziert, als er auf einer Tour für sein neuestes Buch „Hitch-22: A Memoir“ unterwegs war. Er brach die Tour ab, begab sich in medizinische Behandlung. Unausweichlich brach daraufhin ein Sturm aus Diskussionen los, wie der „Antitheist“ wohl mit seinem nahenden Ende umgehen würde. Einig ist sich nun einige Christen: Wir beten für ihn.

Am 20. September 2010 wird es dann tatsächlich soweit sein: Christen haben einen „Jeder-betet-für-Hitchens“-Tag ausgerufen.  Sogar evangelikale Medien aus Deutschland haben deshalb die Gelegenheit aufgegriffen, Hitchens Schicksal in den Fokus ihrer Berichterstattung zu nehmen. Damit schwappt eine seit Wochen währende lebhafte Debatte in US-amerikanischen Medien und Blogs über den Atlantik, auch Tageszeitungen wie die „Frankfurter Rundschau“ und der Berliner „Tagesspiegel“ nutzten die Chance, um über Hitchens, seine Krankheit und die Diskussion zu berichten.

Hitchens gehört mit Richard Dawkins, Daniel Denett und Sam Harris zu den „vier (apokalyptischen) Reitern des Neuen Atheismus“ und hat mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen, darunter Büchern, ungezählten Zeitungsartikeln und Fernsehauftritten, große Popularität in den USA und weltweit erlangt. In seinen Büchern widmete er sich kritisch und aufklärend bekannten Persönlichkeiten wie der vom Vatikan fragwürdig glorifizierten „Mutter Teresa“, dem ehemaligen Präsidenten Bill Clinton oder dem Politiker Henry Kissinger. Letzterer gehört neben Josef Ratzinger und Osama bin Laden zu den Persönlichkeiten, die Hitchens nach eigenen Angaben am meisten verachtet. Weitere, wohlwollende Werke widmete er wichtigen Persönlichkeiten wie George Orwell, Thomas Paine und Thomas Jefferson. Besonders populär wurde er mit Buch „Der Herr ist kein Hirte – Wie Religion die Welt vergiftet“. Seine Bücher sind weithin als wichtig und bedeutend anerkannt.

Das Nötigste zu seinem Leiden: Hitchens hat Speiseröhrenkrebs. Wer sich mit Krebs und Hitchens nicht gut auskennt: Die genetisch verankerte Abstimmung zwischen Teilung, Wachstum und Zerstörung im Zellverband ist gestört, defekte Zellen vermehren sich ungehindert. Die Ursachen seiner Erkrankung liegen in Hitchens fortgeschrittenem Alter, er ist 61 Jahre alt. Zudem war Hitchens die längste Zeit Kettenraucher und er konsumierte lange Zeit große Mengen Alkohol. 2003 schrieb er im Magazin „Vanity Fair“, dass sein täglicher Alkoholverbrauch hoch genug wäre „um einen durchschnittlichen Maulesel zu betäuben oder umzubringen.“ Hitchens ergänzte, dass viele große Autoren Teile ihrer besten Arbeit geleistet hätten, als sie sternhagelvoll und zugedröhnt waren. Die Zellen in Hitchens Speiseröhre haben viel mitgemacht in seinem Leben, vor einigen Wochen schließlich hatten sich die Risikofaktoren zu einer traurigen Diagnose summiert: Seine Aussichten, die nächsten fünf Jahre zu überleben, belaufen sich auf weniger als 5 Prozent.

Öffentlich geäußerten Hoffnungen religiöser Fanatiker, Hitchens würde sich auf dem Sterbebett doch noch „bekennen“, erteilte er eine Absage: „Das Wesen, das eine solche Bemerkung macht, wäre eine fantasierende, von Grauen erfüllte Person, deren Krebs das Gehirn angegriffen hat.“  Auf christlichen Nachrichtenseiten hieß es währenddessen: „Ihre Bekehrung könnte für das moderne Christentum dieselbe Bedeutung haben wie jene von Paulus fürs frühe Christentum.“

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Diskussion - Bisher 6 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Ein schöner Artikel. Es müsste wohl statt “dass sich indische Dorfbewohner weiteren ihren Quacksalbern und Fakiren anvertrauen.” wohl … weiterhin … heissen.

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    Ein Mann dessen Leben hart war wird sterben, er ist immerhin 61, und hat viel erreicht. Ein wichtiger Mann, ein berühmter, und auch gehasster Mann.
    Was er zu sagen hat ist wichtig, richtig, und darum bedeutend.
    Dass jetzt religiöse Menschen für seine Bekehrung beten ist klar, sie hoffen auf publicitiy, und es zeigt von welchem schändlichen Denken ihre Motivation herrührt.
    Klar ist dass Hitchens nicht bereut und schon gar nicht klagt, er ist tapfer, rational, und weiss dass sein Lebenswandel nicht gesund war.
    Dass sein Name nun wieder in den Schlagzeilen steht ist ihm sicher recht, und dafür bin ich ihm persöhnlich dankbar. Er ist ein Beispiel für Andere, ein Vorbild, und ein Trost. Denn wir alle werden einmal sterben.
    Danke Mr.Hitchens für Ihre Vorträge, Witze, Bücher, und denkwürdigen Interviews.
    Red Bernet
    Freidenker & Bright

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    “Einig ist sich nun einige Christen” – besser und richtig: Einig sind … Christen”
    Schlingensief verstarb vor wenigen Tagen. Große Persönlichkeiten, wie er, Hitchens u.v.a., die nicht an Gott glauben, die frühzeitig krank werden und früh sterben müssen, werden häufig von religiösen Fanatikern als von Gott Bestrafte bezeichnet, bestraft von Gott durch eine Krankheit wegen ihres Nicht-Glaubens. War der Ratzinger-Vorgänger also ein Ungläubiger, weil er so krank war? Nein, er war aber ein Büßer, so die Christengemeinde. Dass im Denken vieler, auch eines Schlingensiefs – bei Hitchens weiß ich es nicht so genau – aber auch ein Jenseitiges denkbar ist, das aber ohne herkömmliche Gottesbilder auskommt, wird dann häufig von Religiösen mit klaren, also in irgendeinem religiösem Buch nachlesbaren Gott-Vorstellungen als Fantasie betrachtet. Wenn aber eine Religiöse die Mutter Gottes in einer Gruft sieht (z.B. Bernadette und Lourdes), dann wird dies von Gläubigen als Realität verkauft. – Ist schon sehr merkwürdig manch menschliches Denken … .

    Ich wünsche Herrn Hitchens Klarsein und Kraft!

    Übrigens: ein deutschsprachiger sehr bedeutender Philosoph, der als Nicht-Religiöser sein Leben lang über “Gott”, das Leben und das Sterben nachgedacht und geschrieben hatte und der vor wenigen Jahren verstarb, sagte auf seinem Sterbebett: “Sterben ist scheiße!” Und Aragon hat sich zum Katholiken bekehren lassen auf dem Sterbebett. Auch so kann es gehen. Wir wissen (!) leider nicht, was uns erwartet danach. Scio nescio …

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    Christopher Hitchens Krebserkrankung stimmt mich traurig. Ich wünsche ihm noch viel Kraft, Klarsicht, Mut und viel Freude für die kommende Zeit. Der kürzlich verstorbene Christoph Schlingensief sagte noch in einem Interview, dass er die Form des Abdankens vom Leben mit solch einer schlimmen Krankheit “beschissen” findet. Er deutete inhaltlich an, dass diese “Kreation” eines Schöpfers absolut misslungen sei, unintelligent! Schlingensief war kein Atheist, Hitchens ist jedoch ein Antitheist. Sollten wir irgendwann einmal hören, er habe im Sterbebett die Existenz Gottes befürwortet und den Atheismus geleugnet (zwar nicht vergleichbar mit Friedrich Nietzsches Versterben, dennoch ähnlich, dazu wegen starker Erkrankung), könnte es dann nicht sein, dass Beistehende gelogen hätten oder er Worte geäußert hätte, die weit zurücklägen im LangzeitGedächtnis des Kindheitsniveaus, wo die Indoktrination der Kirchenmärchen wie mit Hammerschlägen auf die “Festplatten” des Gehirn geschlagen wurde? Wäre es nicht wie mit einem Tatoo oder einem Sonnenbrand auf der Haut: Durch nichts wäre das “Eingebrannte” vollständig rückgängig zu machen? – Lieber Christopher Hitchens, Du hast den aufrechten Gang gewählt, nicht gekrümmt und nicht gebückt. Ich bete nicht für Dich und wähle nicht die eindimensionale “Umwegkommunikation”, die keine ist, weil im Sendeprozess auf auf der anderen Empfängerseite kein realexistierendes Feedback prüfbar, erkennbar zurückwirkt. Ich sag es Dir direkt: Du hast mir die Augen geöffnet! Dir noch viel Energie, bleibe tapfer!

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    Hoffentlich wird er gesund, auch wenn die Chancen gering sind.

 
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