Die bemerkenswerte Hingabe, die Leidenschaft und die Genialität zahlloser Schaffender, Philosophen, Wissenschaftler und Künstler von der Antike bis zur Moderne wird dabei in der Feiertagsgesetzgebung weggewischt durch die beständige Entscheidung der ewig einflussreichen Kirchenchefs und religiösen Politiker: der fragwürdige Jesus Christus muss auch im Mittelpunkt unserer modernen Kultur stehen. Nötig ist aber auch für diese, den religiösen und irrationalen Lehren einen zeitgemäßen Anstrich zu verpassen. Schließlich soll niemand von den ungefilterten Ideen einer echten Bibel schockiert werden. Dass das ZDF so einer Entscheidung folgt, verwundert dabei wenig.
Denn wie Jesus Christus lebte und wie wir Menschen deshalb heute leben sollen, meinen vor allem Käßmann und Kollegen zu wissen. Skeptische Historiker und viele andere Wissenschaftler bezweifeln stark, ob Jesus Christus jemals gelebt hat wie es überliefert ist. Dass er in ein überirdisches Paradies hinaufgefahren sei, glaubt fast niemand mehr. Dass es ein Anweisungen gebendes oder Entscheidungen treffendes Etwas abseits der jenseitigen Wirklichkeit gibt, bleibt weiterhin schlicht unbewiesen und wird immer öfter offen bezweifelt. Das heißt also mindestens: Eins zu null gegen den Feiertag Christi Himmelfahrt, der in jedem Bundesland Gesetz ist.
Aber auch was der öffentlich-rechtliche Rundfunk sendet, bestimmen die beiden Kirchen weiterhin mit, direkt und indirekt – denn die Stellenbesetzungen erfolgen immer mit klarem Blick auf die Kirchenzugehörigkeit. Weltanschauungsgemeinschaften ohne religiöse Ideologie finden keine Berücksichtigung bei den Entscheidungen in Leitungsgremien. Und so weiß der christliche Klerus sogar heute schon, was ARD oder ZDF in einem Jahr ausstrahlen. Auch Margot Käßmann, die nun bald Kirchenfeiertage neu interpretieren will anstatt die gesellschaftliche Abwendung von diesen zweifelhaften Ritualen neutral zu thematisieren und zeitgemäße, intellektuell redliche Perspektiven für die moderne Gesellschaft zu eröffnen – welche sich nicht am christlichen Glauben scheiden.
Nun ist Feiertagsgesetzgebung jedoch eigentlich Ländersache. Alternativen sind deshalb möglich, wenn der politische Wille da ist. Aber er ist es nicht, denn wenig kirchenferne Menschen vertreten aktiv ihre Interessen wenn es um Fragen der Feiertagskultur geht. Obwohl in vielen Bundesländern die Konfessionsfreien in der Mehrheit sind, regieren stets mehrheitlich Kirchenmitglieder. Säkulare Ideen, etwa im Bereich der Feiertagsgesetzgebung, erweisen sich flugs als Karrierebremse für ambitionierte Politiker. Denn der Wunsch am Festhalten der alten Traditionen wurzelt tief, selbst wenn sie philosophisch und tatsächlich längst überholt sind.
Trotzdem muss am Weihnachtsfest in Zukunft nicht unbedingt gerüttelt werden. Student Alexander Rabe, der sowohl im Humanistischen Verband wie auch im Freundeskreis der Giordano Bruno Stiftung engagiert ist, weiß etwa: „Das Weihnachtsfest ist heute oft nur noch Konsum und Stress – oder Frust, weil kein Konsum möglich und sonst nichts da ist.“ Rabe kann auch gut verstehen, dass sich immer mehr Menschen von der christlichen Lehre der Feiertage abwenden – und am Konsum verzweifeln. Trotzdem weiß er Alternativen: Die Monate um den Jahreswechsel versteht er vielmehr als eine Zeit der Selbstreflektion und der Gemeinschaft, während die kalte Winterzeit bevorsteht. Nicht das nahende Fest zur Geburt von Jesus Christus macht für ihn den Monat Dezember zu einer besonderen Zeit, sondern die für jeden erkennbare Tatsache, „dass die Natur zur Ruhe kommt und sich auf einen neuen Lebenszyklus einstellt.“ Eine besinnliche Ruhe, der sich möglichst viele Menschen anschließen, so seine große Hoffnung.















Die Linken in Niedersachsen haben kürzlich versucht 2 weitere Feiertage durchzusetzen.
Die Auswahl Frauentag und Kindertag fand ich allerdings auch nicht so prickelnd. das würden wieder Blumen- und Spielzeug-Verschenk-Tage.
Besondere Ereignisse oder Personen und deren Ideen zu würdigen, halte ich für sinnvoller.
Sinnhaftigkeit und Lebensphilosophie fehlt den Leuten. Es müssten sich aber auch weltliche Redner finden, die nicht-kirchlich begründete Themen öffentlich machen.
Gerade das Stichwort „Niedersachsen“ ist interessant: Am 13. August war eine Anhörung in Hannover bezgl. Des neuen Presse- und Mediengesetzes. Dabei geht es auch um die Vergabe der Sendelizenzen in Niedersachsen für regionalen privaten Rundfunk. Die Politiker hatten keine Ahnung; sie wussten auch nicht, dass unser Sender schon 13 Jahre in Niedersachsen existiert – egal! Jeder hat Redezeit bekommen; selbstverständlich auch die Kirchen, die nach Sendezeit geschrieen haben. „Humanisten, KORSO etc.“ stand leider nicht auf der Rednerliste, wenngleich auch sie etwas hätten einbringen können, zur Gestaltung der Sendezeit.
Was ich auch damit sagen will ist: Was mir jemand in die Kamera lullert, muss ich selber nicht bezahlen, muss ich selber nicht recherchieren und muss ich selber auch nicht großartig produzieren und vorbereiten. – Gleichsam erfülle ich die im Staatsvertrag festgelegten Richtlinien. Die Kirche nutz es als Werbung; der Sender als Füllstoff; die Politik ist beruhigt, dass alles so schön klappt. Vereinfacht dargestellt – trifft es jedoch auf den Punkt. Im Übrigen: An solchen Sendern kann man sich auch ab dem 31.12 beteiligen.
Achso: Käßmann? mmmh* – ich bin für ein Currywurst-Pommes-Mayo-Tag – Ansonsten kann ich @Ulli´s letzten Satz nur zustimmen!
Wenn jeder so leben würde wie eine Person namens Jesus Christus laut den Jahrhunderte alten Dokumentfragmenten der Kirchenleitung, würde die gesamte Menschheit nicht arbeiten und verhungern. Punkt. Aus.
Die Kirchen treten offen auf in den Medien und machen sehr gutes Marketing (CVJM: “Brunch for kids”), aber ihre politischen Vertreter verstecken sich manchmal. Vor der Wahl zum Bundespräsidenten erschien Wulff noch in der Liste der evangelikalen Misssions-Organisation Pro Christ unter den Mitgliedern des Kuratoriums. Nach der Wahl nicht mehr. Hat er seine evangelikale Gesinnung mit der Wahl abgelegt? Nein, er wird gewiss weiterhin hinter den Kulissen für diese Grundsätze eintreten. Wann bekommen die Säkularen Bürger, die relative Mehrheit der Bevölkerung endlich einen Sitz in den Landes-Rundfunkräten? Ist dieses Recht nicht einklagbar?
Genau so ist das Weihnachtsfest (und viele der anderen Feiertage) ursprünglich ja auch entstanden: https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Julfest
Wer sich dafür interessiert, sollte sich mal mit den keltischen/germanischen Feiertagen befassen. Die meisten der heutigen Feiertage liegen terminlich jedenfalls auffällig nah an den wichtigen Festtagen der Kelten/Germanen. Und auch die heutigen Bräuche finden sich dort wieder (z.B. Osterfeuer). Die Kirchen wollen die Feiertage dagegen natürlich viel lieber für sich selbst beanspruchen. (Und >2000 Jahre alte Quellen als Beleg sind wohl zugegebenermaßen recht schwer zu finden…)
Fazit: Kirchliche Feiertage sind eh nur geheuchelt – dann lieber wichtige Ereignisse/Errungenschaften durch Feiertage ehren (Stichwort: Evolutionstag!).