Aplerbeck. Er ist ein Mann der Gegensätze und harten Schnitte, der ehemalige katholische Priester Gerhart Rohr. Zwölf Jahre lang predigte der Aplerbecker von der Kanzel herab, dann fand er die Frau seines Lebens. Was folgte, war der totale Bruch mit der Kirche und dem Glauben. Rohr schulte um zum Lehrer, machte Karriere als Studiendirektor und Buchautor. Heute sagt er: „Ich bin Atheist“.
Die Aplerbecker kennen ihn als streitbaren Ratsvertreter, als Flughafengegner und Geschäftsführer ihres Geschichtsvereins. Einer, der sein ganzes Leben lang, leider oft zu leise, sein Herz auf der Zunge trägt. Gerhart Rohr ist ein Mann der Wahrheit. Einer der für seine Meinung auch schon mal ein Parteiausschlussverfahren riskiert. Dass die SPD ihn in ihren Reihen beließ, ist ihm heute nicht mehr so wichtig. Er spricht lieber über die neun Sachbüchern, die er mit seinem Freund und Ex-Kollegen Rolf Heiderich bisher geschrieben hat. Sie entstanden aus dem Bedürfnis heraus, Eltern, Lehrern und Schülern Unterrichts- und Lebenshilfen mit auf den Weg zu geben.
Studium an fünf Universitäten
Interesse wecken und zum Nachdenken anregen sollen sie. Das bisher letzte Buch „Bewegende Jahre“ über Deutschland nach 1945 kam im Frühjahr auf den Markt.
Bevor der ehemalige Seelsorger seine Frau Elke kennen- und lieben lernte, war er ein Mensch auf der Durchreise. Philosopie und Theologie studierte er allein an fünf Universitäten. Zehnmal ist er als Kind umgezogen, mit einer Familie, die von den Nazis nicht viel hielt. Den Vater zog es von Mannheim nach Dresden, Wien, Frankfurt und der kleine Gerhart fuhr immer mit, wechselte die Schulen, wie andere Leute ihre Handtücher. Später arbeitete er als Domkaplan in Frankfurt, zuletzt als Priester in Bad Schwalburg. Dort wollte ihn die Gemeinde nicht fortlassen, trotz Ehefrau und seiner kritischen Einstellung zur Kirche. Dafür, dass er ging,,sorgten der Bischof und das Zölibat.
Noch heute schüttelt Rohr fassungslos den Kopf, wenn er sich an die beiden Enzykliken von Papst Johannes XXIII. in den Jahren 1967 und 1968 erinnert.
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