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"Scharia interessiert bin Laden nicht!"

Burka bedeutet nicht politischen Islam, sondern Sekte, erklärt Islamexperte Olivier Roy. Er sagt eine gefährliche Zeit “entwurzelter Religionen” voraus – auch im Christentum: “Selbst die Kirchen werden zu Sekten”

“Die Presse”: Die deutsche Feministin Alice Schwarzer fordert ein totales Verbot der Burka – diese bedeute „den endgültigen Sieg des politisierten Islam“. Stimmt das?

Olivier Roy: Es ist total absurd. Der politische Islam hat nie die Burka gefordert, im Iran gibt es den Schleier. Jene, die das fordern, etwa die Salafisten, sind gerade nicht in großen Organisationen. Die Burka, das ist der Rückzug auf die individuelle Gläubigkeit, die Sekte, also genau das Gegenteil eines politischen Islam.

Der Westen sieht gemeinhin religiöse Fundamentalisten als sehr traditionsgebunden – Sie sagen in Ihrem neuen Buch, „Heilige Einfalt“, das Gegenteil, es handle sich um „entwurzelte Religionen“. Entwurzelt wovon?

Roy: Von der Kultur. In einer Kultur sind Normen und Symbole nicht von der Religion abgetrennt. So war es in Europa bis zum 18.Jahrhundert, so ist es im Islam bis heute. Die Religion wird dadurch zu einer weichen Religion. Wenn eine Religion in der Kultur verwurzelt ist, fragt man Sie nicht, ob Sie religiös sind, das wäre unhöflich. Man verwendet die religiösen Grüße, auch wenn man nicht gläubig ist. Man braucht nicht den Glauben, um Weihnachten zu feiern. Nicht alle fasten im Ramadan, aber alle tun so als ob. Als die Päpste die Herren Roms waren, gab es Bordelle – stellen Sie sich vor, man fände heute ein Bordell im Vatikan! Heute trennen sich die zwei Sphären, und zwar in allen Religionen.

Religionen ohne Kultur werden fundamentalistisch, sagen Sie. Dann wäre der Fundamentalismus eine Folge der Säkularisierung.

Roy: Das ist er auch. Die Säkularisierung hat die Religion nicht zerstört, sondern isoliert. Die dominante Kultur verliert das religiöse Wissen – mit Atheismus hat das nichts zu tun, die Atheisten des 19.Jahrhunderts, Marx, Freud, kannten die Religion sehr gut. Umgekehrt denkt die Religion die Kultur als etwas Externes und versucht sich allein auf den Glauben zu stellen.

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    Religionen ohne Kultur (=ohne Macht) werden werden fundamentalistisch (=bösartig). Ja was soll denn dieser Unsinn? Sind die Atheisten auch noch schuldig, wenn die Religionen durchdrehen? Diesem Herrn Roy müsste man sehr deutlich die Meinung sagen.

 
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