
Zahlreiche Demonstranten machten auch am Wochenende wieder gegen den Staatsbesuch Benedikts XVI. in Großbritannien mobil. Foto: protest-the-pope.co.uk
Papst Benedikt XVI. plant im September einen Besuch in Großbritannien. Es wäre der erste Staatsbesuch eines Oberhaupts der katholischen Kirche im britischen Königreich. Die säkularen Organisationen aber wehren sich dagegen, dass der Katholikenchef als Staatsgast empfangen wird, schließlich vertritt Benedikt XVI. viele inakzeptable Überzeugungen. Auch die Kostenfrage empört die säkularen Steuerzahler und auf Demos mobilisieren immer mehr Papst-Kritiker.
„Der Papst widersetzt sich der umfassenden Gleichberechtigung und den Menschenrechten. Ihm sollte die Ehre und Anerkennung eines Staatsbesuches in unserem Land nicht erwiesen werden. Reihen Sie sich in den Chor des Protests ein, der sagt: „Nein! Der Papst ist nicht willkommen!“ Mit diesem mutigen Aufruf macht derzeit die britische Kampagne „Protest the Pope“ auf den anstehenden Besuch von Benedikt XVI., früher bekannt als Joseph Ratzinger, aufmerksam. Zahlreiche säkulare Organisationen in Großbritannien unterstützen die Position, dass es für diesen Besuch Ratzingers keine Rechtfertigung und zahlreiche Gegenargumente gibt, ihn als Staatsgast zu empfangen. Deshalb fand am vergangenen Wochenende erneut eine Kundgebung in der Londoner Innenstadt teil, wo die Teilnehmer ihren Unmut über den unkritischen Umgang der englischen Regierung zum Ausdruck brachten und auf die fragwürdigen Überzeugungen des Papstes aufmerksam machten.
Freilich erklären die Unterstützer der Kampagne, dass dem Papst als europäischem Bürger und Religionsführer das Recht zusteht, das britische Königreich zu bereisen. Zahlreiche Positionen des Vatikans stoßen jedoch auf starke Ablehnung in aufgeklärten und humanistischen Kreisen der britischen Gesellschaft. So sind sie etwa der Überzeugung, dass Ratzinger als Kirchenoberhaupt und erster Mann im Vatikan für viele inhumane Zustände auf der Welt verantwortlich ist.
Vatikan vertritt zahlreiche inakzeptable Positionen
Massiv kritisiert wird etwa die päpstliche Ablehnung des Gebrauchs von Kondomen: Die katholische Kirche missioniert massiv auf dem afrikanischen Kontinent, wobei von den lokalen Priestern auch über Kondome haarsträubende Falschinformationen verbreitet werden. Die Folge ist, dass die zahllosen armen Familien häufig eine vielköpfige Scharr von Kindern zu ernähren haben und die Verbreitung des HI-Virus nicht aufgehalten werden kann. Aber der Vatikan propagiert auch außerhalb Afrikas zahlreiche Ideen, die für eine aufgeklärte und moderne Gesellschaft nicht hinnehmbar sind.
Die Kirche betreibt auch intensiv Propaganda gegen das Recht der Frauen auf Schwangerschaftsabbrüche, weshalb sich Frauen und Ärzte in zahlreichen Ländern massiven Angriffen fundamentalistischer Christen ausgesetzt sehen. Auch in Frankreich führte das schon zur Schließung von Kliniken und Ausschreitungen. Nicht zuletzt Christopher Hitchens schilderte in seinem populären Buch „Der Herr ist kein Hirte“ ausführlich, wie Abtreibungsgegner sogar in den vermeintlich zivilisierten USA aus dieser religiösen Überzeugung heraus andere Menschen töteten. Katholische Bischöfe in Deutschland zogen in der Vergangenheit wiederholt Vergleiche mit dem Holocaust, um gegen einen aufgeklärten Umgang mit ungewollten Schwangerschaften Stimmung zu machen.
Zudem tritt die katholische Kirche für Bildung getrennt nach Weltanschauungen ein, weshalb sie auch in Deutschland zu den entschiedensten Gegnern eines gemeinsamen Ethikunterrichts, wie es ihn etwa in Berlin gibt, gehört und Hunderte konfessionsgebundene Schulen dank der Finanzierung durch allgemeine Steuergelder betreibt, in dem die Schülerinnen und Schüler teils extremen Irrlehren, etwa in Bezug auf die Evolution, ausgesetzt werden. Die ablehnende Haltung der katholischen Kirche gegenüber nichtheterosexuellen Menschen und die Unfähigkeit zum menschenwürdigen und fairen Umgang mit Missbrauchsopfern durch kirchliche Funktionsträger sind hinlänglich bekannt. Schließlich teilen die Papst-Kritiker auch Empörung über die Rehabilitation der Holocaust-Leugner der Pius-Bruderschaft und die Haltung zum nazifreundlichen Papst Pius XII.
Kosten für Staatsbesuch explodieren
Ganze 18 Organisationen, darunter das britische Äquivalent zum HVD, die British Humanist Association BHA, oder der auch in England vertretene Rat der Ex-Muslime und die IHEU unterstützen die Kampagne. Andrew Copson, Geschäftsführer der BHA, wies im April auf ein weiteres Argument hin, dass gegen einen Staatsbesuch des Papstes spricht: „Der Heilige Stuhl ist ein Fake-Staat, der seinen internationalen Einfluss für religiöse Zwecke benutzt. Zu erlauben, dass der Papst uns als Staatsoberhaupt besucht ist irrsinnig und albern.“ Mutige Stellungnahmen, die wohl vom Humanistischen Verband hierzulande kaum zu erwarten sein dürften.
Die öffentliche Debatte über den Besuch Ratzingers fußt aber noch auf einem weiterem Streitpunkt, denn die Kosten für den Staatsbesuch übernimmt zum größten Teil der britische Steuerzahler, von dem sich rund ein Viertel als nichtreligiös versteht. Es besteht wenig Bereitschaft unter den säkularen Humanisten, für den Besuch des Papstes bezahlen zu müssen. Mittlerweile aber drohen die Kosten zu explodieren, letzte Schätzungen gehen von bis zu 14,5 Millionen Euro als Belastung für den britischen Steuertopf aus, rund fünfzig Prozent mehr als ursprünglich eingeplant.
Terry Sanderson, Präsident der National Secular Society, erklärte: „Wir sind schockiert, aber nicht überrascht, dass die Kosten des Papstbesuches für den Steuerzahler sich in die Höhe schrauben.“ Er betonte, dass kein Besucher den britischen Steuerzahler solch eine riesige Summe kosten sollte, denn die Aufwendungen für die Gewährleistung der Sicherheit von Joseph Ratzinger könnten sich auf bis zu 85 Millionen Euro belaufen. Zum Vergleich: Die finanziellen Aufwendungen für ein Treffen der G20-Staaten in London 2009 betrugen knapp 23 Millionen Euro, die Absicherung des G8-Gipfels 2005 in Gleneagle kostete etwa 80 Millionen Euro.
Katholiken warnen Papst-Kritiker vor Intoleranz
Während der populäre Evolutionsbiologe und Autor Richard Dawkins gemeinsam mit Christopher Hitchens vor einige Wochen ankündigte, eine Verhaftung und Anklage des Papstes wegen der vatikanischen Vertuschungspolitik im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen juristisch zu prüfen, fand am vergangenen Samstag schließlich eine weitere öffentlichkeitswirksame Aktion gegen den päpstlichen Staatsbesuch statt. Auf der London Pride verteilten die zahlreichen Demonstranten, unter denen auch viele spontane Teilnehmer waren, Flugblätter und Aufkleber um auf die problematischen Aspekte des anstehenden Papstbesuches aufmerksam zu machen.
Tatsächlich ist der Besuch kaum mehr als eine Propaganda-Aktion für die katholische Kirche, um ihren schwindenden Einfluss zu festigen. Auf dem Plan stehen neben dem obligatorischen Treffen mit der britischen Königin zahlreiche Besuche in Universitäten, Auftritte vor Tausenden von Schulkindern oder einem Openair im Bellahouston Park, welcher im schottischen Glasgow liegt. Der Fokus der Reise soll nach Angaben des Vatikans auf dem interreligiösen Dialog sowie Globalisierungs-, Bildungs- und Umweltfragen liegen.
Trotzdem werden weiterhin zahlreiche Demonstrationen erwartet, die von Dutzenden Interessenvertretungen organisiert werden, die für die rückständige Politik des einflussreichen Vatikans kein Verständnis mehr haben. Der Repräsentant der britischen Regierung, Christ Patten, forderte die Papst-Kritiker aber auf, während des Besuches Zurückhaltung zu zeigen. Freie Meinungsäußerung sei zwar erlaubt, niemand sollte jedoch in die Falle der Intoleranz tappen. Der Katholik meinte, es wäre ja außergewöhnlich ironisch, wenn diejenige, welche gegen die frühere Intoleranz der Kirche polemisieren, selbst zu Vertretern der Intoleranz würden. Aus vatikanischen Kreisen wurde verlautbart, der Besuch Benedikts sei eine Mission, das Geschenk des Glaubens in allen Briten wiederherzustellen. Erzbischof Vincent Nichols, oberster Katholik von England und Wales, gab sich angesichts der öffentlichen Unmutsbekundungen gelassen und meinte: „Ich denke nicht, dass wir offene Brände werden löschen müssen, denn das Gesamtbild des katholischen Glaubens und der Praxis katholischen Glaubens werden solche Dinge ausgleichen.“















A spokesman for Prime Minister Gordon Brown said: “The PM is obviously delighted at the prospect of a visit from Pope Benedict XVI to Britain.
“It would be a moving and momentous occasion for the whole country and he would undoubtedly receive the warmest of welcomes.”
Conservative leader David Cameron said he was “delighted” to hear of the possible visit.
He said: “Such a visit – the first in over a quarter of a century – would be greatly welcomed not only by Roman Catholics but by the country as a whole.”