Weltweit aktiv: Das Internet vernetzt Humanisten und andere Aufklärungsbewegungen auf der ganzen Welt. Foto: S. Hofschläger / pixelio.de
Das Wissen über die Welt liegt in unserer Hand, denn eine globale Kommunikationsstruktur ist nicht mehr die Domäne von Kirchenfürsten, Staatenlenkern oder einzelnen Großunternehmen. Fast jeder kann am Austausch im weltweiten Datennetz teilhaben. Gerade für Humanistinnen und Humanisten ist es wichtig, Gleichgesinnte zu finden um Erfahrungen weiterzugeben und sich gegenseitig zu vernetzen. wissenrockt.de stellt kurz die drei größten Netzwerke vor.
„Wir vertreten kein zentralistisches Gesellschaftsbild, sondern eines, das auf Netzwerken aufbaut“, meinte Michael Schmidt-Salomon, Autor des “Manifest des evolutionären Humanismus”, vor rund drei Wochen im Interview. Ob Atheisten, Agnostiker oder Religionskritiker: Wo finden sich also vernetzte Humanisten in den fast unendlichen Tiefen des Word Wide Web? An erster Stelle steht im deutschsprachigen Raum wohl Facebook. Das Netzwerk hat weltweit rund 400 Millionen aktive Nutzer, darunter etwa 14 Millionen Nutzer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Facebook erlaubt es, genauso wie viele andere „soziale Netzwerke“, sich in Gruppen oder über spezielle Seiten zu vernetzen. Mit zu den populärsten Seiten auf Facebook gehört die offizielle Fan-Seite der Richard Dawkins Foundation, denn bereits über 85 000 Facebook-Mitglieder verfolgen dort die Kampagnen und Veröffentlichungen von dem derzeit weltweit wohl bekanntesten Atheisten und Autoren des Buches „Der Gotteswahn“.

Facebook-Fans betreiben Gegenaufklärung
Auch im deutschsprachigem Raum sind viele Humanisten aktiv
Nur eine Gruppe konnte noch mehr Nutzer auf sich vereinigen: „We can find 1 000 000 people who DO believe in Evolution before June“ heißt ein Zusammenschluss von Verfechtern der Evolutionstheorie, die bis Anfang Juni eine Million Benutzer online vernetzen wollten. Das scheint derzeit nicht mehr erreichbar, denn die Seite hat gerade halb so viele Fans gewonnen wie nötig gewesen wäre. Entstanden ist die Gruppe allerdings als Gegenbewegung zu einer Fangemeinde von erklärten Evolutionsgegnern, die bis Juni ebenso viele Kritiker von Darwins Theorie versammeln wollte, um die Überzeugungskraft biblisch-religiöser Schöpfungslehren zu demonstrieren. Eine Luftnummer, denn während Kreationisten und andere überzeugte Anhänger von religiösen Schöpfungslehren gerade mal 218 000 Fans gewinnen konnten, trägt die Fankurve von Charles Darwin am 1. Juni ganz sicher den symbolischen Sieg nach Hause: Knapp 500 000 Menschen hatten sich dort vernetzt, um gegen den religiösen Wahnsinn ein Zeichen in dem sozialen Netzwerk zu setzen und sich über kreationistische Gegenaufklärungsbewegungen auszutauschen.
“Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt”, fordern dagegen Fans in der gleichnamigen Gruppe, wo sich bereits knapp 700 aufgeklärte Facebook-Benutzer zusammengeschlossen haben um sich für eine zeitgemäße Feiertagskultur einzusetzen. Noch mehr Freunde hat die GWUP, Deutschlands größte Skeptikerbewegung. Rund 900 Menschen verfolgen dort derzeit die Versuche, weitverbreitetem Hokuspokus und Aberglauben wissenschaftlich auf den Grund zu gehen. Und auch humanistische Organisationen aus dem deutschsprachigen Raum sind vernetzt aktiv: Während zum Beispiel die Giordano Bruno Stiftung zum Jahresbeginn 2010 etwa 2 200 Menschen zu ihrem Förderkreis zählte, hat sie auf Facebook schon über 200 Freunde auf der Seite der Regionalgruppe Österreich. Dort tauschen die „Fans“ der Stiftung Informationen aus oder halten sich über aktuelle Veranstaltungen auf dem Laufenden. Aber dabei bleibt es nicht, denn wer „Humanist“ in das Suchfeld eingibt, findet Seiten von weiteren humanistischen Regional- oder Hochschulgruppen. Darunter auch die „Aktiven Humanisten“, wo sich Freunde von aktiven Hochschulgruppen zusammengeschlossen haben. Und Facebook macht einen Blick über den deutschsprachigen Tellerrand hinaus möglich und erlaubt einen Einblick in die Themen und Aktivitäten internationaler säkularer Organisationen von Humanisten oder Atheisten.
Denn auch Humanisten der American Humanist Association oder der International Humanist und Ethical Union (IHEU) halten auf Facebook ihre Mitstreiter auf dem Laufenden, teilweise haben sich dort mehrere tausend Benutzer zusammengeschlossen um zu diskutieren und die neuesten Nachrichten zu verbreiten. Und die Vernetzung lohnt sich, denn wer mit einem Klick „Fan“ wird, erhält ab sofort auf seiner Facebook-Startseite immer die neuesten Informationen über die Aktivitäten in den säkularen Organisationen und anderen Zusammenschlüssen Gleichgesinnter. Bilder, Links oder Videoclips rasen so in Sekundenschnelle um die Erde. Zum Beispiel verriet der Michael Schmidt-Salomon, der auch “Anchorman“ der Giordano Bruno Stiftung ist, auf Facebook erst gestern, dass der bekannte Kirchenkritiker Karl-Heinz Deschner vor kurzem seinen 86. Geburtstag im kleinen Kreis gefeiert hat und es ihm gesundheitlich gut geht.
Weitere säkularen Organisationen aus dem deutschsprachigen sind auf Facebook präsent: 182 Fans hat der Bund für Geistesfreiheit, kleiner kommt die Gruppe des IBKA daher, dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten. Kaum repräsentiert ist dagegen die größte humanistische Organisation in Deutschland, der Humanistische Verband. Gerade mal drei Dutzend Menschen interessieren sich für diese Gruppe, in der es nur selten etwas Neues aus dem Verband zu lesen gibt.

Bild: Doug Ogg
StudiVZ-Gruppe: “Ich war Atheist, bis ich merkte, dass ich Gott bin”
Intensiven Informationsaustausch gibt es nicht nur auf Facebook, sondern auch in den Gruppen der VZ-Netzwerke, zu denen StudiVZ und meinVZ gehören. Diese hatten zu Jahresbeginn 16 Millionen Mitglieder und so findet sich auch dort eine Vielzahl von vernetzten Gruppenmitgliedern. Wer bei der Gruppensuche das Wort „Atheist“ eingibt, erhält gleich über 150 themenbezogene Gruppen und längst nicht jede ist nur auf ausschweifende Debatten ausgelegt: „Ich war Atheist, bis ich merkte, dass ich Gott bin“ lautet der Name einer der Spaßgruppen mit fast 10 000 Mitgliedern, wo unter anderem deftige Christenwitze und – ähnlich wie bei Facebook – Cartoons und Karikaturen ausgetauscht werden.
Und ob Atheisten oder Agnostiker: Manchmal diskutieren viele hundert Mitglieder intensiv miteinander über ihre Erfahrungen, philosophische Fragen und lustige oder ärgerliche Erlebnisse mit religiösen Menschen und Organisationen. „Darf ich als Atheist Weihnachten toll finden?“ , lautet da eine Frage und woanders heißt es: „Würdet Ihr Eure Kinder in die Kirche schicken?“ Viele StudiVZ-Mitglieder nutzen auch die Chance, dort auf eigene Kampagnen oder Aktionen aufmerksam zu machen. Und Giordano Bruno Stiftung, IBKA oder Humanistischer Verband sind dank engagierter Mitglieder ebenfalls präsent, teilweise sogar mit mehr Teilnehmern als auf Facebook. Die Gruppe „Freunde der Giordano Bruno Stiftung“ zum Beispiel hat im VZ-Netzwerk deutlich mehr Mitglieder als auf Facebook, weshalb sich dort leicht zusätzliche Kontakte finden lassen könnten. Und gerade Studierende nutzen diese Plattform, um mit anderen religionsfreien Gleichgesinnten an ihren Unis in Kontakt zu kommen. Und überall gilt: wer keine passende Gruppe findet, kann selber eine gründen und die eigenen Freunde dort einladen.

Twitter heißt "Gezwitscher"
Fast unverzichtbar für News-Junkies: Twitter
Im Netz der Netze nicht vergessen werden darf Twitter, eigentlich nur ein kostenloser Kurznachrichtendienst. Einmal registriert, kann man dort die Kurzmeldungen anderer Benutzer verfolgen. Sehr bekannt ist unter anderem der Ticker des Humanistischen Pressedienstes, der unter www.twitter.com/hpdticker zu erreichen ist und die GWUP-Seite mit über 1 000 Verfolgern: http://twitter.com/gwup. Aber auch viele andere bekannte Personen und Organisationen verbreiten dort ihre 140 Zeichen langen Nachrichten, die in der Regel mit einem weiterführenden Internetlink verbunden sind. Befindet man sich auf einem dieser Benutzerprofile reicht ein Klick auf „Follow“, um zukünftig immer die neuesten Nachrichten dieses Benutzers zu erhalten oder sie an alle Menschen weiterzuleiten („retweeten“), die das eigene Mikroblog verfolgen. Fast 500 Menschen verfolgen so beispielsweise die Meldungen des Humanistischen Pressedienstes, „spezialomon“ kommt auf 242 Leser und der bekannte Blogautor „Feuerbringer“ hat immerhin 189 Leser, die sich von ihm über den religiösen Wahnsinn weltweit auf dem Laufenden halten lassen. Mehr Funktionen bietet Twitter zwar nicht, es ist aber zum Pflichtwerkzeug aufmerksamer Medienbeobachter geworden. Denn viele interessante Neuigkeiten verbreiten sich hier schneller als in fast jedem anderen Netzwerk. Auch Facebook bietet eine ähnliche Funktion zur Verbreitung von Nachrichten an.
Der Weg ins Netz ist also fast schon eine Pflicht. Wenn säkulare Humanisten in ihrer Umgebung gleichgesinnte Menschen suchen oder eigene Informationen anbieten wollen, sind Facebook und die VZ-Netzwerke die Anlaufstelle Nummer eins, um miteinander in Kontakt zu kommen. Und als Knotenpunkt und Filter in der Informationsflut kann sich Twitter als großartiges Werkzeug erweisen, vorausgesetzt man versteht es zu nutzen. Möglichkeiten gibt es jedenfalls genug. Zeit, sich zu vernetzen.

















Das ist der Artikel, den wir so oder ähnlich auch schon lange einmal schreiben wollten: Die Firma dankt! ;-)
Stefan von http://www.facebook.com/gwup.org
Vernetzung? Ich sehe nur eine stärkere Konzentrierung mit neuen Bischöfen, z. B. Dawkins. Der Einzelne hat Null Einfluss. Er kann den schönen Kampagnen nur folgen, wie es schon immer war. Beispielsweise glauben heute bereits viele Menschen an die Macht der Meme und an egoistische Gene sowieso. Eine irrationale Lehre wurde folglich gegen eine andere ersetzt. Einen Gewinn sehe ich nicht.
Aufgrund der generellen Tendenz hin zur Verdummung wird sich der Trend weiter fortsetzen.