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Medien und religiöse Propaganda

Zehn Gebote leicht gemacht. Die "UNICUM" erklärt, wie gut Bibel und Menschsein zusammen passen.

“Die Religionsfreiheit beinhaltet auch das Recht, über seinen Glauben zu reden und ihn zu lehren”, sagte der Afrikabeauftragte der deutschen Bundesregierung vor wenigen Tagen. Günter Nooke (CDU) plädierte dafür, dass religiöse Mission ein Menschenrecht sein müsse. Er drückte aus, was die Kirchen auch in Deutschland intensiv beschäftigt. Aber Mission, die Verbreitung von Religion, erfolgt nicht mehr mit Schwert und Schild. Die Bekehrung findet subtiler statt.

Missbrauchsskandale, Kirchenkritik und Austrittswellen. Unerträglich mussten die Bilder und Worte für viele wirken, die sich ein erfülltes Leben ohne Kirche nicht vorstellen können. Vielleicht deshalb ließ sich Theresa Schramke, die gerade in Geografie promoviert, auf ein sogenanntes “Experiment” ein. Schramke wollte, so der Untertitel des Beitrages in der kostenlosen Studentenzeitung “UNICUM”, eine ganze Woche “streng nach den Zehn Geboten” leben. Aber keine methodisch wissenschaftlich angelegte Untersuchungsanordnung war gemeint. Und sogar das Ergebnis stand schon vorher fest.

Am Beginn der Woche “streng nach den Zehn Geboten” geht Theresa Schramke zuerst einen besonders radikalen Schritt. “Du sollst nicht töten”, liest sie in ihrer lutherischen Bibelfassung. Eine ganze Woche lang nicht töten? Schramke scheint einen Augenblick ratlos, hat aber schließlich die rettende Idee. Sie interpretiert diese Regel so, dass sie in dieser Woche kein Fleisch von Tieren essen wird. Biblische Texte als ethische Grundlagen für eine Ernährung, die fair mit Tierrechten umgeht und Speziezismus ablehnt? Für Schramke kein Problem. Obwohl im 5. Buch Mose eine christliche Speisekarte detailliert beschrieben wird und sich zahlreiche Tierarten darauf wiederfinden. Und in den USA, der wohl christlichsten Nation der Welt, liegt der Durchschnittsfleischverbrauch mit etwa 130 Kilogramm pro Mensch und Jahr über 60 Prozent höher als in Deutschland. Aber für Schramke und Manfred Baldschus, Redaktionsleiter der “UNICUM”, ist das kein Widerspruch. Die Bibel als ethische Grundlage für den Vegetarismus – warum wird so etwas gedruckt?

Mission ist zur Herausforderung geworden

Es sind Christen in den Medien: Weil die Großkirchen in Deutschland jährlich mehrere Hunderttausend Mitglieder verlieren, wird Mission immer stärker zum Thema. Während in Afrika, Asien oder Südamerika die Religionsgemeinschaften wegen des karitativen und sozialen Engagements regen Zulauf haben, wenden sich in Europa immer Menschen von den religiösen Irrlehren ab. Die Kirchen sind nach vielen Austrittswellen immer mehr darauf angewiesen, Menschen von ihrem religiösen Vertretungs- und Interpretationsanspruch zu überzeugen. Denn schon über ein Drittel der Einwohner Deutschlands ist konfessionslos. Nicht nur Bischöfe, Kardinäle und Papst sehen darum mit Schrecken den Augenblick, an dem die Gruppe der konfessionslosen Menschen mit den Mitgliederzahlen der Kirchen gleichzieht. Besondere Sorge bereitet ihnen aber vor allem der Augenblick, an dem sich diese Menschen ihrer Eigenschaft als Gruppe bewusst werden. Die Deutsche Bischofskonferenz verfasste deshalb am Ende des Jahres 2000 ein Papier. Der Titel: “Zeit zur Aussaat – Missionarisch Kirche sein.” Die Mission ist zur bedeutenden Herausforderung geworden. Und die Kirchen haben sie angenommen, denn was sonst sollten sie tun? Aber die glaubhafte Verbreitung religiöser Lehren und Ideen wird in einer aufgeklärten Gesellschaft zunehmend schwieriger. Es sei denn, man hat in den Medien ein paar überzeugte Freunde.

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Diskussion - Bisher 15 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Ist eigentlich die Beschäftigung mit theologischen Fragen in einem atheistischen Verband an der Tagesordnung? Ich stelle mir eher ein religionsfreies Wirken vor. Ein Gott kommt in meinem Denken nicht vor und ich möchte einfach nicht ewig diese historische Rückkopplung haben bei Überlegungen “wie sollen wir leben?”

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    Über den Einfluss der Kirchen (besonders der Evangelikalen) in Afrika und die Auswirkungen der Missionierung war kürzlich eine spannende Diskussion in Wien: “Der Himmel über Afrika” mit * Paul Gifford (Prof. emeritus der School of Oriental and African Studies (SOAS), Univ. London), Wahu Kaara (Direktorin des Kenya Dept Relief Network Nominée für den Friedensnobelpreis) und Helmut Nausner (Superintendent a.D., Evangelisch-methodistischen Kirche Österreich).

    Die Videoaufzeichnung auf etalks.tv ist hier zu sehen:
    http://etalks.tv/blog/2010/05/07/der-himmel-uber-afrika/

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    Ich frage mich, warum versteht niemand diese Wahrheit:

    Sicher und überzeugt sind meistens nur die Denkfaulen, die über nichts mehr nachdenken müssen oder wollen, die alles als gegeben hinnehmen. Die denkenden Zeitgenossen sind immer am Zweifeln und sich nie sicher, was bedeutet, daß sie ihre Denkweise weniger überzeugend rüberbringen können.

    Für mich ist nicht der Glaube eines Mitmenschen das Problem, sondern die organisierte Religion.
    Mit nichts ist es leichter einen Gegner zu entmenschen und zum Abschuss freizugeben als mit Religion, egal welcher auch immer!
    Ich bin für Glauben, aber auch für Religionsfreiheit. Jeder sollte Religionsfrei sein!

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    Oft ist es problematisch einen Beweis zu führen, insbesondere wenn es um globale Themen geht. Da macht es wohl Sinn den Versuch zu unternehmen einen Beweis durch die Verneinung zu führen. “Was beweist, dass es keinen Gott gibt” – nicht nur … nicht geben kann.

    Wenn wir Gottes Bettuch des Wissens vor uns ausbreiten werden wir zugeben müssen, dass wir von den unendlichen Quadrat-Kilometern des göttlichen Wissen man gerade ein paar qmm erarbeitet haben.

    Vielleicht startet man einmal von der zentralen Aussage des Christentums: “Die Würde des Menschen ist unantastbar…”

    Übrigens: Die freie Meinungsäußerung ist eine urchristliche Angelegenheit. Denke an die Diskussionen Christi mit einen Jüngern…

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    Wirken möchte ich ohne von religion beeinflusst zu werden.

    Genau hier möcht ich mich Marthel anschließen.

    Leider wurde das Konstrukt Gott nicht nur in meinem Kopf gepflanzt, sondern wie auch dieser Artikel zeigt, rings um uns.

    Meine größte Freude besteht zur Zeit in der Beobachtung dessen was sich in bezug auf Weltanschauung gerade abspielt.

    Daß die Religionen zerfallen, tut der Welt gut.

 
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