Um auch zukünftig journalistisch geschulten Nachwuchs mit Sendungsbewußtsein zu finden, wird ab dem Wintersemester 2010 an der Evangelischen Hochschule in Marburg im Rahmen des Bachelor-Studiengangs Evangelische Theologie ein neuer Schwerpunkt eingerichtet. “Journalismus und Medien” soll junge Christen dazu ausbilden, religiöse Ideen und Begriffe so in den Schreibstuben, Fernsehstudios und Chefetagen zu platzieren, dass die Kirchenflucht gestoppt werden kann. Und Tagungen sollen Hilfe bei dem Weg in die Medien bieten. Denn zwar sind mit dem BILD-Chef Kai Diekmann oder dem ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bereits wichtige Schlüsselstellen in der Medienlandschaft besetzt, aufgehalten wurde der Abwärtstrend dadurch aber noch nicht. Um auf eine “Jugend ohne Charakter” und veränderte Bedürfnisse der Leserschaft zu reagieren, gestaltete di Lorenzo im März die Rubriken der “ZEIT” um. Mit der neuen Rubrik sollen “Glaube und Zweifel” nun wieder stärker in “Deutschlands führender meinungsbildender Wochenzeitung” Platz finden, so di Lorenzo.
Der neue Studienschwerpunkt an der Marburger Kirchenhochschule indes basiert auf einer Zusammenarbeit mit dem “Christlichen Medienverbund KEP”, deren Geschäftsführer Wolfgang Baake ist. Der Theologe und Journalist Baake ist auch Beauftragter für die evangelikale Organisation Deutsche Evangelische Allianz an den Schaltstellen der bundespolitischen Macht, dem Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung. Baake wurde bekannt, weil er nach kritischer Berichterstattung der Schülerzeitung “Q-Rage” über das evangelikale Großereignis “Christival” einen enormen öffentlichen Druck erzeugt hatte, in dessen Folge die Autoren von fundamentalistischen Christen bedroht und terrorisiert wurden.
Redaktionelle Angebote für alle Altersklassen
Therese Schramke hat sich in ihrem Erlebnisbericht mittlerweile bis zum Beginn des Donnerstags gequält. Und wieder einmal nicht bundesdeutsche Gesetze sondern die Bibel motiviert sie nun dazu, ihre Steuererklärung auszufüllen. Denn das siebte Gebot lautet: “Du sollst nicht stehlen.” Ein Gebot, dass bis zur Niederkunft des angeblichen Gottessohns, 2010 Jahre zuvor, nicht befolgt zu werden schien. Die Griechen, Ägypter und Mayas – Völker ohne die Idee von Besitz und Eigentum? Für Schramke scheint es plausibel. Anschließend ruft sie ihre Eltern an, um sie mit einem Telefonat bibelgetreu zu ehren. Scheinbar zu überrascht vom praktischen Nutzen der Zehn Gebote anstelle einer gesunden emotionalen Kompetenz, vergisst Schramke zu verraten, auf Grundlage welcher Gebote sie die Telefonate mit ihren Freundinnen und Freunden führt.
Die Mission der Kirchen hat sich verändert. Besonders im Internet hat die Präsenz religiöser Angebote von Inhalten zugenommen. Nachrichten- und Communityportale wie evangelisch.de oder idealisten.net versuchen, junge Menschen in alltäglichen und weltläufigen Themenfeldern wie Beziehung, Politik oder auch Karriere zu erreichen, um über die Hintertür religiöse Ideen zu verbreiten. So schreibt ein Redakteur auf idealisten.net von einer kiffenden Punkerin, “die erkannt hat, wie wahr, krass und wichtig Gottes Wort ist.” Aber nicht immer sind die Ergebnisse religiöser Propaganda so plump. Und auch für ältere Menschen sind Angebote geschaffen worden, wie auf dem Internetportal “UnsereZeiten”, während Kinder bei JoeMax.de einen Platz fern den Milliarden Seiten voll Pornografie und Gewalt finden sollen.

Fazit in SPIEGEL-Titelstory 50/2009
Die Zielgruppe ist eine unkritische Leserschaft
Vermittelt werden soll vor allem das Bild, die christliche Religion sei in der Lage, auf fast jede Frage die passende Antwort zu geben. Begriffe, Wendungen und Meinungen werden dabei in redaktionellen Beiträgen genauso geschickt eingesetzt, wie vermeintlich neutrale Beiträge platziert werden. So titelte das Handelsblatt gestern “Christ sein – und erfolgreiche Unternehmerin”, um nach den Missbrauchsskandalen wirtschaftspolitisch interessierten Menschen ein möglichst positives Bild von der katholischen Religion zu vermitteln. Das Bild der erfolgreichen Geschäftsfrau trägt die Unterschrift: “Der katholische Glauben prägt den Führungsstil der Unternehmerin Renate Pilz.” Und der sehr populäre Astrophysiker Harald Lesch vermittelt auf “Pro”, wie sich Wissenschaft und die christliche Religion in Einklang bringen lassen.
Nicht nur in Denkfabriken für Evangelisation wie dem “Institut zur Erforschung der Evangelisation und Gemeindeentwicklung” im kirchenfernen Mecklenburg-Vorpommern werden dabei neue Methoden zur nachhaltigen und wirksamen Re-Missionierung der gottlosen oder ungläubigen Angehörigen der Gesellschaft entwickelt. Auch am Institut für Theologische Zoologie Münster wird daran gearbeitet, ein verändertes Tierrechtsbewusstsein in das Gefüge biblisch-religiöser Interpretationen einzupassen. Um Ergebnisse auch wirklich an den Menschen zu bringen, sind Medien notwendig. Darunter Studentenmagazine wie “UNICUM”, wo Theresa Schramke jungen und unkritischen Studierenden einen ersten Einblick in das Leben als Christin “streng nach den Zehn Geboten” geben wollte. Und sie stellte am Ende ihres ganzseitigen Berichtes fest, ihr hätte diese Woche “einige Denkanstöße und neue Handlungsideen geliefert.” Schramke versichert ihren Leserinnen und Lesern nun, dass sie diese zehn Gebote in ihren Alltag auch weiterhin bestimmt ab und an einbauen wird.















Die tatsächliche Entchristianisierung Europas trotz aller Bemühungen der Amtskirchen und ihrer medialen Helfer wird trotzdem weiter voranschreiten. Negativ ist allerdings, dass selbst bei denen, die den Kirchen den Rücken kehren, häufig irrationale Sehnsüchte nach transzendentalem Unsinn bleiben. Sie sind daher zumindest in grosser Gefahr, Opfer aggressiver und deutlich weniger intelligenter Ideologien wie Islam oder Evangelikalismus zu werden. Diesem Folgeproblem der Entschristianisierung wird leider noch immer zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Wir Humanisten sind leider viel zu schwach und unorganisiert, um diesen Trends wirkungsvoll entgegenzuwirken. Wir zerfasern uns lieber in Streitigkeiten, ob eine humanistische Schule in Bremen der “wahren Lehre” entspricht oder nicht. Das gibt alles in allem ein trauriges Bild.
Die zunehmende mediale Präsenz kann aber auch nach hinten losgehen und die Gesellschaft spalten. Dass man genötigt wird, zu seinem Unglauben zu stehen und sich von den Fisch-Leuten abzugrenzen.
Schlimmer als die eindeutig kirchlichen Formate finde ich die untergeschobenen religiösen Elemente z.B. in Vorabendserien oder Kurzpredigten tagsüber im Radio. Was man früher kaum beachtet hat, bringt einen mittlerweile in Rage. Vor allem, wenn die eigenen Kinder auf diese Weise hinterrücks missioniert werden sollen.
Liebe Humanisten,
selbst wenn kein einziger Mensch auf der Erde an Gott glauben würde, gäbe es Ihn dennoch. Die Existenz Gottes kann nicht durch Wissenschaft und Meinungsbildung erkannt werden. So wurde es schon vor Jahrtausenden in der Bibel offenbart. Jedoch, die Existenz des Menschen ist von Gott abhängig, leider oder Gott Sei Dank. Ein Humanismus der Gott ablehnt, ist wie eine Pflanze, die sich dem Wasser verweigert. Oder schlimmer mit den Worten Roger Liebi Schleiermachers ausgedrückt: Humanismus ohne Divinität (Göttlichkeit) führt zur Bestialität. Die heutigen Medienberichte bestätigen diesen Zustand tagtäglich. Eure Anklagen, liebe Humanisten sind aus Eurer Sicht vollkommen verständlich. Hier ist eine Position und ein Feindbild aus der heraus das eigene Selbstverständnis gestützt wird. Und in vielen Dingen habt Ihr recht. Denn ein Mensch, der ohne Gott lebt, muss die Dinge so sehen, wie Ihr sie seht. Auch das ist von Gott so gesagt worden. Und Ihr habt auch recht, wenn Ihr die Unaufrichtigkeiten und Vergehen der Christen und offiziellen Vertreter der Kirchen so kritisiert. Letztendlich tut Ihr damit nur Gottes Willen. Denn die Christen hier in Europa haben sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, seit langer Zeit von Gott abgewandt. Die Katastrophe des Dritten Reiches ist nur ein Bespiel dafür. Aber Gott lässt seine Menschen nicht so ohne weiteres ins Unglück gehen. Wer sich zu Ihm bekennt, wer sich in Seinen Dienst stellt, der muss es dankbar aushalten angegriffen zu werden. So wird die schlafende Christenheit unter anderem auch vom Geschrei der Humanisten geweckt. Wenn es ausreicht, dann machen sich die so genannten Christen wieder neu auf den Weg zum Erlöser, zum Retter zum Überwinder Jesu.
@Axel: Schön, dass Du hier Deine Meinung offen äusserst. Damit können Humanisten bestens umgehen. Wer triit denn sonst wohl eben so entschieden für die freie Meinungsäusserung ein wie wir? Religionen jedenfalls nicht. Ob Du glaubst oder nicht – das ist Privatsache und das sollte auch so bleiben und schliesslich ist es Dein gutes Recht. Wir sind dagegen eher geneigt, die “göttliche” Offenbarung als Menschenwerk zu betrachten. Und auch das bitten wir zu respektieren – was Du ja offensichtlich tust. Leider geht es nicht allen Gläubigen so. Deshalb machen sie ja eine grosse Propaganda und nennen die dann “Mission” – vom Bundespräsidenten angefangen bis hinunter zum kleinen Dorfpfarrer. Für die sind Atheisten und Agnostiker immer noch verdammenswürdige Häretiker und Apostaten, die es “um der guten Moral willen” aufs Schärfste zu bekämpfen gilt. Dagegen wehren wir uns allerdings mit allen unseren (leider nur allzu bescheidenen) Mitteln.
@Axel
“Liebe Humanisten,
selbst wenn kein einziger Mensch auf der Erde an Gott glauben würde, gäbe es Ihn dennoch. Die Existenz Gottes kann nicht durch Wissenschaft und Meinungsbildung erkannt werden. ”
Selbst wenn alle Menschen auf der Erde an Gott glauben würden, gäbe es ihn dennoch nicht. Die existenz Gottes kann nicht durch Berufen auf die Bibel postuliert werden.
Lass uns ein Bier trinken – es gibt keinen Sieger bei dieser Debatte.
Oder doch?