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Köhler fordert Mission von Kirchen

12. Mai 2010 09:38 14 comments Von Arik Platzek

Horst Köhler, höchster Repräsentant Deutschlands, hat eine Bitte an die christlichen Kirchen. Foto: Roosewelt Pinheiro / CC-BY-SA

Christen machen mobil. Während zum 2. Ökumenischen Kirchentag ein kostenlos verteiltes Buch erschien, in dem christliche Politiker beschreiben, wie Religion und der Glaube an einen Gott ihre Politik bestimmt, beziehen auch die international bedeutendsten Repräsentanten Deutschlands immer stärker Stellung für die Kirchen. Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel werben nun offen mit ihren religiösen Ideen. Widerspruch gab es dazu bisher kaum.

“Die Bibel ist das wichtigste Buch, das ich kenne.” Kann diese klare Empfehlung einer religiösen Schrift den Höhepunkt eindeutiger Werbung für die christliche Religion markieren, wenn sie von dem bedeutendsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland geäußert wird? Offensichtlich nicht, denn nachdem das deutsche Staatsoberhaupt, Bundespräsident Horst Köhler, im Dezember 2009 mit diesen starken Worten die Bibel empfahl, forderte er nach Medienberichten gestern die Kirchen dazu auf, sich stärker auf die kirchliche Mission zu konzentrieren. Er äußerte im Interview mit dem “Rheinischen Merkur” die Bitte an die christlichen Kirchen: “Kämpfen Sie um jeden Einzelnen.” So entschieden hatte sich wohl lange kein derart bedeutender Repräsentant der Bundesrepublik im Interesse des Missionsauftrags der Kirchen erklärt.

Nur was ist bedeutender: das Amt des Bundespräsidenten oder das der Bundeskanzlerin? Auch der Bundeskanzlerin kommt aufgrund ständiger Sichtbarkeit in den Medien und großer Kompetenzen ein ebenso hoher Grad repräsentativer Wirkung für die deutsche und internationale Öffentlichkeit zu – vielleicht sogar ein höherer. Und Angela Merkel verkündete nur einen Tag zuvor auf den Internetseiten der deutschen Bundesregierung:  “Die christliche Überzeugung muss im täglichen Leben immer wieder deutlich gemacht werden, bei all den Problemen, die uns begegnen.”

CDU/CSU: Keine Gleichbehandlung für Weltanschauungsgemeinschaften

Während in der Bundespolitik gegenwärtig bis aufs Äußerste um einen realistischen Kurs mit der Strategie in Afghanistan gerungen wird, fügte sie ihrer Botschaft hinzu: “Unsere Vorstellung vom christlichen Menschenbild, von der Würde des einzelnen Menschen, endet nicht an den Grenzen Deutschlands oder der Europäischen Union, sondern sie gilt weltweit.” Wie problematisch die Worte der Bundeskanzlerin sind, macht Philipp Möller, Sprecher der Giordano Bruno Stiftung, deutlich: “Frau Merkel nährt mit ihrer Aussage die Vermutung, der Einsatz deutscher Truppen in Afghanistan käme einem Kreuzzug des Christentums gleich.”

Scharfe Kritik äußert Möller an dem Vortrag der Bundeskanzlerin: “Sie missachtet den Umstand, dass beispielsweise Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie die Freiheit von Wissenschaft und Kunst sämtlich gegen Vertreter des Christentums erstritten werden mussten.” Für die Äußerungen Merkels und Köhlers hat er kaum noch Verständnis. “Sie werden der weltanschaulichen Neutralität unseres säkularen Staates nicht gerecht”, so Möller. Noch im vergangenen September, kurz nach ihrer Wiederwahl, erklärte Merkel: “Ich will die Kanzlerin aller Deutschen sein.” Während sie lediglich als Parteimitglied betrachtet werden kann, steht Bundespräsident Köhler für alle Deutschen. Und was “unsere Vorstellung” vom christlichen Menschenbild sei, verrät auch Angela Merkel in ihrer Ansprache auf den Internetseiten der deutschen Regierung nicht.

Über den deutschen Staatsoberhäuptern herrscht ein eifersüchtiger Gott

Wie steht die Partei, der Angela Merkel und Horst Köhler angehören, dazu? “Das Grundgesetz steht nach seiner Präambel unter der Überschrift einer ‘Verantwortung vor Gott und den Menschen’, und ist in seinem Grundrechtsteil an den Zehn Geboten ausgerichtet, wie auch unsere Verfassungs- und Gesellschaftsordnung im christlichen Menschenbild wurzelt”, lautete die Interpretation von CDU/CSU auf eine entsprechende Anfrage des Humanistischen Verbandes Deutschland zur Bundestagswahl 2009. Biblische zehn Gebote, in denen es heißt: “Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation.” Göttliche Rachsucht muss das spezifisch christliche sein, woran sich christliche Politiker orientieren wollen. Menschenrechte, Säkularität und Demokratie als grundlegende Prinzipien eines deutschen Staates sind es jedenfalls nicht, wie die Geschichte Europas belegt.

Der deutsche Staat, führten CDU/CSU weiter aus, hätte “die verschiedenen Weltanschauungsgemeinschaften nicht indifferent gleich zu behandeln.” Schließlich wird festgestellt, “die Organisationen der so genannten Konfessionsfreien sind nicht nur von Größe und Mitgliederzahlen her mit den großen Kirchen und Religionsgemeinschaften nicht vergleichbar”. Und trotz der zahlreichen Veröffentlichungen des Humanistischen Verbandes und der Giordano Bruno Stiftung zu religionsfreien und humanistischen Standpunkten, stünden diese nicht für eine “einheitliche Werteposition”. Deshalb seien diese Organisationen “als Ansprechpartner für die Politik ungeeignet”, so das vernichtende Urteil.

Horst Groschopp, damals HVD-Verbandspräsident, erklärte daraufhin: “Deutlicher hätten sie es nicht ausdrücken können. Offenbar sehen sich diese Parteien nicht nur als Kirchenlobbyisten, sondern sie versteigen sich sogar zu der Behauptung, das Grundgesetz orientiere sich an den Zehn Geboten.“ Dort heißt es aber auch, “du sollst neben mir keine anderen Götter haben.” Und obwohl nicht andere Götter, sondern ein verkrustetes und überholtes System religiöser Dogmatik und groteske Skandale um die Taten kirchlicher Funktionsträger die Gläubigen zu Tausenden aus den Kirchen fliehen lassen, erteilt der deutsche Bundespräsident den christlichen Kirchen einen Missionsbefehl.

Sie sind nicht mein Präsident, Herr Köhler

Ein Kommentar von Andreas Müller

Norbert Lammert, Wolfgang Schäuble und andere führende Politiker haben jüngst betont, die deutsche Bevölkerung bräuchte das Christentum. Nun legte die Staatsspitze in Form von Horst Köhler nach. Er fordert die Missionierung seiner gottlosen und falschgläubigen Untertanen.

„Meine Bitte an die christlichen Kirchen ist: Kämpfen Sie um jeden Einzelnen. Sie haben einen Auftrag von Gott, seine Botschaft zu vermitteln [...]“, sagte Horst Köhler, der auch von Atheisten bezahlt wird, laut  einem Interview mit dem Rheinischen Merkur.

Das deutsche Staatsoberhaupt ruft zwei Sekten dazu auf, unser Land zu übernehmen, indem sie die Deutschen zu ihrer Ideologie bekehren. Während tausende Opfer des kirchlichen Missbrauchs um Anerkennung kämpfen und die Kirchen leugnen, verharmlosen und vertuschen, betont der Bundespräsident, christliche Werte hätten „mehr als 2000 Jahre getragen“. Was muss noch passieren, damit Politiker einsehen, dass sie seit dem Reichskonkordat der katholischen Kirche mit Hitler, das weiterhin gilt, unentwegt Verträge mit zwei Organisationen abgeschlossen haben, die keine Kompetenz in moralischen Fragen besitzen?

Es ist die reinste Comedy aus Absurdistan: Horst Köhler erkennt mittels seiner übernatürlichen Fähigkeiten, wer einen Auftrag von Gott erhalten hat und wer nicht: „Sie haben einen Auftrag von Gott“, weiß er über die christlichen Kirchen. Und alle müssen das glauben, denn: „Wir brauchen diese Orientierung“. Auf Demonstrationen gegen George W. Bush wurden Schilder hochgehalten mit der Aufschrift: „Not My President“. Auch Sie sind nicht mein Präsident, Herr Köhler.

Angela Merkel sagte über den gesellschaftlichen Zusammenhalt, dieser sei ein „wahrhaft christlicher Auftrag“. Wir sind ja beide Fans von Monty Python. Nichts ist spalterischer als Religion, wie man seit dem 30-jährigen Krieg, den Konflikten in Nordirland, zwischen Indien und Pakistan, einfach überall in der Welt, als durchschnittlich gebildeter Mensch wissen müsste.

Am besten wäre es, jemand bestellt unseren politischen Führern eine schöne Limousine und fährt sie ins palmenreiche Saudi Arabien. Dort können sie erleben, wie eine Gesellschaft aussieht, in der Gott das Sagen hat. Hier in Deutschland dagegen herrscht die Freiheit. Es wird Zeit, dass auch unsere gewählten Repräsentanten das einmal anerkennen.

Mehr Informationen: Humanistischer Pressedient über die “Deutsche Christenrepublik”

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14 Kommentare

  • @Michael,
    das ist doch alles nur unreflektiertes Zeug. Es war doch überhaupt keine Rede davon, dass in einer säkularen Gesellschaft mit humanistischer Ethik jeder Einzelne nach möglichst häufiger Fortpflanzung zu streben hat. Das war der Weg der Religionen, und der war die letzten 2.000 Jahre erfolgreich. Dem nun aber gar nichts entgegenzusetzen, ist fatal. Und daran wird der Humanismus zugrunde gehen. Die Religionen werden sich durchsetzen, weil sie reproduktiv überlegen sind.
    Die andere Alternative könnte die sein: Der wissenschaftlichen Forschung (Wissenschaft = gut!) gelingt es endlich, Menschen zu klonen und aus der Retorte zu produzieren. Die Unternehmen erkennen bald, dass Humankapital kritisch für ihren zukünftigen Markterfolg ist, zumal sie schon länger mit den Output der HartzIV-Silos unzufrieden sind. Also gründen sie ihre eigenen Kibbuze, in denen die Klone ihrer besten und leistungsfähigsten Mitarbeiter großgezogen werden. Für die Mitarbeiter ist das eine große zusätzliche Motivation und Ehre: Wer einen bestimmten Status erreicht, erhält das Recht auf einen oder mehrere Klone.
    Kein Humanist wird dazu ein Sterbenswörtchen sagen, denn man redet viel von Evolution, hat sie aber nicht verstanden.
    Wie eine echte humanistische Fortpflanzungsethik in gleichberechtigten, säkularen Gesellschaften aussehen könnte, hat dieser Autor dargelegt:
    http://knol.google.com/k/peter-mersch/familienarbeit-in-gleichberechtigten/6u2bxygsjec7/2
    Seine Argumente sind zwingend. Doch das sind alles Themen, über die sich die meisten Humanisten keine Gedanken machen. “Generationengerechtigkeit? Ja was ist denn das? Wir wollen nur alle schön in Würde auf dieser Erde leben. Was mit der nächsten Generation geschieht, ist uns ja so etwas von egal.”

    Und deshalb wird es so weitergehen: In 5 Jahren wird ein noch höherer Prozentsatz der Säuglinge arm sein. Und es werden noch mehr Kindern die Milchzähne gezogen. Weil wir ja alle so schön humanistisch sind…

  • @Lena
    Du immer mit deiner Rumpopperei, der Kinderarmut und der dritten Welt – das sind doch keine Argumente gegen den Humanismus. Genauso könntest du behaupten, daß ich als Homosexueller an der Klimaerwärmung schuld bin; das klingt dann zwar auch bescheuert – hat jedoch wenigstens einen gewissen Unterhaltungswert. Es kann doch nicht dein ernst sein, daß du im Manifest von MSS eine Seite über „Fortpflanzung und Ethik“ vermißt. Warum brauchst du in dieser Richtung überhaupt einen „roten Faden“ oder gar Anweisungen? Zum Thema „Evolution“ hält Thomas Junker interessante Vorträge (Google mal im Internet) – das kommt deinen Interessen schon besonders nahe.

    >>… also nicht nur um die Würde und Selbstentfaltung des Einzelnen, sondern auch um den Fortbestand von Gesellschaften und Gemeinschaften.<< – das suggeriert ja, daß ich in einer gewissen Pflicht wäre. Ich höre schon die Anmachsprüche in Diskotheken: „Hallo Puppe, ich sehe zwar scheiße aus; unsere Art stirbt jedoch aus – ich trink jetzt noch 2 Bier, dann hilfst du mir aus meiner Hose und ich zieh´dir ganz poetisch ne neue Furche – Weil im Manifest des Humanismus steht geschrieben:

    Siehst du deine Arten in Gefahr,
    spazier inne Disse und tue es kund;
    trink´dich besoffen und dir wird klar,
    du brauchst nur ne Frau und nen philosophischen Grund.

    *Prost“

  • @Mozart
    Welche sollen das denn sein? Vielleicht habe ich die alle schon rezensiert.
    Geh doch mal auf die Wikipedia-Seite “Humanismus” und suche nach den Worten Fortpflanzung, Reproduktion, Nachwuchs, Kinder, Familie, Frauen, Männer, Generation. Alles Fehlanzeige (außer in anderen Zusammenhängen). Genau zu diesen Themen haben sich Religionen aber immer ganz viele Gedanken gemacht (entsprechend fällt das Wort “Frauen” auch nur unter der Rubrik “Islam”, d.h. bei einer Religion), also nicht nur um die Würde und Selbstentfaltung des Einzelnen, sondern auch um den Fortbestand von Gesellschaften und Gemeinschaften.
    Oder nimm das Manifest von MSS. Angeblich ist einer seiner Fundamente die Evolutionstheorie. Deren zentrales Thema ist jedoch die Fortpflanzung. Das Thema ist aber kein Thema im Manifest, sehr wohl aber bei den Religionen. Deshalb sage ich es noch einmal: Religionen sind gegen die Evolutionstheorie, haben sie aber verstanden, der Humanismus dagegen nicht. Humanistische Auffassungen gibt es aktuell nur als nichtevolutionäre Philosophien. Da ist noch viel zu tun. Kann man helfen?

    LG Lena

  • Es ist schön festzustellen, dass deine Äußerungen offenbar aus vollkommenen Unkenntnis der Grundzüge einer religionsfreien humanistischen Ethik heraus entstanden sind. Wie wärs, wenn du dich erstmal mit den populärsten Schriften beschäftigst um dann später nochmal Stellung zu nehmen?

  • Ich bin zwar gleichfalls Atheistin, für mich stellen die Humanisten aktuell jedoch keine Alternative zum Christentum dar. Damit meine ich nicht den Glauben an Gott, sondern die vermittelte Ethik.
    Das Problem unserer säkularen Gesellschaft ist, dass sie einem hemmungslosen Individualismus und Egoismus fröhnt. Die Religionen haben dazu beigetragen, dass man sich bzgl. dem eigenen Egoismus zurückhält, sich ggf. altruistisch verhält, und vor allem aber auch seine Kompetenzen an die nächste Generation weitergibt, d.h. nicht nur alles für sich verwendet, sondern investiert.
    Sicher, die Sachen, viele Sachen der Religionen sind/waren schlimm (Menschen können generell schlimm sein). Was wir hier jedoch gerade ohne die Religionen veranstalten, ist mindestens genauso schlimm: Kleinen Kindern faulen schon die Milchzähne weg, die Kinderarmut schießt jedes Jahr weiter in die Höhe, die Verschuldung der nächsten Generation steigt an. Wir werden eine unsägliche Armut produzieren.
    Um das zu verhindern wird man dann Arbeitskräfte aus der Dritten Welt ins Land holen. Wie sagte F. J. Radermacher so schön: “Kommen dürfen beste Gehirne oder sonstwie selektierte Untermengen.” Schlimmster Kolonialismus also. Den verkaufen wir heute schon als human: “Weltweit werden viel zu viele Kinder geboren. Also ist es doch gut, wenn wir selbst weniger Kinder bekommen.” Es ist wirklich erschreckend, wie der moderne Ego-Mensch seine Vorteile sichert. Für die Dritte Welt wird das fatale Folgen haben: Wir werden deren beste Kräfte rauben. Experten erwarten schon jetzt einen weltweiten Rückgang der Intelligenz, insbesondere dann auch in den Entwicklungsländern. Die werden dank unserer Geburtenschwäche (unseres humanistischen Egoismus) ins völlige Chaos versinken.

    Aber was soll’s? Dafür hat die andere Lena den Eurovision Song Contest gewonnen. The show must go on.

  • Interessante Theorie, vor allem, dass der Glaube an Gott nicht zum Produkt des Christentums gehört. M.E. werden die Kirchen als Gemeinschaft nur benötigt solange der Staat kein Geld in die Finger bekommt, um handlungsfähig zu sein und die Menschen zusammenzuhalten. Statt fachlich qualifiziertem Sozialwesen mit anständig ausgehandelter Bezahlung wird auf Almosen-Wohlfahrt und unbezahlte Nächstenliebe gesetzt. Aus dem Recht auf solidarische Hilfe wird Betteln – die gut Betuchten dürfen sich wieder richtig spendabel fühlen, wenn sie etwas abgeben. Durch Lohndumping höhlen die Kirchen gerade mühsam erreichte Werte aus.
    In solchen Situationen zeigt es sich für die Humanisten allerdings als Nachteil, wenn man sich mit dem demokratischen Staatswesen identifiziert hat und nicht am Aufbau eines eigenen Interessenverbandes gewerkelt hat.
    Seid fruchtbar. Dazu müssen die Menschen kaum aufgefordert werden, der Sexualtrieb tut sein Werk ohne Nachdenken. Zum Nachteil der Frauen, die eben keine Zeit mehr für Bildung und Geldverdienen haben. Man sieht ja in den geburtenreichen Entwicklungsländern, wie „gut“ man dort mit der Umwelt klar kommt.
    Diejenigen vermehren sich hemmungslos trotz drohender Überbevölkerung, die keine Möglichkeit zur Empfängnisverhütung haben, oder die unbedingt ihre Ideologie an die Nachwelt weitergeben wollen. Immer zum Nachteil der Frauen, sich anders als beim Kindergebären zu verwirklichen.
    Es gibt übrigens auch Christen, die kinderlos sind und mehrmals im Jahr Flugreisen unternehmen – bei uns persönlich ist das nicht so.

  • Liebe Lena – nicht „wir“ brauchen die christlichen Kirchen; sondern nur du und alle anderen, die solch ein theatralischen Käse in Worte fassen und versuchen, damit andere zu missionieren. Wir sind da schon ein Stück weiter – Liebe Lena – wach auf und schaue dir die Welt einmal genauer an. Ob jemand einen Glauben hat oder eben nicht, spielt überhaupt keine Rolle – auch die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, ist total irrelevant geworden. Das Problem liegt darin, was die Kirche multipliziert und auch daran, daß sie nicht weiß, was sie mit ihren Worten anrichtet. Um uns herum, in nicht säkularen Staaten, werden Menschen erhängt, abgeschlachtet, unterdrückt und wie Vie behandelt; nur weil sie anders denken, anders fühlen, einer anderen Religion angehören oder eben anders lieben. Selbst ich habe sehr viele Freunde verloren und kann den Grund für deren Tod nur sehr schwer umdenken. Die Freiheiten in Deutschland mußten wir uns auch erkämpfen – die Freiheit ein Mensch sein zu dürfen – die Freiheit als religiöser Mensch, als Frau, als Homosexueller – und es gibt noch viel zu tun, denn es gibt noch sehr viele Menschen bei uns, die eben noch kein richtiges Leben führen können, weil es eben Menschen wie dich gibt, die nicht mal wissen, was genau sie unterstützen und in „Namen Gottes“ verbreiten. Die schönsten Sätze aus der Bibel zitierst du, als gebe es nicht schöneres; Drumherum gibt es jedoch noch viel mehr – gerade diese Worte nehmen andere als Argument für ihre Taten, wenn sie andere Menschen abschlachten. Hierbei zählt nicht der Satz: „Es kommt immer darauf an, was Menschen daraus machen“ – unmißverständlich lesen Menschen die Bibel und Leben danach, weil sie denken, sie müssen es. Das ist die Frucht der kirchlichen Lehre – ja, auch deiner Lehre; und das gilt es zu bekämpfen – wenn nötig, sogar mit Bildung. So – und jetzt schnell viele Kinder machen. Gerade auf History-Channel gesehen, dass wir nicht mehr lange leben werden. Wäre doch schade, wenn beim Weltuntergang niemand zuschaut. Schließlich war bei der Schöpfung auch schon jemand anwesend und hat sogar für reichlich Bier gesorgt. Liebe Lena – nenne deine Familie dann bitte „Sumerer“, dass passt dann alles wie Arsch auf Eimer! Du wirst sehen, je mehr Bildung im Lande war, desto mehr Lacher gibt es, wenn die Menschen ins Gras beißen.

  • So wird das mit den Humanisten nie etwas. Natürlich brauchen wir aktuell die christlichen Kirchen mehr denn je, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Das Produkt des Christentums war weniger der Glaube an Gott, sondern eine evolutionär stabile Ethik, die für eine kulturelle Weiterentwicklung sorgte. Dafür wurden Verhaltensregeln empfohlen/befohlen, das Geschlechterverhältnis geregelt und ein bestimmtes Geburtenverhalten auferlegt: Seid fruchtbar!
    Vieles von dem, was die Christen in den Bereichen ausgearbeitet haben, ist heute so nicht mehr anwendbar. Beispielsweise brauchen moderne Gesellschaften bei niedriger Sterblichkeit auch viel niedrigere Geburtenraten als früher. Demgemäß ist heute Familienplanung zwingend erforderlich.
    Dennoch: Die Kirchen sind zwar gegen die Evolutionstheorie, sie haben aber mit ihren Ethiken dafür gesorgt, dass Gesellschaften evolvieren konnten. Deshalb haben sie sich durchgesetzt und z. B. wie das Christentum über 2.000 Jahre halten können.
    Die Humanisten haben dem intellektuell und konzeptionell nichts entgegenzusetzen. Sie predigen aktuell nicht nur die Gleichberechtigung der Geschlechter (was okay ist), sondern viel mehr deren Gleichheit. Die Devise lautet: Alle Frauen und Männer sollten möglichst viel Bildung und Wissen erlangen und einem Beruf nachgehen. Wenn sie Kinder haben, teilen sich Männer und Frauen die Familienarbeit.
    Leider steht das im völligen Widerspruch zur Evolutionstheorie. Das Problem der Humanisten ist: Sie sind zwar angeblich von der Evolutionstheorie überzeugt, vertreten aber Ethiken, die antievolutionär sind. Sie sind deshalb die eigentlichen Feinde Darwins.
    Die Auswirkungen sind längst spürbar: Gut ausgebildete Menschen mit Beruf bekommen besonders wenige Kinder, gering gebildete, arbeitslose Menschen dafür ein paar mehr. Die Folge: Armut, Unbildung und Arbeitslosigkeit nehmen zu. Der Grund: Man hat die Evolutionstheorie nicht verstanden. Stattdessen zieht man über die angeblichen Feinde der Evolutionstheorie her, die aber über 2.000 lange Jahre bewiesen haben, dass sie deren Prinzipien verstanden haben.
    Beim Evolutionsprinzip geht es u. a. um Generationengerechtigkeit: Die Kompetenzen der aktuellen Generation müssen an die Folgegeneration weitergegeben werden, damit die es nicht schlechter haben. In der Natur sorgt dafür das Prinzip der natürlichen Selektion: Diejenigen, die mit der aktuellen Umwelt besonders gut klarkommen, hinterlassen besonders viele Nachkommen. Also bleiben besonders gute Lebensraumkompetenzen besonders gut erhalten.
    Die Humanisten meinen nun aber, man könne das beim Menschen alles ignorieren. Kulturen könnten angeblich selbst dann evolvieren, wenn man sich konträr zur natürlichen Selektion verhält. Das ist natürlich völliger Unsinn.
    Der christliche Glaube hat auch immer dafür gesorgt, dass sich die Menschen nicht hemmungslos selbst verwirklichen, sondern auch sozial wichtige Aufgaben wahrnehmen. Dazu zählte u.a das Aufziehen von Kindern, d.h. die Investitionen in die Zukunft. Die Humanisten meinen nun aber, man bräuchte das alles nicht. Man könnte auf den Glauben an Gott verzichten bzw. diesen durch einen Glauben an die Wissenschaften ersetzen, ein individualistisches Leben führen, statt Kinder großzuziehen 3x im Jahr in Urlaub fliegen und ansonsten auf ganz furchtbar schlau machen.
    Sie sind aktuell die eigentlichen Gegner der Evolutionstheorie.

  • Siegbert Kistler

    @ Reinhard Moysich
    Sie sind sich offenbar nicht bewusst, dass der Anspruch auf letztlich alleinige Wahrheit das Fundament des jeweiligen Glaubens ist.
    Eine Aufgabe dieses Alleinvertretungsanspruchs käme der Auflösung des Glaubens gleich. Bei aller noch so gut gemeinten Nächstenliebe und Toleranz darf man nicht übersehen, dass es die Grundüberzeugung eines Gläubigen ist, das Gute in seinem Glauben zu haben.
    Andere Glaubensströmungen oder auch andere Religionen mögen da (aus Sicht des Gläubigen) durchaus vieles auch richtig erkennen, aber letztlich wird keine Alternative zum jeweiligen Aberglauben gesehen, z. B. zum Erlösungswerk Christi.
    Wenn nämlich humanistische Werte als über dem Aberglauben stehend erkannt werden würden, dann haben Sie recht damit, dass es dann so sein müsste und so werden würde, dass diese Werte nicht mehr dem jeweiligen Glauben zugeschlagen würden. Es würde dann aber der Aberglaube als solcher erkannt, und der Glaube selbst würde obsolet.
    Die dadurch entstehende plötzliche vermeintliche Unsicherheit verhindert wohl diese Einsicht.
    Dass viele Menschen meinen, die freiheitlich-demokratischen Werte unserer Gesellschaft kämen aus dem Christentum, spiegelt genau diesen Sachverhalt wieder.
    Es ist nicht so, dass man, wenn man einen Glauben hat, aus diesem heraus eine tatsächlich humane Einstellung entwickeln könnte, ohne den Glauben aufzugeben, sondern ZUERST streben die Menschen nach dem Guten und meinen DANN, es fände sich im Ganzen nur in diesem oder (ausschließlich) jenem Glauben, meist eben in dem Glauben, in dem sie aufgewachsen sind.
    Diese Vermischung oder gar Identifizierung von humanen Werten und persönlichen Erfahrungen mit Aberglauben macht es neben den Immunisierungen oft auch so schwierig, den (Aber)Glauben zu packen.

  • Weltanschauliche Partnerschaft!

    Bisher habe ich zum Kirchentag folgende Gedanken und Wünsche:

    Damit mehr von der so sehr gewünschten Gemeinsamkeit entstehen kann, ist es unerlässlich, im Sinne der christlichen Nächstenliebe wirkliche Partnerschaft zu praktizieren, was praktisch bedeutet:
    1. Die katholische Kirche muss ihre arrogante Meinung zurückziehen, dass die evangelische Kirche eigentlich gar keine richtige Kirche sei – und sich aufrichtig für diese Diskriminierung entschuldigen!
    2. Die sicher sehr wünschenswerte Integration und Gemeinsamkeit mit dem Islam ist nur möglich, wenn Christentum und Islam auf ihrem extrem unpartnerschaftlichen Absolutheitsanspruch verzichten, jeweils die allein wahre und gültige Religion zu sein und als solche anerkannt zu werden.
    3. Die Forderung, in Zukunft statt “Christi Himmelfahrt” einen ökumenischen “Schöpfungstag” zu feiern, schließt die sehr vielen Menschen aus, die nicht an eine Schöpfung glauben. Daher ist es partnerschaftlich notwendig, einen weltanschauungsneutralen und wissenschaftlich fundierten “Tag der Evolution” zu schaffen, den alle(!) Menschen gemeinsam feiern können.

    Alle Menschen sollten sich gegenseitig in ihrer Suche nach Sinn auf gleicher Augenhöhe treffen und anerkennen:
    Katholiken und Protestanten, Christen und Muslime, religiöse wie nichtreligiöse Menschen!

  • Ich stelle mir grad den medialen Aufschrei vor, wenn Grandmasta Köhler ein Scientologe wäre. Und wenn er die Lüge verbreiten würde, dass Pressefreiheit, Gleichberechtigung und Toleranz scientologische Werte wären.

    Sind sie nicht.

    Christlich sind diese Werte aber ebensowenig.

    Nur darf man hierzulande ungestraft vergessen, dass alle geltenden Freiheiten mit viel Blut und Toten GEGEN sämtliche Kirchen durchgesetzt werden mussten.

    Für Holocaust-Leugnen kriegt man eins auf den Deckel. Für Inquisition-Nicht-Erwähnen kriegt man Applaus. Pfui!

  • Artikel und Kommentar sprechen mir aus dem Herzen. Leider befürchte ich jedoch, dass unsere Kritik an den Äußerungen von Horst Köhler außerhalb “humanistischer” Kreise kaum wahrgenommen wird. Die meisten Personen in meinem Bekanntenkreis, die ich auf das Interview ansprach, stellten – so sie überhaupt davon gehört hatten – die darin vertretenen Positionen nicht in Frage.
    Auf der Website des Bundespräsidenten gibt es ein Gästebuch, in dem Bundesbürger sich mit Kommentaren direkt an ihn wenden können. Wenn sich hier eine ganze Reihe einschlägiger kritischer Kommentare ansammeln würden, könnte dies zumindest ein Denkanstoss für Horst Köhler sein.

  • uwe mueller

    Interessant wirds beim Amtseid des Bundespräsidenten. In der Bibel steht ihr sollt nicht schwören. Vermutlich gibt es Bibeln für Politiker wo dieser Passus fehlt. Die Bundespräsidentedition quasi.

  • schwaadlappe

    Als ich diesen Bericht überflog fragte ich mich, welche Missionierung die großen Kirchen denn durchführen wollen. Etwa so wie Karl der Große der Andersgläubige mit dem Schwert bekehrte? Wenn sich eine Missionierung auf die Bibel beziehen sollte, inwiefern sind diese Kirchen nach zwei Weltkriegen, nach Millionen von Abtreibungen, nach Unterdrückung und Verbreitung der Heiligen Schrift durch Wort und Tat überhaupt imstande etwas zu vermitteln, dass sie selber nie praktiziert haben?

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