
Florian Noack ist Vorsitzender der Jungen Humanistinnen und Humanisten - hier auf dem Bundestreffen 2009. Foto: privat
Florian Noack ist Vorsitzender der Jungen Humanistinnen und Humanisten in Deutschland (Bundes-JuHu), dem Bundesverband humanistischer Jugendverbände.
Dieser besteht zwar schon seit den 90er Jahren, nahm aber erst ab 2006 wieder aktiv die Arbeit als Bundesverband auf. Deutschlandweit zählen die Landesverbände insgesamt rund 3 500 junge Humanistinnen und Humanisten zu ihren Mitgliedern.
Der 27-Jährige studiert derzeit noch Politikwissenschaft und Soziologie in Dresden und würde nach dem Ende des Studiums gern in der politischen Jugendbildung arbeiten.
In seine Führungsrolle im JuHu-Bundesverband geriet Florian Noack Anfang Oktober 2008 “mehr oder weniger durch Zufall”. Ursprünglich kommt er aus Wildau in Brandenburg.

Florian Noack. Foto: privat
wissenrockt.de: Warum bekommt man so wenig von den JuHus mit?
Florian Noack: Wir sind als JuHus bundesweit noch nicht so gut aufgestellt, wie wir uns das wünschen. Es gibt verschiedene Jugendgruppen in den Bundesländern, aber nicht überall. Eine Hauptaufgabe der Bundes-JuHu ist deshalb auch, die vielen, bestehenden Gruppen wieder miteinander in Kontakt zu bringen und zu vernetzen, um knappe Ressourcen besser zu nutzen. Und durch die relativ geringe Zahl der Mitglieder und begrenzten Mittel bleibt es noch schwierig, uns öffentlichkeitswirksam auf Bundesebene bekannt zu machen. Aber dort wo es JuHu-Gruppen gibt, sind sie in der Öffentlichkeit sehr präsent. Die Aktivitäten und Angebote finden in erster Linie in den Ländern statt.
wissenrockt.de: Wo denn zum Beispiel?
Florian: Die Gruppen in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nürnberg sind sehr aktiv. Beispielsweise in Königs Wusterhausen, in der Nähe meines Heimatorts Wildau, passiert sehr viel. Der Humanistische Regionalverband Ostbrandenburg hat dort eine Jugendorganisation von derzeit etwa 50 Mitgliedern. Sie organisieren und führen die JugendFEIERN mit durch. Dann gibt es auch eine Kindertagesstätte, wo JuHus immer wieder Inhalte mitgestalten. Außerdem werden mit anderen sozialpädagogischen Einrichtungen der Stadt Gedenkstättenfahrten organisiert, an denen aktiv teilgenommen wird. Weiterhin gibt es, wie in allen JuHu-Verbänden, Angebote zur Ausbildung zum Jugendleiter oder zum Erwerb von Erste-Hilfe-Scheinen. Schließlich gibt es natürlich auch sportliche Ereignisse, an denen die JuHus teilnehmen oder die sie auch ausrichten. Vor wenigen Wochen wurde eine Lesung mit anschließender Diskussion vorbereitet. Letztendlich gibt es noch die wöchentlichen JuHu-Abende, an denen Gäste aus der Politik oder Gesellschaft zur Diskussion eingeladen werden. Ähnliche oder weitere Angebote gibt es aber auch woanders, in Nürnberg zum Beispiel gibt es einen “Jugend-Turm”, einem richtigen Zuhause der Nürnberger JuHus in einem Turm der Stadtmauer.

"Was machen wir?" - Abstimmung! Foto: privat
wissenrockt.de: Ich habe auch von Bundes-JuHu-Treffen gelesen – einem Angebot, auf dass ich eher zufällig gestoßen bin. Warum wird das nicht mehr beworben?
Florian: Die finanziellen Mittel sind vielfach ziemlich beschränkt, so dass es Grenzen bei der Teilnehmerzahl gibt. Außerdem dient dieses Treffen in erster Linie der Begegnung von JuHus , die an solch einem Wochenende über gemeinsame Ideen und Perspektiven nachdenken. Hier treffen sich die ganz aktiven JuHus. Sicher wäre es jedoch wünschenswert, zusätzliche Treffen auch für andere interessierte Jugendliche zu öffnen.
wissenrockt.de: Worin siehst Du denn das Potential der JuHus?
Florian: Ich finde, dass es unheimlich viele engagierte und junge Menschen gibt, die sich sehr gern für Menschen und die Gesellschaft einsetzen und an ihrer Gestaltung mitwirken möchten. Zwar werden öffentliche Mittel gekürzt, die ein breitgefächertes inhaltliches Angebot immer schwieriger machen, aber das Interesse der Jugendlichen wird dadurch kaum geschmälert. Im Vordergrund stehen Gemeinschaft und Spaß, aber auch unsere thematischen Angebote, von denen ich eben gesprochen habe und bei denen wir uns mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen, kommen durch die tatkräftige Unterstützung der JuHus nicht zu kurz. Dass Jugend- und Erwachsenenverbände bei uns sehr eng miteinander verknüpft sind, wodurch sich die Jugendlichen aktiv ins Verbandsgeschehen einmischen können, empfinde ich als einen weiteren wichtigen Punkt.
wissenrockt.de: Da gibt es doch genug andere Jugendorganisation.
Florian: Wir machen Jugendarbeit zunächst unabhängig von Weltanschauungen für alle Jugendlichen. Aber trotzdem steckt bei uns eine ganz eigene Position drin, zum Beispiel bei Fragen des gemeinsamen Umgangs, der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen oder auch wie wir nach außen aktiv werden. Es entwickelt sich natürlich in erster Linie jeder eine persönliche Haltung, aber wir gehen doch alle von einem humanistischen Selbstverständnis aus. Das differenziert uns von anderen Organisationen, denn für uns ergeben sich aus unserer gemeinsamen, humanistischen Position wichtige Werte und klare Begründungen. Dass diese sich bewusst von menschlichen und weltlichen Bezugspunkten ableiten, sehe ich als klaren Unterschied zu vielen anderen Organisationen.

Juhu-Treffen: Spiele am Nachmittag. Foto: privat
wissenrockt.de: Wie wirkt ihr denn ansonsten in die Gesellschaft hinein?
Florian: Als Bundes-JuHu noch deutlich zu wenig, da wir als Dachorganisation für die Koordination und Zusammenarbeit der Verbände in den Ländern, als auch als deren Interessenvertretung auf Bundesebene, fungieren. Aber von den JuHu-Landesorganisationen aus gibt es spezielle Angebote, wie Demokratie-Camps, Diskussionsrunden oder beispielsweise auch die aktive Beteiligung bei der Pro-Ethik-Kampagne in Berlin. Daneben unterstützen wir nach Möglichkeit auch aufklärerische Angebote, wie den turmdersinne in Nürnberg, wo JuHus Führungen machen und damit Öffentlichkeitswirksamkeit erzeugen. Wir sind natürlich auch bei öffentlichen Ereignissen präsent, wie Stadtfesten oder anderen Anlässen.
wissenrockt.de: Gibt es denn eine Unterstützung durch den HVD?
Florian: Ja, aber sie ist nur dort stark, wo starke Landes- bzw. Regionalverbände existieren. Wir erfahren von diesen und auch dem Bundesverband viel Wertschätzung für unsere Arbeit, welche gerade in den letzten Jahren gestiegen ist und sich hoffentlich so fortsetzen wird. Es gab in dieser Zeit eine deutliche Annäherung zwischen Jugend- und Erwachsenenebene, was eine sehr positive Entwicklung ist. Aber auch hier könnte die Unterstützung intensiviert werden, zum Beispiel durch die Schaffung hauptamtlicher Stellen. Dazu muss das Thema Jugend- und Jugendverbandsarbeit eine größere Rolle in den Köpfen der Verantwortlichen spielen. Ehrenamtliches Engagement ist zwar unverzichtbar, aber durch die Schaffung fester Stellen wäre viel mehr machbar. Besonders auch für Bundes-JuHu, weil sich unser Arbeitspensum seit 2007 stark erhöht hat. Da wäre nun eine bessere finanzielle Ausstattung wichtig, um eine Stelle zu schaffen, von der aus wir uns stärker zum Beispiel mit der Förderung durch öffentliche Mittel befassen könnten.

Gemeinsam lachen, gemeinsam tanzen. Foto: privat
wissenrockt.de: Wie sieht denn da mit der Förderung aus, gibt es Unterstützung?
Florian: Etwas, und vor allem in den Regionen und Ländern. Trotzdem ist die Unterstützung seitens öffentlicher Stellen für die Jugend- und Jugendsozialarbeit drastisch zurückgegangen, obwohl ich hier vor allem nur für die Brandenburger Seite sprechen kann. Und gerade da ist es schwierig, sich ehrenamtlich mit der komplexen und langwierigen Bürokratie auseinanderzusetzen. Das betrifft sowohl die Akquise von finanziellen Mitteln wie auch alle anderen Anliegen. Auch deshalb trauen sich einige Regionen nicht, eine eigene Jugendarbeit aufzunehmen. Es ist ehrenamtlich kaum machbar. Man braucht einfach einen ständigen Ansprechpartner, einen Macher, der Vorort präsent ist, und sich aus dieser hauptamtlichen Stellung intensiv und kontinuierlich mit der Materie beschäftigt. Dieses Verständnis und das Know-How ist in einigen Regionen vorhanden. Wir müssen daher noch intensiver mit allen HVD-Verbänden zusammenarbeiten.

Abschlussfoto einer JugendFEIER 2009. Foto: privat
wissenrockt.de: Wenn du in Hinsicht auf deine Arbeit hier einen Wunsch frei hättest…?
Florian: Ich würde gern meine Aufgaben und Ziele wirklich realisieren können. Das heißt, die Bundes-JuHus nach außen präsent und aktiv sein zu lassen. Außerdem wünsche ich mir eine solide Grundfinanzierung, um Projekte wirklich realisieren zu können. Intern wären endlich eine starke Vernetzung aller Organisationen und ein aktiver Austausch wichtig. Das alles geht aber am ehesten dann, wenn man hauptamtlich aktiv sein kann.
wissenrockt.de: Und wie bist du nun eigentlich zum HVD gekommen?
Florian: Zum 14. Geburtstag gab mir meine Mutter eine Infobroschüre zur JugendFEIER. Ich konnte damals nicht viel damit anfangen und bin dann in ein Wochenendcamp mitgefahren. Dort habe ich andere JuHus kennengelernt und fand das unheimlich spannend. So bin ich dann langsam hinein gewachsen.















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