Mach dir keine Sorgen: Obwohl der israelisch-arabische Konflikt schon etliche Jahrzehnte währt und hochkomplex ist, ist für den Berichterstatter kaum Grundwissen erforderlich. Es ist auch gar nicht nötig, den unwissenden Leser oder Zuschauer mit Fakten zu nerven und das ganz dicke Brett zu bohren. Ein simples Bild ist gefragt.
Und die Sache ist ganz einfach: Israel ist die stärkere Partei in diesem Konflikt (Bad Guy), die Palästinenser die Underdogs (Good Guy). Nach diesem Muster biegen wir die Ereignisse vor Ort zurecht. Du wirst sehen, es geht wie von selbst.
Vorbemerkung
Israel ist klein, gerade mal so groß wie Hessen, der Konflikt mit den Palästinensern im Vergleich zu anderen Kriegen lokal und eher begrenzt, auch von der Opferzahl her. Gerade mal zwei Tote pro Tag im Durchschnitt während der “Intifada”. Das soll uns aber nicht anfechten. Tu so, als wäre jeder scheele Blick eine Meldung wert. Und wenn im Darfur in drei Jahren 180.000 Menschen niedergemacht werden – ein Toter in Gaza, ein paar neue Häuser in einer Siedlung, eine Demo, täglich dargebracht, vermitteln unserer Kundschaft: Da vor allem geht es um die Wurst.
Die Leute glauben längst, dass der Kampf um Israel/Palästina der Konflikt unserer Zeit ist, und wir arbeiten daran, dass es so bleibt.
Für dich ist der Job ideal: Du wohnst in Tel Aviv, kannst tagsüber im Mittelmeer baden und abends bequem in deinem Lieblings-Pub ein Bierchen zischen. Wenn du ein bisschen Action haben willst, brauchst du nur 15 km nach Osten zu fahren. So einen Konfliktherd findest du kein zweites Mal.
Fakten
Geh sparsam mit Fakten und bestätigten Meldungen um. Saftige Gerüchte und vorschnelle Anschuldigungen sind viel aufregender. Erinnere dich an Muhammed al-Dura. Oder an das “Massaker von Jenin”. Heiko Flottau hat damals geschlagene zwei Wochen lang in der SZ sehr farbenfrohe Schauergeschichten von “500 Toten” gebracht, von Männern, die auf der Erde nebeneinander gelegt von Panzern überrollt wurden etc. In solchen Fällen setzt du die Glaubwürdigkeit deiner Gewährsleute einfach voraus. Entpuppt sich die Geschichte hinterher als grandiose Ente, ist das kein Drama. Eine Entschuldigung wird dein Blatt / dein Sender ohnehin nicht bringen. Oder du setzt wie Flottau einen drauf und machst dich am Ende noch über den “Fehlschlag” der israelischen Armee lustig, die eben doch nur zwei Dutzend Terroristen erwischt hat.
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MACHT bedeutet RECHT
Die Logik der Gewalt und der Herrschaft ist im Mittleren Osten das angestrebte Prinzip. Eine Eiserne Faust der Sicherheitsorgane erzeugt seit Jahrzehnten einschneidende Ereignisse und schicksalsschwere Wechsel. Tatsache ist, eine solche Logik zementiert ein Verhältnis der Mächtigen und der Ohnmächtigen, der Sieger und der Besiegten. Diese offenbar ewig gültige Formel wirkt nun in Palästina zwischen dem übermächtigen Israel und den unter der israelischen Unterdrückung leidenden Palästinensern. Oder anders herum: „Zwischen dem palästinensischen David und dem Israelischen Goliath.“
Alle Versuche, Israel zur Vernunft zu bringen, scheiterten am Fels israelischer Kompromisslosigkeit und Verschleppungstaktik. Unterstützt durch den Einfluss einer offensichtlich übermächtigen Israel-Lobby im US-Kongress, im Senat und der Regierung, kann sich Israel natürlich jede Art an Manipulation und hinterlistiger Erpressung US-amerikanischer Entscheidungsträger erlauben. Das dient hervorragend der eigenen aggressiven und expansionistischen Politik. Israel beeinflusst/erpresst die Medien, um Israel vor Kritik abzuschirmen und jede Beendigung des längsten Konflikts seit dem 2.Weltkrieg unwirksam zu machen, wenn nicht gar im Ansatz zu verhindern. Schon im Ost/West-Konflikt wurde (bis heute) der „Zusammenprall der Zivilisationen“ beschworen, um Israel als den Fels des Westens im feindlichen islamischen Mittleren Osten zu präsentieren. All diese Manöver werden jetzt wieder gebraucht, um Israels Zugriff auf den Rest des palästinensischen Landes in der Westbank – der eigentlich für einen zukünftigen Palästinenserstaat vorgesehen ist – zu sichern. Um dieses Ziel zu erreichen benötigt Israel eine gewaltige Armee, die stärkste im Mittleren Osten, mit der sie die Hoffnung der Palästinenser auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit unterdrücken kann. Die israelischen Gefängnisse werden mit Palästinensern voll gestopft, hunderte und tausende Palästinenser wurden vertrieben und ausgewiesen, Tausende unschuldiger Zivilisten wurden (und werden) von einer mordlustigen israelischen Kriegsmaschine ermordet. Zuletzt erst wieder während der so genannten „Cast Lead“ (geschmolzenes Blei) Operation im Gaza-Krieg von 2008/09. Die Medien Israels und die von Israel gekauften internationalen Medien begleiten wohlwollend den Landraub (Konfiszierung heißt das dann) und den Bau jüdischer Siedlungen auf palästinensischem Land. Als einzigartiges Zeugnis in der Weltgeschichte zerteilte Israel die besetzten Gebiete in Zonen (A, B, C) und behielt sich die Entscheidung vor, in welcher Zone wie viele neue Siedlungen gebaut werden können. In der Zone C – die „eigenartigerweise“ 65% der besetzten Westbank ausmacht – nimmt sich Israel jedes Recht für Neubauten heraus. All das wird durch den riesigen Einfluss der Siedlerorganisationen möglich, die aktuell mit über einer halben Million illegaler Kolonisten auf geraubtem palästinensischem Land siedeln. Bewaffnete jüdische Siedler, getrieben von messianischen/biblischen Träumen, stellen den größten Teil der extremistischen zionistischen Siedlerorganisationen. Sie werden natürlich von der Rechts-Regierung gebraucht, wie auch von den Regierungen vor der jetzigen, um Israels expansionistische Pläne voranzutreiben. Milliarden US $ aus Steuergroschen der USA wurden gespendet, um dieses Kriegsmonster zu füttern und um eine gewissenhafte Durchführung von Resolutionen der UN zum Palästina-Konflikt von vorne herein unnötig werden zu lassen. Extremistische Siedler erfreuen sich der vollen Unterstützung durch die israelische Besatzungsarmee (auch wenn die mal einen Container abreißen) und durch den Bau von Zubringerstraßen, die nur für Israelis zu benutzen sind. Eine funktionierende Infrastruktur und einen bevorzugten Verbrauch der Wasservorräte der Westbank gehören selbstverständlich dazu.
Diese extremistischen Siedler werden von noch extremistischeren Rabbis angeführt, die als geistliche Führer während der Angriffe auf die Palästinenser und deren Eigentum dienen und in Vorbereitung der Übergriffe, z.B. auf Olivenhaine und Viehherden, bei Einbrüchen in Wohnhäuser und Moscheen, während der antiislamischen Sprühaktionen in den Moscheen und Schulen im Sinne des „auserwählten Volkes“ wirken. Vor 2 Tagen griffen solche Siedler im Ort Sheikh Jarrah in Ostjerusalem eine israelisch-palästinensische und internationale Demonstration direkt an und brüllten ihre islamfeindlichen Parolen. Alles im Angesicht der Polizei, die natürlich auf die friedlichen Demonstranten gegen den erwähnten Landraub und die Hauszerstörungen , verbunden mit weiter fortschreitenden ethnischen Säuberungen in den besetzten Gebieten, achten musste. Man stelle sich einfach mal vor, ein muslimischer Demonstrant würde eine Synagoge bemalen (entweihen) oder einen der zahlreichen jüdischen Propheten (die zumeist auch im Islam vorkommen) schmähen!
Ungeachtet aller Verurteilungen Israels und seiner extremistischen Siedler steht die internationale Gemeinschaft – allen voran die USA – diesen Verbrechen gegen jedes internationale Recht mal mehr, mal weniger schweigend gegenüber. Trotz des Drucks von außen glauben die zionistischen Führer, dass sie stark genug sind, um den Palästinensern alles an Bosheiten zumuten zu können.
Totalitäre Regimes nutzten immer eine starke Hand und eiserne Fäuste für ihre Politik, um ihren Willen schwächeren Nationen aufzuzwingen. Ausgehend von ihrer militärischen Übermacht optieren sie immer für die Formel, nach der Macht auch Recht bedeutet.
Geblendet von ihrer Arroganz der Macht glauben sie, dass sie ewige Unverwundbarkeit besitzen. Aber gerade unverstellte historische Rückblicke geben Beispiele von Aufstieg und Fall despotischer und diktatorischer Mächte durch alle Jahrhunderte! Alle diese Mächte basierten auf einem Glauben an Einzigartigkeit – oft noch, wie im Fall Israels religiös untermauert – und Überlegenheit gegenüber anderen. Der Untergang war vorprogrammiert!
Solche Regimes müssen sich ändern. Entweder durch Demokratisierung – wie das Apartheidregime in Süd-Afrika – oder durch ernsthafte Änderung ihrer Machtansprüche.
Denen, die bei der Nennung Israels “religiös” werden sei gesagt: Menschenrechte sind nicht teilbar! Gerade wenn mit der Bibel (oder anderen Märchenbüchern) Landraub und enthnische Säuberungen gerechtfertigt werden, sollten wir genau hinschauen! Auch Atheisten – oder bei Israel nicht ?!