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"Immer baden es die Christen aus"

Weihwasser, Bibel, Kruzifix und Rosenkranz in der "Prayerbox". Der Referent meint: "Wir missionieren nicht." Foto: A. Platzek

“Der Islam ist in der Grundausrichtung aggressiver”, sagt André Stiefenhofer. Der Pressereferent der Organisation “Kirche in Not”, einem katholischen Hilfswerk “päpstlichen Rechts”, blickt in die aufmerksamen Augenpaare der 25 Gäste, die in dem etwa sechs mal sechs Meter großen Raum der katholischen Studentengemeinde Greifswald auf Sofas Platz genommen haben.

Die Besucherschar ist durchmischt, Menschen jedes Alters zwischen 20 und 70 Jahren scheinen anwesend zu sein. Den Gemeindemitgliedern, darunter genauso viele werktätige Einwohner wie Studierende, erklärt Stiefenhofer die Lage der verfolgten Christen weltweit. Er betont: “Ich kann nur sagen, was ich weiß.” Vor Ort sei er noch nie gewesen.

Christ zu sein, das stellt sich später heraus, kann in den Augen Stiefenhofers aber nicht jedem bibeltreuen Gläubigen zugesprochen werden. Den wahren Glauben verkörpern in seinen Augen nicht Evangelikale oder Protestanten.

Wahre Christen sind Menschen römisch-katholischen Glaubens. Das wird klar, als er auf die Lage der Christen in Nordkorea und die Missionsbestrebungen evangelikaler Mitglieder der us-amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan und anderen Ländern angesprochen wird.

Ja, sie seien auch irgendwie Christen, gesteht er ein. Sich mit ihnen zu identifizieren fällt ihm aber offensichtlich schwer. Ihre Mission als Konfliktauslöser festzustellen, auch.

Der Vortrag, den Stiefenhofer heute nicht zum ersten Mal hält, ist technisch up-to-date. An eine Leinwand wird mittels eines Beamers eine wandfüllende Darstellung projiziert, die auch ältere Gemeindemitglieder ohne Sehhilfe erkennen könnten. Sogar ein Bier findet auf Wunsch Platz bei den Besuchern.

Was zählt, ist die Anwesenheit und einfühlendes Verständnis für die bedrohten Geschwister im Geiste. Denn es ist wahr: an vielen Orten der Welt werden Menschen christlichen Glaubens auf offener Straße ermordet, als ob es ein gewöhnliches und alltägliches Handwerk wäre.

Familien werden bedroht, erpresst, ihre Häuser niedergebrannt und längst nicht immer alle Betroffenen können ihr Leben vor der Verfolgung retten. Gerade in Pakistan, Indien oder auch dem Irak. Die Zahl der Christen im dem besetzen Land anno Saddam Hussein hat sich um 80 Prozent reduziert. “Die Christen sind zwischen alle Fronten geraten”, erklärt Stiefenhöfer den Anwesenden.

Den Anfang seines Vortrages macht eine Projektion der Weltkarte. Drei Kategorien der Verfolgung hat der Vortrag vorgesehen: politisch, religiös, gesellschaftlich. Zu den Staaten, in den Christen politisch verfolgt werden, zählt “Kirche in Not”: China, Venezuela, Bolivien und Kuba. In China sei der Atheismus Staatsform, erklärt André Stiefenhöfer.

Auch die anderen teils neosozialistischen Systeme seien atheistisch und würden Christen in irgendeiner Art und Weise verfolgen. Obwohl es in Kuba besser geworden sei, ist in Bolivien eine Verschlechterung der Lage eingetreten. Der Staat beanspruche nun vielfach die Eigentumsrechte katholischer Gemeinden.

Als Stiefenhofer gefragt wird, ob nicht auch Sozialismus und Kommunismus religiöse Regimes seien, wirft ihn das für einen Augenblick aus der Bahn. Er laviert um die ungewohnte Idee herum und erklärt, dass es ähnliche Thesen gäbe. Ältere Gemeindemitglied zeigen eine ambitiontiert krausgezogene Stirn, Widerspruch ist ihnen aufs Gesicht geschrieben. Sie schweigen, eine eigene Meinung findet Stiefenhofer währenddessen nicht.

“Kirche in Not bietet nur pastorale Hilfe”, erklärt er stattdessen. “Das bedeutet, wir bauen keine Brunnen, wir bieten nicht vorrangig humanitäre Hilfe. Wir unterstützen vielmehr in erster Linie den Bau von Kirchen und die Pfarrer, die für ihren Unterhalt nicht sorgen können. Auch die Verbreitung religiöser Literatur ist für uns eine wichtige Aufgabe.”

Als Stiefenhofer gefragt wird, inwiefern die intensiven Missionsversuche von Christen der Grund für die Verfolgung von Christen sein können, verweist er auf eine “verfälschende Darstellung der Medien” im Zusammenhang mit den toten Bibelschülerinnen im Jemen 2009. Die Kirche missioniere nicht, erklärt er. Er meint, die mediale Darstellung zu den toten Bibelschülerinnen sei falsch gewesen.

Aber er gesteht aber ein, dass er durchaus von den evangelikalen Missionsversuchen anderer Gruppen wüsste. Kirche in Not jedenfalls missioniere nicht. Die Organisation baue lediglich Kirchen, unterstütze Pastoren und sei höchstens sekundär humanitär aktiv.

Wenn die Menschen vor Ort zum Christentum fänden, sei dass nur ein Ergebnis gelebter Gottesnähe durch ihre ortsansässigen Vertreter. Er unterstreicht: Kirche in Not bietet nur pastorale Hilfe, aber keine Mission.

Klar ist nach seinem Vortrag, dass sich die Lage der Christen nach dem 11. September 2001 weltweit verschlechtert hat. “Jahrhundertelang haben Christen und Muslime friedlich nebeneinander gelebt”, so Stiefenhofer. Schlimm sei es danach geworden.

Er berichtet von Flüchtlingen in Nigeria, die mit Hilfe von saudi-arabischen Einflüssen gegen Christen religiös radikalisiert mobil gemacht worden wären und er unterstreicht: “Die Angriffe richten sich gegen Christen, Bildungseinrichtungen und Kirchen.”

Gerade letzteres sei für die Menschen in Nigeria eins, meint er, denn ledigliche die Kirche baue dort Schulen. Und weil die Kirche dort auch Kirchen baue, sei beides ein Ziel muslimischer Angriffe seit 2009. Stiefenhofer: “Denn der Islam ist in seiner Grundausrichtung aggressiver.”

“Immer wenn irgendetwas gegen den Islam gerichtet wird, baden es die Christen aus”, meint er. Die Mehrheit der islamischen Menschheit sähe in den Aktivitäten der westlichen Welt lediglich Eroberungsziele, militärisch wie kulturell. So sei es klar, dass bei all den Aktivitäten westlicher Staaten vielfach auch das Christentum in die Schusslinie gerate.

Er berichtet von einem Vater in Pakistan, der das Kind des christlichen Nachbarn nicht leiden mochte. Als dieser das Kind bezichtigte, einen Koran zerrissen zu haben, sei das Haus der Christen von der aufgebrachten Bevölkerung niedergebrannt und mancher umgebracht worden.

Christen würden auch im asiatischen Raum verfolgt, als abgelenkter Hass von Tibetanern gegenüber chinesischen Maoisten. Schuld an medialer Thematisierung ist die pro-tibetanische Lobby hierzulande. Es gäbe auch Verfolgung aufgrund christlicher Fürsorge für die “Unberührbaren” in Indien.

Stiefenhofer glaubt: “Immer wenn Christenverfolgung auftritt ist das ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.” Was nicht stimmt, erklärt er nicht.

Ob das alles denn explizit ein Problem verfolgter Christen wäre, wird er gefragt. Er wackelt unverständig mit dem Kopf. Ob Christenverfolgung nicht vielmehr ein klares Problem von mangelnder Durchsetzung und Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte weltweit sei, will er so nicht eindeutig bestätigen.

Zweifelsohne eine ungewohnte Frage, Stiefenhofer ist unter Druck. Ungewiss bekennt er sich aber lieber nicht klar zu der angeführten Erklärungen der allgemeinen Menschenrechte. Ja, es habe auch was mit Menschenrechten zu tun, bestätigt er trotzdem.

Gezeigt wird abschließend auch ein Film, in dem Familienschicksale aufgrund religiöser Verfolgung dargestellt werden. Wenige Anwesende können sich der herzzerreissenden Darstellung entziehen. Denn sie ist von hundertfachem Leid, gewalttätiger Verfolgung und Tod geprägt.

Vorgeführt wird irgendwann der Sohn eines christlichen Geschäftsmannes im islamisch dominierten Raum, der Vater schildert ausführlich die Bedrohungen aufgrund ihrer christlichen Konfession. In den Hinterkopf des Sohnes ist kunstvoll ein christliches Kreuz einrasiert.

Noch höchstens 300.000 von den ursprünglich 1,5 Millionen Christen sind heute im Irak. Stiefenhofer berichtet von christlichen Familien, die gezwungen wurden, für ihre Flucht pro Person 10.000 US-Dollar bereitzustellen. Zehntausende seien im Laufe der Jahre getötet worden.

Er weiß: “Manche finden trotz hoher Bezahlung nur über Irrwege in friedliche Gebiete. Und die verbliebenen 300.000 Christen sind noch dort, weil sie sich diese teure Flucht nicht leisten können.” Aber es sei auch ein Glück, dass sie noch da wären, stellt er mit ermutigendem Tonfall fest.

Denn sonst wäre der christliche Glaube dort ja gänzlich verschwunden. Keine Erschütterung füllt den Raum in diesem Augenblick.

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Diskussion - Bisher 3 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Interessanter Artikel, leider mit vielen falschen Zitaten. Auf meinem Vortrag gestern klangen Ihre Fragen ernsthaft interessiert – schade, dass Sie meine Antworten hier so verzerrt wiedergeben. Gerne hätte ich Ihnen meine Kontaktdaten gegeben, damit Sie sich der Zitate rückversichern. Aber so muss ich hier feststellen, dass Sie falsche Tatsachenbehauptungen verbreiten und Sachverhalte bewusst verzerrt darstellen. Ich distanziere mich von Ihrer Darstellung meines Vortrages und nutze hier die Gelegenheit, zumindest Ihre gröbsten Falschzitate richtigzustellen.

    1. Ich habe nie gesagt, dass “Kirche in Not” nicht missioniert – im Gegenteil: Ich habe deutlich formuliert: “Kirche in Not” unterstützt die Mission. Wozu hätte ich sonst die Prayerboxen mitgebracht? Ich habe aber darauf hingewiesen, dass wir durch Vorbild missionieren – niemals mit Druck oder Gewalt. Wir haben eine frohe Botschaft – und die erzählen wir weiter.

    2. Meine Statement zu den evangelikalen Christen (“Ja, sie sind irgendwie auch Christen”) haben Sie frei erfunden. Meine Frau gehört selbst einer evangelikalen Gemeinschaft an, daher wäre es wohl recht seltsam, wenn ich sie “irgendwie auch als Christin” bezeichnet hätte. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass ich das Verhalten mancher evangelikaler Gruppen nach dem Einmarsch der USA im Irak kritikwürdig finde.

    3. Meine eigene Meinung zu Ihrer Theorie, dass kommunistische und sozialistische Systeme religiöse Züge tragen, habe ich Ihnen deutlich dargelegt. Verzeihen Sie, dass ich auf Ihre Frage zunächst nachgefragt hatte, wie Sie sie meinen. Dies geschah aus Respekt, da ich nicht sicher war, ob ich sie richtig verstanden habe. Ich wiederhole meine Ansicht aber gerne: Ich würde sagen, alle autoritären und totalitären Systeme, darunter auch die kommunistischen und sozialistischen erheben den Anspruch der Totalität und unangefochtenen Autorität, daher sehen sie Religionen als Gegner, sofern sie sie nicht für eigene Zwecke instrumentalisieren können. Sie VERSUCHEN, eine Pseudoreligion für ihre Anhänger zu schaffen, scheitern dabei aber an der fehlenden Transzendenz. Ich habe außerdem klar formuliert, dass ich zum Beispiel den Kommunismus in der Sowjetunion aus christlicher Sicht eindeutig als “antigöttlich” bezeichnen würde. Nennen Sie das “lavieren”?

    4. Ich habe durchaus erklärt, was in einer Gesellschaft nicht stimmt, wenn Christen verfolgt werden: Der Staat ist nicht mehr in der Lage, seine Bürger zu schützen, darum sollte Gewalt gegen Christen, die in den meisten erwähnten Ländern eine Minderheit darstellen, immer aufhorchen lassen: Sie sind oft die ersten, die Gewalt zu spüren bekommen.

    Eine Frage hätte ich noch: Wenn Sie den Vortrag so offensichtlich fragwürdig fanden und Ihre Fragen für nicht beantwortet hielten, warum haben Sie dann nicht weiter nachgehakt? Ich habe jede Ihrer Fragen beantwortet und bin Ihnen auch nach der Veranstaltung noch zwei Stunden jedem zum Gespräch zur Verfügung gestanden, aber Sie sind so schnell wie möglich verschwunden. Das persönliche Gespräch hätte diesen polemischen Artikel denke ich deutlich sachlicher werden lassen. Ich bin ein Mensch, wissen Sie? Ein Mensch, der vielleicht eine andere Meinung als Sie vertritt. Aber ich bin nicht Ihr Feind.

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    Wir alle sind Menschen, und jeder hat irgendwo seine Gründe für seine persönliche Meinungen, Ansichten und Gefühle.
    Ich denke, es ist genau dann problematisch, wenn persönliche Meinungen in der Weise verfestigt werden, dass sie versuchen, sich gegen mögliche andere Interpretationen zu immunisieren und einen idealistischen Anspruch erheben. Wenn es Elemente in der persönlichen Weltsicht gibt, über die man nicht lachen darf. Wenn die eigenen Gefühle eine Weltinterpretation bejahen, die für alle zu gelten habe. Wenn also eine Geschmackssache die Interpretationshoheit besitzen soll.
    Das ist in Ideologien der Fall. Autoritäre und totalitäre politische Systeme vertreten Ideologien. Die Transzendenz von Religionen ist eine idealistische Sichtweise der Welt, die praktisch keine Elemente der materiellen Welt enthält, aber das ist auch schon alles, was Religionen grundsätzlich von anderen Ideologien unterscheidet. Alle Ideologien wollen das Beste.
    Wir alle sind Menschen, und vielleicht können wir uns darauf einigen, dass die Menschen menschlich leben können sollten. So wenig sich das anhört, so viel wäre doch schon gewonnen, wenn die Menschenrechte auch nur zu einem kleinen Teil für alle Menschen realisiert und garantiert werden könnten.
    Neben den Schwierigkeiten der materiellen Welt, denen wir einfach ausgesetzt sind (wie Minimierung der Folgen von Naturkatastrophen und Sicherung von Nahrungsversorgung, um nur etwas zu nennen), sind es ideologische Auseinandersetzungen, mit denen wir zu tun haben, und die uns zusätzlich das Leben schwer machen.
    Wenn wir verstehen, warum jemand es schlecht findet, wenn christliche Mission aktiv oder passiv stattfindet, oder warum jemand es schlecht findet, wenn Menschen nichts von der Liebe Gottes erfahren, dann können wir uns vielleicht mehr als Menschen mit der gleichen Sehnsucht nach Verringerung von Leid und das Gegenüber weniger als Repräsentanten der eigenen schlechten Gefühle wahrnehmen.
    Deshalb finde ich, dass es keine Alternative zum ständigen Infragestellen und Streben nach Wissen und Erfahrung gibt. Wissen rockt.
    Oder ist das auch eine Ideologie? Na hoffentlich mit einem guten Geschmack.

  •  

    Ja Servus,

    sehr interessant, dass jemandem wie André Stiefenhofer hier Raum gegeben wird, seine Positionen klarzumachen.

    Und das, obwohl “wissen rockt” den Ruf hat, “intellektuell fundierte” Islamkritik in Abgrenzung zu den immer weiter ins Radikale abdriftenden Hetzern von PI zu betreiben.

    Wie man sich doch täuschen kann:

    denn Herr Stiefenhofer veröffentlicht auch auf dem erwiesen rechtsradikalen und judenfeindlichen Blog “kreuz.net”, und zeigt sich nicht nur damit, sondern auch mit seinen eigenen Äusserungen als offener Antisemit.
    Was bei ihm ja auch passt, schliesslich jetzt er nicht nur gegen Juden, sondern auch gegen den Islam.

    Können wir uns jetzt aussuchen, ob

    - “Wissen rockt” in die gleiche fundamental-christliche Richtung drifet wie PI?
    - “Wissen rockt” nicht überblickt, wem sie Raum einräumen?

    Lesen Sie die Tiraden des Herrn Stiefenhofer einfach selbst:

    http://www.kreuz.net/article.13801.html

    So long

    Der Falke
    DerFalke.blogspot.com

 
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