
Ein Schülerzeitungsbeitrag machte den engagierten Rassismusgegner Hannes Grosch zur Zielscheibe evangelikaler Attacken.
“Das hat mein Fell bedeutend dicker gemacht”, resümiert Hannes Grosch. Er wurde angefeindet, mit Hassbriefen überschwemmt und musste sogar Morddrohungen über sich ergehen lassen. Ein kleiner Schülerzeitungsbeitrag war Ende 2008 Ausgangspunkt für einen bizarren Kreuzzug fundamentalistischer Christen.
Dieser setzte sich kritisch mit der evangelikalen Großveranstaltung Christival auseinander, die zuvor in Bremen stattgefunden hatte. Der Artikel mit dem Titel “Die evangelikalen Missionare” barg in rund 140 Zeilen religiösen und politischen Sprengstoff, nicht nur für den heute 20 Jahre alten Hannes Grosch.
Auch Thomas Krüger, der Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärte, “ich hab selten so einen organisierten Druck via Internet, Zeitung und über die politische Bande erlebt, wie in diesem Zusammenhang.”
Im Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk betont er: “Und ich war selten so überrascht, dass die liberale Öffentlichkeit das überhaupt nicht ernst genommen hat.” Was war der Hintergrund für diese kritischen Erklärungen des Direktors der bpb? Ein Beitrag in Q-Rage, einem Schülermagazin gegen Rassismus und Diskriminierung an Schulen. Krüger sah sich anschließend massiven Rücktrittsvorwürfen ausgesetzt und war gezwungen, sich von Teilen des Beitrages zu distanzieren.
Der damals 18-jährige Hannes Grosch war dabei nur einer von zwei Autoren eines Beitrags in der eine Million Exemplare starken Auflage der rassismuskritischen Q-Rage, unterstützt durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Eine europaweite Bewegung setzt sich seit rund zwanzig Jahren unter dem Titel Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage dafür ein, aktiv gegen Rassismus vorzugehen. Auch gegen christlichen, evangelikalen Rassismus. Das wurde Thomas Krüger und Hannes Grosch beinahe zum Verhängnis.
“Gott hat alle Menschen gleich an Rechten geschaffen”, beschreibt Hannes Grosch, der heute an der Hochschule Bremen Politikmanagement studiert und sich als Christ versteht, seine Position. “Ich erwarte, dass sich die evangelische Kirche hierzulande weiter öffnet. Auch für homosexuelle Menschen”, erklärt er gegenüber wissenrockt.de.
In dem Artikel der Schülerzeitung Q-Rage nahm er zweifelhafte Workshops des Christivals in Bremen unter die Lupe, die Homosexualität als heilbare Krankheit verstehen wollten. Auch gegen ein Abtreibungsrecht für Frauen propagierende Seminare des Christivals ließ Grosch einige kritische Stimmen zu Wort kommen.
“Die Weltsicht dieser Mensch ist von vorgestern”, zitierte er dort den damals 23-jährigen Tobias, der schließlich zum Christival meinte: “So wie ich das sehe, muss man doch erst sein Gehirn ausschalten, bevor man da mitmachen kann.”
Zuviel für Wolfgang Baake, Chef des christlichen Medienverbundes KEP und Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz im Deutschen Bundestag. Im NDR-Interview erklärte dieser, wie er Lesern hauseigener Medien Anleitungen gibt, um gegen kritische Beiträge mit öffentlichem Druck vorzugehen. So auch im Fall des Beitrags von Hannes Grosch.
“Der erste Beitrag kam etwa zwei bis drei Wochen nach Erscheinen der Ausgabe von Q-Rage beim Medienmagazin Pro“, erinnert sich Grosch. “Später tauchten meine Telefonnumer und Fotos von mir im Internet auf und es gab die ersten Beschimpfungen und Drohungen.”
Mit den folgenden drastischen Reaktion hätten die Redakteure nicht gerechnet, es gab eine Welle der Aggressivität seitens vieler Christen, nachdem weitere Medien von dem Schülerzeitungsartikel Wind bekommen hatten. In der Redaktion und in Groschs privatem Postfach gingen zahllose wütende Stellungnahmen ein, darunter auch Hinweise, dass “man aufpassen solle, was man in Zukunft tut.” An anderer Stelle hieß es: “Der Tag wird kommen, wo ihr alle hängen werdet.”

Hannes Grosch. Foto: privat
“Viele Werte sind einfach grundsätzlich menschlich und nicht christlich oder überhaupt von Religionen vereinnehmbar”, betont Hannes Grosch heute. Dass ein toleranter und aufgeklärter Umgang mit bestimmten Themen, anders als bei den evangelikalen Seminaren zur Homosexualität und Abtreibung in Deutschland, auch für gläubige Menschen möglich ist, hat er während seiner Zeit im Ausland erfahren:
“Ich war ein Jahr in South Dakota, USA. Die Kirche dort hat mir viel besser gefallen.” Die liberale “United Church of Christ” sei wesentlich toleranter im Umgang mit ihren Mitgliedern, schildert er seine Eindrücke. Auch seine Begegnungen mit Evangelikalen sieht er differenziert und betont, dass “nicht alle Evangelikalen so sind”, wie er es 2008 erfahren hat. Diskriminierende Haltungen gegenüber homosexuellen Menschen missbilligt er aber weiterhin.
Hierzulande engagiert Grosch sich seit den Erfahrungen mit seinem Q-Rage-Beitrag im SPD-Arbeitskreis „Lesben und Schwule in der SPD“ in Bremen. Außerdem ist er für die UN-Simulation OLMUN in Deutschland aktiv und Mentor seiner ehemaligen Schülervertretung. Als politisch interessierten Menschen sieht er sich seit seiner Jugend, schon zu Schulzeiten war er deshalb in der Schülervertretung aktiv.
Auch für die jahrelange Mitarbeit an der Q-Rage hätte ihn das sehr stark motiviert, erklärt er. In seiner zukünftigen Arbeit ist es ihm dabei wichtig, sich vor allem für menschliche Werte wie Toleranz und Selbstbestimmung zu engagieren. Zu seinen derzeitigen Favoriten unter den beruflichen Perspektiven meint er: “Am liebsten würde ich in den diplomatischen Dienst der Bundesrepublik eintreten.”
In seiner Zukunft kann er sich aber auch vorstellen, später als Parteipolitiker zu arbeiten, um aufgeklärte und liberale Positionen weiter durchzusetzen. Obwohl der Antrag zur Einführung eines gesetzlichen Feiertags für Frauen im SPD-dominierten Bremer Parlament scheiterte, beurteilt Grosch diese Initiative aufgeschlossen und meint: “An sich ist das eine gute Idee.”


















Na endlich bewirkt die Kritik aus der Öffentlichkeit, dass ein Bundespräsident, der für alle Bürger in einem säkularen Staat Präsident sein will, seine Mitgliedschaft in dem Kuratorium von dieser evangelikalen Organisation Pro Christ ruhen lässt. Konsequenter wäre gewesen, aus Pro Christ auszutreten und damit ein deutlicheres Zeichen zu setzen. Auf meiner Facebookseite vom 13 Juli hatte ich auch bereits auf diese Mitgliedschaft hingewiesen.
Wir sollten die Politiker, die wir wählen wollen, vorher auf deren Glaubensbekenntnis prüfen.
“Viele Werte sind einfach grundsätzlich menschlich und nicht christlich oder überhaupt von Religionen vereinnehmbar”. Das ist ein guter Ansatz. Aber was passiert: H. Grosch denkt nicht zu Ende wie viele andere Gläubige auch. Er kann die kindliche Indoktrination durch Kirche nicht mit seinem Verstand durchbrechen. Schade, ich setze dennoch weiter auf den Verstand.