
Bald auch in Fastfood-Restaurants ein Trend? Man bezahlt ein Produkt und erhält sieben Gaben Gottes kostenfrei dazu. Foto: privat
Dass immer bizarrere Missionierungspraktiken auch in Deutschland beheimatet sind, ist aufmerksamen Beobachtern schon seit geraumer Weile bekannt. Welche ungewöhnlichen Kanäle sendungsbewusste Christen mittlerweile aber für die Verkündigung von Gottes Wort entdeckt haben, überrascht sogar manch hartgesottenen Beobachter.
So kann auch ein ganz alltäglicher Ersatzteilkauf im Online-Versandhandel zu Kontakt mit Christen führen, die scheinbar keine Gelegenheit verstreichen lassen wollen, Menschen zur Annahme der strengen Führung durch ihren heiligen Vater überzeugen zu wollen. Jetzt konnte solch ein Fall dokumentiert werden.
“Phil. 3,12: Nicht das Gesetz, sondern Christus ist unsere Gerechtigkeit”, verkündet die Betreiberin des “ESD-EDV-Systemdienste im Haus Sonnenbring”, einem christlichen Hotel garni im baden-württembergischen Bad Wildbad schon auf der Startseite ihrer Homepage.
Wer bei ihr online PC-Ersatzteile ordert, erhält nicht nur das gewünschte Produkt, sondern gleich noch ein ganzes Willkommenspaket im Namen ihres allmächtigen Herren dazu. Wer die in der Rechnung angegebene Internetadresse besucht und das idyllische anmutende Foto Hotel garni “Sonnenbring” klickt, wird mit bizarren Filmen über Entrückungsphantasien konfrontiert.
Eine Bibel, Informationsbroschüren, eine selbstgebrannte DVD mit Filmen zur Mission für das christliche Gottesreich, Seminarkalender und mehr boten sich dem überraschten Käufer, der eigentlich nur einen neuen Notebooklüfter bestellen wollte. Aber die Wege des Herren aller Christen sind manchmal so unergründlich, dass man seinen Jüngern auch im kirchenfernen Nordosten Deutschlands, fast 1.000 Kilometer entfernt, nicht dauerhaft entkommen kann.
Hintergrund: Entrückungsphantasien und clevere Geschäftsideen
Mit Entrückungsphantasien und dem Glaube an eine Wiederkehr von Jesus Christus zu ihren Lebzeiten sind christliche Menschen in Mitteleuropa vielleicht noch in der Minderheit. In anderen Staaten mit deutlich mehr religiösen Menschen, wie zum Beispiel den USA, hat dieser Glaube jedoch eine Anhängerzahl, die geschätzte 20 bis 40 Millionen Menschen umfasst.
BusinessWeek berichtete Anfang Februar von dem glaubensfreien US-Amerikaner Bart Centre, einem Verkaufsleiter im Ruhestand. Der 61-Jährige betreibt eine Art Rettungsunternehmen für Haustiere gläubiger Menschen. Seine Firma, die “Eternal Earth-Bound Pets”, ist ein Versicherungsunternehmen. Gegen den Betrag von 110 Dollar können gläubige US-Amerikaner sich dahingehend versichern, dass im Falle einer Entrückung in das Himmelsreich Gottes zu ihren Lebzeiten Bart Centre und seine Mitarbeiter als zurückgelassene Ungläubige die Versorgung und Wiedervermittlung der Haustiere an tierliebende Atheisten übernehmen.
Versprochen wird eine Abholung innerhalb von 24 Stunden und das Unternehmen ist bisher in 22 Bundesstaaten aktiv, jeder Versicherungsvertrag läuft zehn Jahre bis er erneuert werden muss. Businessweek berichtete Anfang Februar von bereits 100 Kunden.
















Wirklich bizarr! Gibt es die Rechnung auch als PDF, oder glauben die, dass jemand die kryptischen YouTube-URLs aus dem Kleingedruckten abtippt? Wem das nichts ausmacht, der hat wahrscheinlich auch kein Problem mit der “großen Trübsal” bzw. Bedrängnis, die uns Nicht-Entrückten zuteil werden soll.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann uns allerdings nichts besseres passieren, als dass Christen ihre Ressourcen derart vergeuden, indem sie relativ aufwendiges Werbematerial an Leute schicken, die sich höchstwahrscheinlich ü-ber-haupt-nicht dafür interessieren.
Oder war der Lüfter als “christlich” ausgewiesen?
Ich würde da jedenfalls nichts bestellen: Wenn die glauben, dass die Welt schon bald untergeht, geben sie womöglich übertriebene Garantieversprechen ab – in der Erwartug, dass die Teile eh nur noch kurze Zeit durchhalten müssen.