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brainWEEK 2010 im Turm der Sinne

Hätten Sie gewusst, dass es einen Raum gibt, in dem Menschen ohne technische Tricks vom Riesen zum Zwerg mutieren können? Foto: turmdersinne

“Menschen haben Erlebnisse, machen Erfahrungen und ziehen daraus Schlüsse – die meisten sogar unbewusst. Viele dieser Schlüsse sind verlässlich, andere falsch. Aus diesen Schlüssen – wahr oder falsch – formen wir unser Weltbild, also das, was wir für wahr halten”, sagt Dr. Rainer Rosenzweig vom “turmdersinne” in Nürnberg. “Machen wir uns bewusst: Glauben ist oft nichts anderes als sich die Illusion verschaffen, etwas zu wissen, was man gar nicht wissen kann”, so Rosenzweig weiter und schließt: “Eine der bedeutendsten Erfahrungen im Leben eines Menschen ist das Erlebnis, dass wir uns täuschen können.”

Klick zum Download. Der Flyer zur brainWEEK 2010 in Nürnberg. Bild: turmdersinne

Für mehr Skepsis gegenüber den eigenen Wahrnehmungen

Die Sinne zu täuschen, um Menschen bedeutende Erfahrungen über die eigene Wahrnehmung zu vermitteln, hat sich der “turmdersinne” in Nürnberg vorgenommen. Anlässlich der jährlichen “brainWEEK” vom 15. bis 22. März 2010 ist wieder ein umfangreiches Programm entstanden, um Besucherinnen und Besucher jeden Alters wissenschaftlich, unterhaltsam und auch ernsthaft mehr Skepsis ihrer eigenen Wahrnehmung und neuronalen Prozessen gegenüber zu vermitteln. Die jährliche Internationale Woche des Gehirns, kurz “brainWEEK” genannt, ist 1996 in den USA entstanden und wird seit 2001 auch von verschiedenen Organisationen in Deutschland zum Anlass für speziell auf das Gehirn bezogene Veranstaltungen genommen. Auch in anderen Ländern erfreut sich die brainWEEK teils großer Erfolge.

brainWEEK 2010 im turmdersinne: Magic, Science & Comedy

Führungen durch das interaktive Museum und ein Zauberworkshop, der endlich einen konkreten Blick hinter die Kulissen von “Magiern” wirft und verrät, wie wir uns von Blicken, Gesten und Sprache lenken lassen, sind ein Teil der brainWEEK. Ein anderer Teil ist ein Kurzfilm zum Thema Demenz und Alzheimer mit anschließender Diskussion, dass die praktischen Folgen der Fehlbarkeit unseres Gehirns eindrucksvoll veranschaulicht. Der Höhepunkt der brainWEEK im turmdersinne ist „Science Meets Comedy“, eine explosive Mischung aus Wissenschaft und Comedy mit Thomas Fraps und Stuart Anstis. Hier “übersetzt” der Physiker, Stand-up-Comedian und phänomenale Zauberkünstler Thomas Fraps verblüffende Erkenntnisse des renommierten amerikanischen Wahrnehmungsforschers Stuart Anstis in kreativer Form. Stuart Anstis, einst Doktorand bei Richard Gregory, erforscht heute an der Universität von San Diego visuelle Wahrnehmungsphänomene und wurde weltbekannt durch seine Studien und Selbstversuche zur Helligkeits-, Kontrast- und Bewegungswahrnehmung. Weltbekannt wurde Anstis durch seine Studien und Selbstversuche zur Helligkeits-, Kontrast- und Bewegungswahrnehmung.

Wissenschaftler berichtet von drei Tagen in einer “negativen Welt”

Am Samstag gibt Stuart Anstis zudem allen Interessierten ein Seminar über einen Selbstversuch: Er lebte drei Tage in einer Welt, die er mit Hilfe einer Video-Spezialbrille nur fotografisch negativ wahrnehmen konnte. Auf dem in Englisch gehaltenen Seminar berichtet er unter anderem davon, welche überraschenden Feststellungen er in seiner Helligkeits-, Kontrast- und Bewegungswahrnehmung machte.

Das interaktive Hands-on-Museum im turmdersinne hat aber nicht nur während der brainWEEK, sondern ganzjährig geöffnet. Zudem gibt es eine Wanderausstellung und der turmdersinne richtet seit 1998 Symposien zu wissenschaftlichen Themen aus.  Das Symposium vom 1. bis 3. Oktober 2010 trägt den Titel: “Mann – Frau – Gehirn, Geschlechterdifferenz und Neurowissenschaft”.

Rainer Rosenzweig meint: “Im turmdersinne eckt unser vermeintliches Wissen an. Wir erleben die Fähigkeiten, vor allem aber auch die Grenzen unserer Wahr-nehmung. Wer diese Erfahrungen an sich heran lässt, kann über die Schlussfolgerungen nachdenken. Selbstkritik statt Verbohrtheit, Differenziertheit anstelle von Pauschalurteilen und Nachdenklichkeit statt Überheblichkeit: Am Ende könnte ein Mehr an Toleranz, Verantwortung und Humanismus stehen.”

Mehr Informationen zum turmdersinne und zur “brainWEEK” http://www.turmdersinne.de/brainweek2010.html

Zur Geschichte vom turmdersinne Die Idee zur Erlebnis-Ausstellung entstand 1995 im Umfeld des Humanistischen Verbandes Deutschlands HVD-Nürnberg, der den Mohrenturm nahe der Erlerklinik schon eine ganze Weile für Jugendarbeit nutzte. Ein Arbeitskreis aus interessierten Studenten, Lehrern und Wissenschaftlern entwickelte ein Konzept, spann ein Netz von wissenschaftlichen Beratern und Unterstützern und knüpfte erste Kontakte zu potentiellen Sponsoren. 1997 folgte die Gründung der gemeinnützigen “Turm der Sinne GmbH Erlebnisausstellungen”. Gesellschafter ist bis heute der HVD-Nürnberg.

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