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Staatsanwalt sucht Käßmanns Verräter

Hinterlässt eine große Lücke im Rat der Evangelischen Kirche und den Herzen vieler Christen: Margot Käßmann. Einige Menschen suchen nun einen möglichen Verräter, der die Details von Käßmanns Alkoholfahrt ausgeplaudert hat. Foto: evangelisch.de / CC-by

Der Staatsanwalt in Lüneburg soll jetzt einen Verräter suchen, der möglicherweise unrechtmäßig die Informationen herausgab, die zum Fall von Margot Käßmann geführt haben. Nach Medienberichten häufen sich die Anzeigen, welche einen Verrat an der EKD-Vorsitzenden Käßmann juristisch sanktioniert sehen wollen. Mittlerweile sind mindestens fünf Strafanzeigen gegen “unbekannt” bei verschiedenen Polizeidienststellen oder Staatsanwaltschaften eingegangen, welche nun an die Staatsanwaltschaft Lüneburg weitergeleitet wurden, um jeden Verdacht mangelnder Objektivität zu vermeiden.

Nachhaltig Unruhe in der Gemeinde

Die Anzeigen sind nun ein Beleg dafür, dass der Rücktritt Käßmanns nach ihrer starkalkoholisierten Rotlichtfahrt nachhaltig für Unruhe sorgt und das Ergebnis nicht von allen so einfach akzeptiert wird. Denn Anzeigen gegen “unbekannt” haben in diesem Fall eine klare Stoßrichtung: der Geheimnisverrat wird vor allem in den Reihen der beteiligten Polizisten vermutet, denn diese hatten zum Vorfall grundsätzlich eine dienstrechtliche Schweigeverpflichtung. Käßmanns Freunde machen nun Druck gegen die beteiligten Beamten. Christen zeigen Polizisten an, weil bekannt wurde, dass die EKD-Chefin zur Fastenzeit mit 1,54 Promille über eine rote Ampel fuhr.

Staatsanwältin: Polizei ist nicht verpflichtet, die Unwahrheit zu sagen

“Ich empfinde es als Schweinerei, wie Frau Käßmann an den Pranger gestellt wurde”, so Godehard Schreiber, einer der Anzeigensteller und Jurist. Die hannoversche Oberstaatsanwältin Irene Silinger erklärte aber, dass zwar die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden müssten, es jedoch ein besonderes Informationsbedürfnis bei Personen des öffentlichen Lebens gebe. “Bei offiziellen Anfragen der Medien sind wir jedoch verpflichtet, nicht die Unwahrheit zu sagen”, so Silinger weiter. Aus diesem Grund wurde der exakte Wert von Käßmanns Blutprobe an die Medien weitergegeben. Die “BILD” hatte als erste Zeitung über den Rücktritt Käßmanns informiert und den Rücktritt Käßmanns via “BILD-Online” multimedial begleitet.

EKD-Rat war gegen Käßmanns Rücktritt

Am 24. Februar 2010 ist Margot Käßmann als Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche Deutschlands und als Hannoversche Landesbischöfin zurückgetreten. Vorausgegangen waren ein Rotlichtverstoß Käßmanns, bei dem die Polizei eine starke Alkoholisierung Käßmanns feststellte, obwohl sie am Lenkrad ihres VW Phaetons saß. Und das alles kurz nach Beginn der Fastenzeit. Der Rücktritt Käßmanns hatte starke Welle der Erschütterung in der evangelischen Kirche ausgelöst und vereinzelt wurden Stimmen laut, die nach einer Wiederwahl Käßmanns riefen. Auch vor dem Rücktritt hatte der Rat der evangelischen Kirche seiner Vorsitzenden den Rücken gestärkt.

Kirchenpresse titelt heute “medienrechtlich grenzwertig”

Offensichtlich ist für viele Christen eine solche Straftat ein Kavaliersdelikt, das die Vorbildfunktion einer Kirchenchefin nicht wesentlich beeinträchtigt. Trotzdem sie mit ihrer Alkohol-Fahrt in einem rund 2 Tonnen schweren Gefährt die vermeidbare Gefahr geschaffen hatte, ein Menschenleben auszulöschen. Immerhin Margot Käßmann war sich dieser Tatsache letztlich vollständig bewußt und entsprach mit ihrer Konsequenz ihren eigenen hohen moralischen Maßstäben. “Medienrechtlich grenzwertig” titelte aber heute trotzdem das christliche Magazin “Pro” und gab wieder, wie der Presserechtler Lars Jaeschke den Umgang der Beamten mit dem “Fall Käßmann” beurteilt hatte.

Jeder könnte den Vorfall bemerkt haben

“Fest steht, dass auch polizeiexterne Personen innerhalb kurzer Zeit von Käßmanns Fehltritt erfuhren oder zumindest Hinweise darauf erhielten. So verließ die Landesbischöfin gegen 24 Uhr das Polizeirevier in der Herschelstraße per Taxi. Nicht auszuschließen ist außerdem, dass Passanten beobachteten, wie Käßmann von der Polizei kontrolliert wurde und anschließend mit in den Streifenwagen steigen musste”, stellte die “Hannoversche Allgemeine Zeitung” nun fest. “taz.de” schrieb hingegen: “Ermittler suchen Judas”.

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