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Christen fordern für sich mehr Schutz

4. März 2010 05:34 4 comments Von Arik Platzek

Christliche Gläubige sind weltweit unter Druck. Nun forderte Unions-Chef Volker Kauder mit Kirchenvertretern mehr Schutz von der bundesdeutschen Regierung für die Menschen, welche wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt werden. Foto: morguefile.com

„Islamistische Extremisten führen einen brutalen Krieg gegen religiöse Minderheiten. Hunderttausende Christen wurden ermordet, vergewaltigt und vertrieben”, sagte der christlich-konservative Unions-Chef Volker Kauder am vergangenen Sonntag. Er forderte von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mehr Engagement für verfolgte Christen. In der “Bild am Sonntag” (BamS) erklärte er:  “Die deutsche Außenpolitik muss mehr als bisher die Religionsfreiheit weltweit verteidigen. In den Konsultationen mit Regierungen von Ländern, in denen Christen verfolgt werden, sollte dies stets zum Thema gemacht werden.” Ein Anlass dafür war, dass die Evangelische Kirche den “Tag der bedrängten und verfolgten Christen” beging.

Christenverfolgung besonders im Islam und Nordkorea

Der Berliner Bischof Markus Dröge führte in in seiner Predigt in der Berliner St. Marienkirche aus, dass in der Verfolgung und Diskriminierung von Christen wegen ihres Glaubens ein zentrales Menschenrechtsproblem der Gegenwart liegt. Es dürfe nicht länger darüber hinweggesehen werden, wie die Religionsfreiheit in anderen Ländern missachtet wird, erklärte der Bischof . Nach Schätzungen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, der katholischen Menschenrechtsorganisation Kirche in Not sowie der evangelikalen Organisation Christian Solidarity International sollen 75 bis 80 Prozent der Menschen, die derzeit wegen ihres Glaubens verfolgt werden, Christen sein.

Dies seien 100 Millionen Christen, die als Minderheit diskriminiert und verfolgt würden, erklärte Markus Rode von der Organisation “Open Doors”, welche sich für verfolgte Christen einsetzt. Nach der Definition von “Open Doors”, welche aktuell dafür wirbt, für die verfolgten Christen in Nordkorea zu beten, sieht er “Verfolgung nicht nur, wenn der Staat Einzelne oder ganze Gruppen von Christen wegen ihres Glaubens einsperrt, verletzt, foltert oder tötet, wie es die Realität in vielen Ländern ist. Verfolgung herrscht auch dann, wenn Christen aufgrund ihres Glaubens beispielsweise ihre Arbeit oder ihre Lebensgrundlage verlieren, wenn Kinder aufgrund ihres Glaubens oder des Glaubens ihrer Eltern keine oder nur eine schlechte Schulbildung bekommen oder Christen aufgrund ihres Glaubens aus ihren angestammten Wohngebieten vertrieben werden.”

Regierung soll jetzt mehr Christen Asyl gewähren

In über 60 Ländern der Erde sei die Religionsfreiheit stark bis sehr stark eingeschränkt, erklärte Bischof Dröge. Am schlimmsten soll die Lage für Christen im Irak sein, weshalb der CDU-Politiker Kauder auch forderte, mehr christliche Flüchtlinge aus dem Irak in Deutschland Asyl zu gewähren. Nicht nur im Irak, sondern auch in vielen anderen Ländern sei das Menschenrecht auf freie Religionsausübung nicht gegeben, ergänzte Dröge: “Wir sehen uns in der Pflicht, gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen entschieden auf diese Verletzung der Glaubensfreiheit und damit auf die Verletzung der allgemeinen Menschenrechte hinzuweisen.”

Ist religiöse Verfolgung und Diskriminierung ein spezifisch christliches Problem oder ein generelles Problem von weltweit kaum verwirklichten Menschenrechten? Foto: morguefile.com

Auch der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber hatte die Bundesregierung aufgefordert, weitere Flüchtlinge aus dem Irak aufzunehmen. Schätzungen zufolge habe sich dort in den vergangenen Jahren die Zahl von 1,2 Millionen Menschen christlichen Bekenntnisses halbiert. Dröge wies dabei auch auf die Situation nordkoreanischer Christen hin, welche dort am brutalsten verfolgt werden würden. Volker Kauder meinte in der BamS: “Es darf den Radikalen nicht gelingen, die jahrtausendealten Gemeinden im Nahen Osten – der Wiege des Christentums – zu zerstören.” Erzbischof Louis Sako erklärte deshalb, dass die Kirche durch Fasten und Gebet gegen die menschenrechtswidrige Behandlung protestieren werde.

Kritik von säkularen Organisationen über einseitige Forderungen

Zahlreiche Interessenvertretungen reagierten empört auf diese einseitige Forderung des hohen CDU-Funktionärs und der Kirchenvertreter. “Es ist richtig und ein Akt der Humanität, Flüchtlinge aufzunehmen. Das kann aber nicht daran festgemacht werden, welcher Religion sie angehören. Es ist völlig gleich, ob es sich dabei um Christen, Moslems oder andere handelt. Eine Verteidigung der Religionsfreiheit weltweit als unveräußerliches Menschenrecht kann Aufgabe eines Außenministers sein, aber nicht, wenn es dabei nur um eine einzige Religion, in diesem Fall die christliche, gehen soll”, erklärte daraufhin die Pressereferentin des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW), Ortrun E. Lenz, gegenüber wissenrockt.de.  “Est es nicht Aufgabe des Bundesaußenministers, sich stärker für verfolgte Christen in aller Welt zu engagieren”, sagte die DFW-Sprecherin weiter und betonte: “Hier soll die Aufgabe eines hochrangigen Ministers dazu missbraucht werden, die Interessen der Kirchen im Ausland zu vertreten.” Der DFW und weitere Interessenvertretungen konfessionsfreier Menschen fordern deshalb seit Jahren eine konsequente Trennung von Staat und Kirche.

IBKA: kein alleiniges Problem von Christen, sondern großes Problem der Menschenrechte

IBKA-Sprecher Rudolf Ladwig. Foto: Evelin Frerk

“In etlichen Staaten ist es in der Tat aber auch um die Verwirklichung des Menschenrechtes auf Weltanschauungsfreiheit im eigentlichen Sinne leider schlecht bestellt”, so Rudolf Ladwig vom Internationalen Bund der Konfessionsfreien und Atheisten (IBKA). “So sind Menschen, welche sich vom Islam abwenden in etlichen Staaten vom Tode bedroht. Atheismus ist dort keine mögliche Position.” Ladwig, zweiter Vorsitzender des IBKA, kritisierte die eindimensionale Sicht Kauders und meinte, dass es begrüßenswert wäre, “wenn die bundesdeutsche Aussenpolitik Menschenrechtsfragen stärker in den Blick nehmen würde.” Folgt man der Definition von “Open Doors”, sind in Deutschland auch Millionen Menschen verfolgt, die eben nicht zum christlichen Glauben gehören.

Er stellte klar, dass Weltanschauungsfreiheit nicht nur ein Recht, sondern auch ein anzustrebender gesellschaftlicher Zustand sei und verwies auf die mangelhafte Situation auch in Deutschland. Er fragte: “Wo kann denn eine junge Migrantin sanktionsfrei hierzulande sich den traditionalen Ehrbegriffen ihrer Community entziehen?” Und er fügte hinzu, dass mit den Forderungen der Kirchen und Politiker der Blick der deutschen Bevölkerung “nach außen verzerrt” wird und kritisierte übereinstimmend mit dem DFW, es gäbe “etliche bundesdeutsche Verletzungen der Weltanschauungsfreiheit, welche hierzulande mit der mangelnden Trennung von Staat und Kirche und  innergesellschaftlicher Macht gerade auch christlicher Lobbygruppen zu tun haben.” Die Forderung von CDU-Chef Volker Kauder bezeichnete er deshalb als Populismus. Ladwig fügte hinzu: “Christenverfolgung wäre als Verfolgung durch Christen manchmal triftiger formuliert.”

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4 Kommentare

  • Ich bin ebenfalls daruerber geschockt, wie hier die Gleichbehandlung der Religionen mit Fueßen getreten werden soll.

    Aber ich schätze das ist angesprochene Problem ist ein generelles Problem der Menschenrechte. Die Tatsache, dass Christen am häufigsten verfolgt werden, liegt wohl zum einen daran, dass sie die größte Glaubensgruppe auf der Welt darstellen und zweitens, da sie Minderheiten in Ländern bilden, die diese Menschenrechte nicht konsequent umsetzen. Minderheiten im Westen werden weit weniger verfolgt.

    Noch ein Hinweis fuer die Redaktion:
    Zu schreiben “Christenverfolgung besonders im Islam und Nordkorea” ist verwirrend, denn es handelt sich um eine Religion und ein Land. Dies kann man nicht vergleichen.

  • Es ist schon erstaunlich, wie eine Organisation wie Open Doors es schafft, das Thema “Christenverfolgung” quasi im Alleingang ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Und dazu scheint es auszureichen, dass man sich selbst “christliche Hilfsorganisation” und nicht “Missionierungsagentur” nennt und spektakuläre Zahlen sowie einen “Weltverfolgungsindex” in die Öffentlichkeit wirft, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Mit dem Thema Christen in Nordkorea und Open Doors habe ich mich hier etwas näher beschäftigt: http://nordkoreainfo.wordpress.com/2009/09/20/von-der-schwierigkeit-uber-nordkorea-zu-recherchieren-i-christen/ Das wirklich Bedenkliche an der ganzen Sache ist allerdings, dass unsere Medien die Angaben von Open Doors ohne jede Quellenprüfung übernehmen und so das Thema unter Vorspiegelung vermutlich falscher Tatsachen in die Diskussion bringen.

  • Walter Bornholdt

    Unnötig zu vermelden, dass DAS islamische Land, wo wirklich Christen verfolgt werden, wo selbst Privaträume kaum geschützt sind, mit dem Westen aufs engste verbunden ist. Nämlich SAUDI-ARABIEN ! In anderen Länder, die vom Islam dominiert werden, sind es lokale Übergriffe. In den allermeisten Ländern gibt es Kirchen und christliche Schulen – für die Einheimischen, die das bezahlen können! Allerdings gibt es seit einiger Zeit Erscheinungsformen des antichristlichen Kampfes, der sehr wohl von Regierungsseite gesteuert wird. Nichts lenkt besser ab, als ethnische Konflikte!

  • Ich hatte in den letzten Tagen über die Äußerungen insb. von Kauder gelesen und freue mich, dass sich wissenrockt.de und die Konfessionslosenvereinigungen des Themas annehmen.

    Zu der Organisation “open doors” möchte ich anmerken, dass deren “Einsatz für verfolgte Christen” darin besteht, dass sie den verfolgten Christen verbotene Bibeln usw. liefern und ihnen helfen, diese ins Land zu schmuggeln. In den westlichen Ländern weist “open doors” auf das Schicksal der verfolgten Christen hin.

    Zwei Artikel dazu bei mir und beim hpd.

    PS: Diese Website rockt!

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