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CDU-Debatte: HVD-Vize mischt sich ein

"Aber auch noch unsere modernen politischen Parteien, die weitgehend zu Wahlmaschinen geworden sind, knüpfen noch an die großen „Parteiungen“ des 19. Jahrhunderts an, auch wenn sie sich nicht mehr eindeutig zuordnen lassen." - Frieder Otto Wolf. Foto: Karin Jung / pixelio.de

Frieder Otto Wolf, nach dem Rücktritt Horst Groschopps amtierender Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland (HVD), äußerte sich heute unter dem Titel “Alltägliche Wahrheitspolitik” zur aktuellen Diskussion im HVD um die Frage: “Sind CDU und CSU für säkulare Humanisten wählbar?”

Die Diskussion wurde neu angefacht, als sich der neue Pressesprecher des HVD Berlin, Thomas Hummitzsch, Ende letzten Jahres öffentlich kritisch dazu geäußert hatte, dass 22 Prozent der konfessionslosen Menschen immer noch die kirchennahe CDU/CSU wählen.

Daraufhin bezogen in der neuen Ausgabe der HVD-Verbandszeitschrift “diesseits” gleich drei von vier Leserbriefen teils sehr drastisch zu diesem Thema Stellung. Die Diskussion wurde schon vor der Bundestagswahl 2009 geführt, als der HVD eine Stellungnahme zu Antworten der Parteien auf die Wahlprüfsteine bezog – und eine Nichtwahl von CDU und CSU empfohlen hatte. Die Stellungnahme ist hier noch in der ursprünglich veröffentlichten Fassung zu lesen.

Jüngster Stein des Anstoßes: Das Editorial von Thomas Hummitzsch in der 89. Ausgabe der "diesseits". Foto: A. Platzek

“So wie es etwa auch immer noch Herz-Jesu-Sozialisten geben soll, die sich in CDU/CSU als Partei irgendwie doch „zuhause“ fühlen, gibt es daher auch Humanisten (und vermutlich sehr viel weniger Humanistinnen), die sich parteipolitisch von diesen beiden christlich dominierten Parteien repräsentiert sehen”, kommentiert der amtierende HVD-Präsident und stellt damit nur erneut die umstrittene Tatsache fest.

Der 69-jährige Frieder Otto Wolf, habilitierter Philosoph und Politikwissenschaftler aus Kiel, ist ebenfalls Vorsitzender des KORSO, dem 2008 gegründeten Koordinierungsrat säkularer Organisationen. Gründungsmitglieder sind fast alle bedeutenden Organisationen atheistischer Menschen in Deutschland. Wolf schlägt wohl darum, anders als der aus dem sächsischen Zwickau stammende Kulturwissenschaftler Horst Groschopp, eine stärker vermittelnde Linie gegenüber den CDU/CSU-Wählerinnen im Verband ein. Groschopp erklärte zwar ebenfalls, dass der HVD die Bewertungen der politischen Parteien seinen Mitglieder überlässt, in der Pressemitteilung hieß es aber: “Vor allem die Ansichten der CDU/CSU sind danach für den HVD nicht akzeptabel.” Groschopp äußerte damals ferner, “offenbar sehen sich diese Parteien nicht nur als Kirchenlobbyisten, sondern sie versteigen sich sogar zu der Behauptung, das Grundgesetz orientiere sich an den Zehn Geboten” und empfahl seinen Mitgliedern “dringend” die Auswertung der Antworten der politischen Parteien zu den Wahlprüfsteinen des HVD.

Wolf hingegen argumentiert einerseits rechtlich zur Frage, ob für Humanisten CDU oder CSU wählbar sind: “Das dürfen sie sowieso und sie können es auch hinkriegen, ohne sich in unlösbare intellektuelle Widersprüche zu verwickeln.” Wie die augenscheinlichen Widersprüche allerdings moralisch auflösbar wären, dahingehend ließ er viele Fragen offen. Er unterstrich jedoch, dass “wer heute als Humanistin oder als Humanist sich politisch verhalten will, braucht noch etwas mehr dazu als sein humanistisches Selbstverständnis – sie oder er muss sich eine eigene Position in den großen Fragen der Zeit erarbeiten” – das “Sapere Aude!” war hier kaum zu überhören.

Wolf versucht, die Debatte zu versachlichen

Dass man sich bei allen unterschiedlichen Ansichten nicht gegenseitig die Qualitäten als Humanistin oder Humanist absprechen sollte, forderte er am Ende. Und nahm der Debatte so erst einmal die Schärfe, welche in den Widerworten zu Hummitzsch Meinung lag. Einen Schritt zur Versachlichung der Debatte hat es also nun gegeben, ohne dass in diesem Thema alle offenen Fragen bereits als geklärt bezeichnet werden könnten. Die Diskussion wird also, wenn vielleicht auch ruhiger, wohl weitergehen. Wolf, eben ein gelernter Philosoph, schloss darum mit den Worten: “Vielleicht liegt gerade in der Fähigkeit dazu, auch im Streit noch das Gemeinsame zu sehen, es aber streitig gegenläufig zu entfalten, der eigentlich produktive Kern menschlicher Rationalität!”

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