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Weißes Haus empfängt Atheisten

Hier empfing die Regierung erstmals in der Geschichte der USA Vertreter des neuen humanistisch-säkularen Amerikas. Das Weiße Haus in Washington D.C. ist eines der bestbewachten Gebäude der Welt. Foto: Rödi / pixelio.de

Zum ersten Mal in der Geschichte hat gestern Abend die US-amerikanische Regierung eine humanistisch-säkulare Organisation getroffen. 60 Mitglieder der Secular Coalition for America (Säkulare Koalition für Amerika), einem Dachverband für bislang zehn atheistische, freidenkerische, humanistische und säkulare Organisationen, trafen Regierungsvertreter aus dem Jusitz- und dem Gesundheitsministerium. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Themen wie die Ungleichbehandlung religiöser Einrichtungen, die religiöse Diskriminierung im Militär und die Bevorzugung kirchlicher Organisationen bei der Zuweisung von Finanzmitteln. US-Präsident Obama war bei den Gesprächen aber nicht anwesend. Allerding war er der erste US-Präsident, welcher Nichtgläubige in seiner Antrittsrede erwähnte; ein Ereignis von dem laut IHEU eine konstruktive und bedeutende Beziehung zwischen Regierung und amerikanischen Nichttheisten ausging.

Bekennender Atheist und Abgeordneter der Demokraten: Pete Stark. Foto: US gov.

“Wir können religiöse Beeinflussungen der Regierung nicht hinnehmen – ob es sich nun um Schlupflöcher in Gesetzen gegen Kindesmißbrauch zur “Glaubensheilung” oder Predigten gegenüber Militärangehörigen handelt”, sagte Regierungsvertreter Pete Stark. Der 79-Jährige ist Abgeordneter der Demokraten und war das erste Kongressmitglied, dass sich öffentlich zu Atheismus bekannte. Ein ungewöhnlicher Schritt, da sich in der US-amerikanischen Gesellschaft nach einer Umfrage unter 54 000 Menschen aus dem Jahr 2008 lediglich 15 Prozent der Menschen als Nichtgläubige bezeichnen. Stark unterstützt die Secular Coalition for America und gilt auch als vehementer Gegner des Irak-Krieges.

Das Verhältnis der US-Behörden gegenüber kirchlich-religiösen Organisationen ist wie in Deutschland vielfach von Sonderbestimmungen geprägt. Kirchliche Kliniken und Betreuungseinrichtungen für Kinder sind von den Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen ausgenommen, die für säkulare – nicht kirchengebundene – Einrichtungen gelten. Bundesgesetze nehmen ferner sogenannte “Glaubensheilungen” von den Mindestbestimmungen für medizinische Versorgungen aus, welche das “Kindesmißbrauchsvorsorgegesetz” festlegt. So berichtete das Buch “Wenn das Gebet versagt” (OT: When Prayer fails) , dass Eltern den Tumor ihres Kindes unbehandelt ließen, weil sie glaubten, dass es die Strafe für eine Sünde wäre die durch Gebete geheilt werden könnte – die Folge war eine Amputation.

Neben vielen anderen äußerst fragwürdigen Bezügen zwischen Gesellschaft und Religion kritisierte die Secular Coalition auch, dass die steigende Zahl der, in den USA weitverbreiteten, evangelikalen Christen im Militär zu religiösen Diskriminierungen führt und viele glauben, dass Werbung für das Christentum Teil des Dienstes wäre. Ferner sprach die Delegation besondere Förderprogramme für religiös-kirchliche Gruppierungen an, die unter der Bush-Administration eingeführt worden war.

Auf das Treffen folgte umgehend scharfe Kritik aus dem Lager der konservativen und kirchennahen Organisationen: “Es ist eine Sache, wenn die Regierung sich mit Gruppen unterschiedlicher Standpunkte trifft. Aber es ist eine ganz andere, wenn renomierte Regierungsvertreter sich mit Aktivisten an einen Tisch setzen, welche einige  der meist hasserfülltesten, anti-religiösen Gruppierungen der Nation repräsentieren”, sagte der Bishop Council Nedd, Vorsitzender der evangelikal-fundamentalistischen Organisation “In god we trust“, welche sich nach eigenem Bekunden für die religiöse Freiheit in den USA einsetzt.

Roy Speckhardt, Chef der American Humanist Association (Amerikanischer Humanistenverband, einem Mitglied der Secular Coalition) erklärte abschließend: “Zu oft wurden Atheisten von Politikern und Öffentlichkeit nicht beachtet, nur weil wir an keinen Gott glauben. Aber indem uns Präsident Obama einen Platz am Tisch gibt, hat er ein starkes Signal ausgesandt, das andere hoffentlich auch empfangen: Was uns eint ist, dass wir alle Amerikaner sind – nicht, dass wir den Glauben an den gleichen oder irgendeinen Gott teilen. Es gibt keine Vorbedingung in Glaubensfragen bei dem Wunsch, für unser Land das Beste erreichen zu wollen.”

Foto Aufmacher: Rainer Sturm / pixelio.de

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