“Dass man sich denen so anbiedert, finde ich manchmal erschreckend.” Nils Opitz-Leifheit, parlamentarischer Berater der SPD für Agrar-, Umwelt- und Energiepolitik im baden-württembergischen Landtag beschreibt so das Gefühl, wenn er das Verhältnis zwischen seiner Partei und den Kirchen betrachtet. Der 45-jährige Diplom-Biologe und Sozialdemokrat aus Münster ist einer der Initiatoren einer neuen Gruppe innerhalb der SPD: den Laizisten. Der Begriff sei vorläufig, erklärt er, denn man freue sich auch über gläubige Parteimitglieder. “Wir haben hier auch Christen, Moslems und Juden, die ganz deutlich sagen: Religion ist Privatsache, deshalb wollen wir eine strenge Trennung zwischen Staat und Kirche”, sagt er bei der Frage nach dem Gruppennamen. Überwiegend sind die Mitglieder aber Konfessionslose, Agnostiker und Atheisten.
Im Grundsatzprogramm steht heute das Christentum an erster Stelle
“Die Debatte um unser letztes Grundsatzprogramm war ein entscheidender Auslöser”, so Opitz-Leifheit zu den Gründen für seine Initiative. “Bei der Diskussion um unser letztes Grundsatzprogramm wurde der Satz gestrichen: Arbeitnehmer der Kirchen dürfen nicht Arbeitnehmer zweiter Klasse sein”, äußert er seinen Unmut. “Stattdessen wurde ein salbungsvoller Satz zur Rolle der Kirchen mitaufgenommen”, erläutert Opitz-Leifheit weiter. “Und während früher zu den Wurzeln der Sozialdemokratie eine Berufung auf den europäischen Humanismus, die Arbeitbewegung und dem Marxismus im Vordergrund stand”, stand in einem Zwischenentwurf das Christentum dort plötzlich an erster Stelle. Am Ende landete es dann doch nur in der Auflistung weiterer historischer Bezüge. “Der Bezug auf den europäischen Humanismus und aufklärerische Bewegungen trat aber immer weiter in den Hintergrund”, kritisiert er. Tatsächlich wird im aktuellen Grundsatzprogramm der SPD dreimal häufiger auf die christliche Religion Bezug genommen als noch im Berliner Programm oder dem Godesberger Programm von 1959.

August Bebel, Atheist und Mitbegründer der SPD. Foto: Bundesarchiv
Kaum kritische Äußerungen zu Kirchenthemen
Dass der ehemalige Kanzlerkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, offen für die christliche Bewegung “Pro-Reli” in Berlin geworben hat, störte ihn auch sehr. “Die SPD gibt mir in der Hinsicht derzeit eine Menge Anlässe, mich zu ärgern”, erklärt Opitz-Leifheit. Vielleicht sei es auch die Angst der Sozialdemokraten, Wählerstimmen zu verlieren, mutmaßt er zu den Gründen für die wachsende Verbandelung der SPD mit den christlichen Kirchen. “Bei der letzten Debatte zur Erneuerung Staatskirchenverträge im Landtag hatten wir lediglich eine kritische Äußerung”, sagt er. Manche fänden das zwar fragwürdig, aber niemand möchte damit auffallen, gegen die Kirchen die Hand zu heben.
Etwa zehn Prozent “ganz aktive” sieht er unter den christlichen Gläubigen bei den Mandatsträgern. Ein Problem sei, dass die vielleicht zwei Drittel der nicht frommen Parteikollegen die aktive Annäherung an die Kirchen aber einfach so hinnähmen. “Die Partnerschaften zwischen SPD und Kirchen nehmen zu”, stellt er fest und fragt, warum es dabei kein Gegengewicht innerhalb der Partei gibt. Nils Opitz-Leifheit ist überzeugt, dass ein “Korrektiv” notwendig ist: “Das wäre mir auch wichtig, weil immer häufiger unsägliche Erklärungen von christlichen Politikern oder Kirchenvertretern seitens der SPD unwidersprochen bleiben. Deshalb sind wir auch keine Gegner der Christen in der SPD, sondern nur eine notwendige Ergänzung.”

Nils Opitz-Leifheit. Foto: privat
Laizisten in der SPD wollen “Lobbyarbeit” der Christen ergänzen, damit sich auch andere in der SPD wiederfinden
Nils Opitz-Leifheit sucht deshalb weitere Verbündete, denn er strebt gemeinsam anderen Genossen die Gründung eines neuen Arbeitskreises in der SPD an, die hier künftig als Korrektiv dienen soll. Im SPD-Mitgliedernetzwerk meineSPD.net hat er die Gruppe “Laizisten in der SPD” eingerichtet, die als ein erster Anlaufpunkt für Gleichgesinnte dienen soll. “Von der Resonanz war ich positiv überrascht”, meint er und zählt bisher schon über 100 Mitglieder. Aber damit sei es noch lange nicht getan, weiß IBKA-Mitglied Opitz-Leifheit und erklärt, dass man noch in dieser Jahreshälfte ein erstes Arbeitstreffen zur Gründung des Arbeitskreises in Nürnberg geben sollen. Er wünscht sich darum, “so bald die Interessen der Laizisten und Konfessionslosen innerhalb der SPD artikulieren zu können. Denn die sind in den letzten Jahren sehr untergegangen, während die Christen in der SPD inzwischen sehr präsent sind.”
Hinweis Lesenswert dazu sind die Beiträge: “Kirche jubelt in Erfurt und “Pastoren unter sich”
Links
1. SPD-Mitgliedernetzwerk meineSPD.net
2. Pressemitteilung des IBKA Freiburg: Gegen Staatsverträge mit den Kirchen
Illustration SPD / © Delater, pixelio.de















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