Reinhard Haupt, BWL-Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wurde am 21. Januar 2010 das Bundesverdienstkreuz am Bande vom Bundespräsidenten Horst Köhler verliehen. Laut Medienberichten war Haupt von einer Privatperson für diese Auszeichnung vorgeschlagen worden.
Köhler, Mitglied der Kirchenpartei CDU, nahm den Vorschlag an und Christine Lieberknecht, christliche Ministerpräsidentin in Thüringen überreichte schließlich die Ehrenmedaille. Folgte darauf eine “gezielte Medienkampagne” einer “unheiligen Allianz”?
Den Orden verleiht: ein erklärter Bibel-Fan
Der Bundespräsident selber hatte aber noch kurz vorher die christliche Bibel zum wichtigsten Buch, das er kenne erklärt und laut eines dpa-Berichtes sagte Köhler auch, er lese seinen Enkelkindern mit Begeisterung aus der Bibel vor. Er wurde mit den Worten zitiert: “Das kann ein wertvoller Beitrag für die frühkindliche Erziehung sein und es ist auch eine gute Gelegenheit, die eine oder andere Geschichte selbst noch einmal zu überdenken und ihre Lehren zu beherzigen.”

Thüringens Ministerpräsidentin Lieberknecht und Reinhard Haupt
Den Orden übergibt: eine evangelikale Christin
Die Auszeichnung wurde Reinhard Haupt von der Thüringer Ministerpräsident Christine Lieberknecht, ebenfalls Mitglied der kirchennahen CDU und Kuratioriumsmitglied der evangelikalen Organisation ProChrist, in Erfurt überreicht.
Zur Begründung der Ehrung hieß es, “Haupt habe als erster regulär gewählter Dekan der Friedrich-Schiller-Universität Jena maßgeblich den erfolgreichen Aufbau seines Lehrstuhls (…) mitgestaltet.”
Gewürdigt wurde außerdem sein Engagement für bessere Studienbedingungen und die Förderung des Dialogs zwischen Studierenden und Professorenschaft.
Nicht zuletzt wurde auch sein Engagement für das Gemeinwohl hevorgehoben, bei dem er sich vielfältig engagiert hat. Der frisch gebackene Verdienstkreuzträger Haupt, der von Kirchenmedien als Evangelikaler bezeichnet wird, ist unter anderem Fachgruppenleiter in der Studiengemeinschaft Wort und Wissen e.V., die kreationistische Theorien als “Orientierungshilfe” vertritt und publiziert.
Das Bundesverdienstkreuz ist laut Bundespräsidialamt “die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.”
Die Ordensverleihung kritisiert: Ein einzelner Kommentar
“Man kann die Verbreitung der biblischen Schöpfungslehre, an der Reinhard Haupt sich beteiligt, aber beim besten Willen nicht als besondere geistige Leistung betrachten.
Im Gegenteil: Es ist ein Zurückdrängen der Aufklärung, der kulturellen Errungenschaft wissenschaftlichen Denkens”, kommentierte Andreas Dietz die Ehrung in einer Meldung des Humanistischen Pressedienstes über zwei Wochen später.
Am vergangenen Dienstag berichtete die Tageszeitung “Neues Deutschland” schließlich unter dem Titel “Bundesverdienstkreuz für christlichen Fundamentalisten” über die Ehrung.
Auch die lokale Tageszeitung “Freies Wort” aus Suhl (Thüringen), thematisierte die Verleihung schließlich kurz. Fazit: Ein Kommentar und zwei Berichte setzten sich mit der Ehrung Haupts auseinander.
Baake: Exzorzist unchristlicher Medien?

Wolfgang Baake im NDR-Interview (siehe unten)
Das Gepolter in der Kirchenpresse lies nicht lange auf sich warten: Von einer “unheiligen Allianz” gar sprach Wolfgang Baake, Chef des Christlichen Medienverbundes KEP und der Christlichen Medienakademie (CMA) und ebenfalls evangelikal.
Vom HPD, der Tageszeitung ND und dem Lokalblatt aus Suhl geht nach Sicht des christlichen Medienchefs eine “gezielte Medienkampagne” aus, die Reinhard Haupt zu diskreditieren versuche.
Wasser predigen, aber selbst Wein trinken
Baake scheint es persönlich mit der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht ernst zu nehmen und scheute sich nicht vor der Verwendung von Kampfbegriffen. Eine “Medienkampagne” schimpft er die Beiträge und hetzt so seine eigene Leserschaft auf.
Baake selbst versucht sich an ebensolcher einer Kampagne, in dem er eine “unheilige Allianz” herbeifabuliert. Und unterstellt nebenbei allen drei Redaktionen damit, mit falschen oder verfälschten Informationen die öffentliche Meinung in moralisch nicht zu rechtfertigender Weise zu beeinflussen.
Einen Beleg für diese drastischen Vorwürfe erbringt er nicht und schließt mit einer Floskel, mit der er fordert, die “journalistische Sorgfaltspflicht” einzuhalten.
Deshalb titelt sein eigenes Medium, das Kirchenmagazin “Pro”: “Zum Skandal hochgeschrieben”. Konkret liefert der Beitrag nichts neues, vielmehr wird die Ordensverleihung an Haupt erneut hochgejubelt und daneben reichlich aus dem Kommentar von Andreas Dietz zitiert.
Das Ziel: eine drastische Konstrastrierung, die Empörung auslösen soll. Was aus Sicht von Baake und dem Kirchenmagazin nun der eigentliche Skandal ist, wird so schließlich deutlich: eine kritische Perspektive und eine einzelne freie Meinungsäußerung.
Mehr Informationen zum Umgang der Kirche mit kritischen Medien
“Evangelikale Fundamentalisten hetzen aggressiv gegen junge Journalisten” – NDR-Beitrag aus dem Magazin “Zapp” mit Stellungnahmen von Wolfgang Baake: http://www.youtube.com/watch?v=QjJDafTGI6Q

















Wer wissen will, was Hetze ist, soll sich mal die eigenen Blogs der Fundichristen ansehen. Der neueste Schrei ist das Blog “bluthilde”, das auf den ersten Blick wie ein Marxistenblog aussieht. Man merkt schnell, dass in Wahrheit evangelikale Propaganda der übelsten Sorte betrieben wird und Humanisten als Stalinanhänger hingestellt werden. Das haben sie schön aus Amerika gelernt!