Hamburg. Etwa die Hälfte der 1,7 Millionen Einwohner der Hansestadt Hamburg ist konfessionslos.
Aber lediglich drei der elf gesetzlich festgelegten Feiertage haben keinen religiösen Hintergrund, nämlich Neujahr, der Tag der Arbeit am 1. Mai und der Tag der deutschen Einheit.
Die restlichen acht Feiertage sind christliche Feste, trotzdem nur rund 700.000 Einwohner Hamburgs Christen sind.
Feiertage, die für alle Menschen in Hamburg einen Sinn ergeben, sind stark in der Unterzahl. Kersten Artus, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft für die Partei DIE LINKE, will das ändern.
Frauentag ist Tag der Menschenrechte
“Angesichts fortbestehender Gleichberechtigungsdefizite ist es von hoher symbolischer Bedeutung, den 8. März zum gesetzlichen Gedenk- und Feiertag zu erklären”, begründet Kersten Artus ihr Anliegen. Deshalb brachte sie gemeinsam mit den anderen sieben Abgeordneten ihrer Fraktion am 18. Januar 2009 einen entsprechenden Antrag ein.
Im Antrag heißt es weiter: “Frauen machen die halbe Menschheit aus – und doch ist ihnen die gleiche Teilhabe an der Gesellschaft und eine individuelle Entwicklung verwehrt” und sie verweisen auf vergangene und weiter bestehende Ungleichbehandlungen von Männern und Frauen in der Gesellschaft.
Kersten Artus: “Unsere Frauen verdienen es, gefeiert zu werden. Der internationale Frauentag ist ein Tag der Menschenrechte.”
Der Frauentag ist in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag
Der 8. März wird seit 1975 offiziell von der UNO als internationaler Frauentag gewürdigt. “In vielen Ländern ist der 8. März ein Feiertag, in Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Burkina Faso, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Kuba, Mazedonien, Moldawien, in der Mongolei, in Russland, Serbien, Tadschikistan, in der Ukraine, in Usbekistan, Vietnam und Weißrussland ein gesetzlicher Feiertag.
In China ist der Nachmittag für Frauen arbeitsfrei. Es wird also höchste Zeit, dass auch die westlichen Länder ihre Frauen mit einem Feiertag würdigen”, unterstreicht Kersten Artus die Notwendigkeit für einen gesetzlichen Feiertag zu Ehren der weiblichen Mitglieder unserer Gesellschaft.
Nur in Hamburg gibt es erste Fortschritte
“Unser Antrag wurde an den Sozialausschuss überwiesen und dort immerhin nicht beerdigt, sondern er steht weiter in der Pipeline, um frauenpolitische Initiativen zu entwickeln – die erwartungsgemäß nicht in dem Maße stattgefunden haben, wie es nötig war”, beschreibt sie den Status quo.
Anträge mit gleicher Zielsetzung wurde im benachbarten grün-roten Bremen und im Bundestag hingegen abgelehnt. “In anderen Bundesländern ist bislang leider noch nichts passiert”, so Kersten Artus. Unterstützung erhält das Vorhaben von der Grünen-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft.
Die Haltung der SPD beschreibt die 46 Jahre alte Abgeordnete Artus so: “Die Hamburger SPD steht ihm immerhin nicht ablehnend gegenüber – wohl weil er von den Gewerkschaftsfrauen ausging.”
Im März wird eine ARD-Dokumentation zum Frauentag in der DDR gezeigt
Um nun weiter Unterstützung zu bekommen und das Thema etwas mehr in die Öffentlichkeit bringen, bedient sich Artus auch sozialer Netzwerke und hat kürzlich eine Facebook-Gruppe eröffnet: “8. März: Internationaler Frauentag muss ein Feiertag werden”.
Bisher haben sich über 2100 Menschen als Fans dieser Gruppe angemeldet. Um den diesjährigen “Tag der Frau” am 8. März 2010 haben einige politische und soziale Gruppen Veranstaltungen geplant, unter anderem veranstaltet die Fraktion der LINKEN in Hamburg eine Lesung anlässlich des 129. Geburtstags von der marxistischen Theoretikerin und Antimilitaristin Rosa Luxemburg.
Ver.di Hamburg hat die ehemalige Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) am 8. März zu einer Frauentagsfeier eingeladen und am 14. März zeigt “Rote Möwe” Hamburg eine ARD-Dokumentation von 1981 darüber, wie in der DDR die berufstätigen Frauen geehrt wurden.
Initiative steckt in der linken Ecke fest
Aber dabei zeigt sich auch ein Problem für die politische Initiative: Sie ging vom stark links orientierten Flügel aus und steckt nun in diesem fest. In Parlamenten mit starker CDU-Dominanz stoßen solche Ideen häufig schon wegen grundsätzlicher Probleme auf taube Ohren, denn das traditionelle Rollenverständnis der Kirchen spricht Frauen nur eine untergeordnete Rolle zu. Aber auch die Sozialdemokratie hadert offensichtlich noch damit.
Politischen Vorstößen aus dem links-sozialistischen Lager einen Fußbreit Raum zu gewähren, ist auch für viele Sozialdemokraten eine Grundsatzfrage. In Bremen, wo der Antrag abgelehnt wurde, regiert die SPD. Und eine Ablehnung der Idee aus politisch-taktischen Gründen liegt im mittleren und konservativen Spektrum ohnehin nahe. Die Leidtragenden sind alle Frauen, denen weiterhin keine Ehrung an einem gesetzlich geregelten Feiertag zukommt.
2011 wird der Frauentag 100 Jahre alt
Der Ursprung des Feiertags für Frauen findet sich in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen. Clara Zetkin, eine deutsche Sozialistin, schlug am zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen vor, einen internationalen Feiertag einzuführen.
Während der erste internationale Frauentag noch am 19. März 1911 gefeiert wurde, erklärten sozialistische Politiker 1921 den 8. März – nach damaligem russischem Kalender der 23. Februar, der Tag der Februarrevolution – zum internationalen Frauentag.
Erst im Rahmen der Frauenbewegung Ende der 60er Jahre rückte dieser Feiertag wieder stärker in das öffentliche Bewußtsein. 1975 richteten die Vereinten Nationen dann erstmals am 8. März eine Feier aus, bis er zwei Jahre später von der Generalversammlung offiziell anerkannt wurde.
In Hamburg gibt es anlässlich des 100-jährigen Bestehens dieses Feiertages neue Hoffnung, das Thema doch stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken.
Artus: “Es formiert sich nun ein Bündnis unter Führung des Landesfrauenrates, den 100sten Jahrestag des 8. März in 2011 größer zu feiern.”
Sie bedauert trotzdem, dass die Idee, den 8. März zum Feiertag zu erklären, noch nicht weiter verankert werden konnte. Aufgeben will sie noch lange nicht: “Wir halten weiter daran fest.”














So ein Schwachsinn…Tag der Frauen..
Würde irgendjemand auf den verrückten Gedanken kommen einen gesetzlichen Feiertag “Tag der Männer” zu nennen?
Wer so einen Schwachsinn von sich gibt wird meist als Chauvinist gezeichnet…nun…was könnte man stattdessen der guten Frau Artus nachsagen?
Mutter – und Vatertag von mir aus…aber ‘Tag der Frauen’?
Klingt für mich doch noch zu sehr nach Gender Mainstreaming…
@Stefan: Na los, es hält dich niemand auf! Initiiere einen Männertag. Statt gegen Frauen zu arbeiten, mach doch etwas FÜR Männer, wenn dich etwas stört. Gegen ein Geschlecht zu arbeiten hilft dem anderen Geschlecht nicht. Was hast du im übrigen gegen Gender Mainstreaming? Gender Mainstreaming heißt nur, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Pflichten bekommen, also gleichgestellt sind.
Wobei ich selbst auch nicht sicher bin, ob ein Feiertag hilft, die Gleichberechtigung zu fördern. Dazu müsste man wissen, wie genau es in den oben genannten Ländern, in denen der 8. März ein offizieller Feiertag ist, aussieht. Meiner Erfahrung nach wird sowas dann nur als Trostpflaster verwendet (“Was, Sie wollen mehr Gehalt? Sie haben doch einen Feiertag, was wollen Sie denn?”). Aber als Gegengewicht zu den vielen kirchlichen Feiertagen würde ich ihn auf jeden Fall begrüßen. Dann müssten natürlich alle frei haben und nicht lediglich die Frauen.